Oktober und November sind zwei Monate, in denen eine Verkostung die nächste jagt. Die erste fand am letzten Wochenende im Castello di Levizzano statt und war, anders als die meisten, die noch folgen werden, ausgesprochen entspannt. Grund dafür war vor allem die Auswahl der Winzer, die kaum bekannt, nicht allzu viele Besucher anlockten. Zwar befand sich mit Lino Maga (bzw. seinem Biographen, der für den betagten und zu Hause gebliebenen Winzer die Weine ausschenkte), dem Schöpfer des Barbacarlo, einem der großen Rotweine Italiens, auch ein zugegebenermaßen eher Insidern bekanntes Zugpferd unter den teilnehmenden Winzern, generell war der Bekanntheitsgrad aber eher gering. Das Niveau allerdings war es nicht.

Das lag unter anderem an einer Truppe junger Winzer aus dem Valtellina, die das bestätigte, was die Weine von Ar.Pe.Pe, dem besten Produzenten der Region (und einem der besten Italiens) seit Jahren ohnehin nahelegen – dass die Nebbiolos des Valtellina (die man im Valtellina übrigens Chiavennasca nennt) eine kühle aber profunde Alternative zu jenen des Piemonts darstellen. Sympathisch ist dabei, dass es auch eine, unter dem Namen Rosso di Valtellina gekelterte Einstiegsvariante gibt, die zeigt, dass Nebbiolo auch als leichter Wein mit subtilen Aromen bestens funktioniert. Die länger ausgebauten Weine waren quasi durch die Bank druckvoll, saftig, vielschichtig und elegant. Um sich und ihren Weinen mehr Gewicht zu verleihen, haben sich insgesamt acht Winzer aus unterschiedlichsten Orten der Region zu der Gruppe Veltliner („den Namen haben uns die Österreicher geklaut“) zusammengeschlossen – nähere Portraits einzelner Winzer folgen mit Sicherheit. Bis es soweit ist, lohnt es sich allemal die Namen der anwesenden Winzer zu erwähnen: Barbacàn, Boffalora (beide exzellent), Pizzo Coca, Franzina, Terra Alta und Fondo Bozzole.

Bestätigt wurde im Castello auch die Vermutung, dass Croatina eine ganz fantastische Rebsorte ist. Bisher kannte ich die Sorte reinsortig ausgebaut nur von Walter Massa, dem Castello di Stefanago und Daniele Ricci, über dessen beiden Interpretationen, Elso und El Matt, es auch zwei ausführlichere Beschreibungen gibt. Hinzu kamen nun der brillante  OPPure von Stefano Milanesi, einem Winzer aus dem Oltrepo Pavese, dessen komplette Kollektion (mit Ausnahme eines recht ausladenden Pinot Nero) schwer beeindruckend ist und der Croatina von der Cantina del Castello Conti, einem Weingut aus Boca im nördlichen Piemont – auch hier lohnt sich der ganze Rest, inklusive einer Cuvée aus 14 unterschiedlichen Rebsorten, die seit Jahrzehnten wild verstreut in den Weingärten des Castello wachsen und gemeinsam gelesen und vinifiziert werden.

Die Cantina del Castello Conti ist auch Teil des I AM AGRICOLO-Projekts, dem acht kleine Weingüter rund um Biella angehören – Fabio Zambolin, Andrea Manfrinati, Vino del Sorriso, Massimo Pastoris, La Riviera, Madonna dell’Uva und die Azienda Agricola Ilaria Salvetti – letztere wiederum widmet sich ausschließlich der Erbaluce, einer ziemlich in Vergessenheit geratenen Rebsorte, die aufgrund ihrer intensiven Säure und zurückhaltenden und feinen Aromatik seit jeher vor allem zu Süßwein verarbeitet wird. Nachdem Süßwein (und mag er noch so gut sein) zurzeit ungefähr so populär ist wie ein Dieselmotor in deutschen Innenstädten macht Ilaria Salvetti mittlerweile auch einen exzellenten Schaumwein (metodo classico) und einen Stillwein, den sie allerdings nicht mit im Gepäck hatte.

Einen Schaumwein gab es auch am Stand der Tenuta Montagnani, die im Jahr 2014 gegründet, ihre ersten Weine präsentierte. Nachdem das Weingut seine Heimat in San Gimigniano hat, gab es naheliegenderweise und ausschließlich Vernaccia. Der schmeckt durch die Bank gut, der Frammenti, eine in Zement ausgebaute, druckvolle und vitale Version auch noch besser. Wer in die Gegend kommt (und die Wahrscheinlichkeit ist größer als bei den oben genannten Orten) kann ruhigen Gewissens dort vorbeischauen.

Hintergrund: Hoch oben im Norden, dort wo das Piemont langsam an die Schweiz klopft, findet sich Bramaterra, eine steinalte Weinenklave, in der seit vielen Hundert Jahren Weinbau dokumentiert ist. Bevor Bramaterra 1979 zur DOC erklärt wurde, nannte man den Wein der Region „Vino dei Canonici“ und bezog sich damit auf die große Popularität, die er unter Kirchenleuten besaß – nie ein schlechtes Zeichen. Bramaterras Reben – stets eine Kombination aus größtenteils Nebbiolo und ein wenig Croatina und Vespolina – wurzeln in einer hügeligen Topographie auf ca. 400 Metern in  stark eisenhaltigem Untergrund, über den sich eine marine Sandschicht gelegt hat. Die Gegend ist relativ kühl, ein Aspekt, der sich dann auch wie ein roter Faden durch die Weine von Carlo, Giacomo und Cristiano zieht.

Der Bramaterra 2014 wurde in Zementzisternen spontan vergoren und danach über zwei Jahre in gebrauchten Barriques gelagert, um letztlich nochmals über vier Monate in Zementzisternen sein Gleichgewicht zu finden.

Stil: Kühl, saftig, animierend und dabei doch kompakt, stoffig und gehaltvoll – im Grunde genau das, was man sich unter einem klassischen und hochklassigen Nebbiolo vorstellt. Die Aromen schlagen einen Bogen von Rosen und Thymian bis zu Kirschen und Gewürznelken. Am Gaumen packt das Tannin zu, doch bleibt der Wein stets zugänglich, mürbe und rund. Lebendigkeit, Geradlinigkeit und nachhallende Frucht- und Pfeffernoten prägen den Abgang.

Datenblatt

Rebsorte: 70% Nebbiolo, 20% Croatina, 10% Vespolina
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: auf ca. 400 Meter in  stark eisenhaltigem Untergrund, über den sich eine marine Sandschicht gelegt hat
Lese: per Hand
Vergärung: spontan     | wilde Hefen in Zementzisternen
Ausbau: 2 Jahre im gebrauchten Barriques, 6 Monate in Zement
Filtration: nein
SO: < 50mg/l
Alkoholgehalt:  12,5 % vol
Verschluss: Naturkork
Trinktemperatur: 15-17 °C
Perfekte Trinkreife: 2020 – 2028

Eugenio Bocchino und Cinzia Pelazza bewirtschaften 5,5 Hektar Weingärten in La Morra, mitten im Herzen des Barologebiets. Einige davon waren einst im Besitz von Cinzias Großvater, andere kamen im Laufe ihrer mittlerweile 20-jährigen Winzerlaufbahn hinzu. Ähnlich klein strukturiert wie das Burgund werden auch im Barolo rigoros Einzellagen vinifiziert, wobei die Hierarchie der Lagen wesentlich demokratischer konzipiert ist. Hier gibt es keine Grand und Premier Crus, allerdings haben sich durch jahrhundertelange Erfahrung dennoch feine Unterschiede zwischen den Dörfern, den einzelnen Lagen, den Expositionen und ihren Reputationen herauskristallisiert.

Die beiden vinifizieren zu 95% Nebbiolo, die große Sorte der Region. Die bekannteste ihrer Crus ist mit Sicherheit die Lage La Serra, deren knapp 14 Hektar Rebfläche sie sich u.a. mit den Roberto Voerzio und der Podere Marcarini teilt. Eugenio und Cinzia besitzen dort alte und junge Rebflächen, die sie separat ausbauen und erst kurz vor der Füllung zusammenführen. Intensität und Kraft stehen beim La Serra im Vordergrund. Ein zweiter Barolo verzichtet auf die Lagenbezeichnung und trägt stattdessen den Namen der Tochter Lu. Hier geht es straffer zur Sache, der Ausbau erfolgt in größeren Eichenfässern und für ein Jahr im Zement, Kraft wird hier durch Eleganz ersetzt, Intensität durch Subtilität. Der dritte große Nebbiolo ist kein Barolo, da sich die Lage La Perucca zwar genau zwischen Barolo und Barbaresco aber eben doch außerhalb der sakralen Nebbiolozonen befindet. Das macht zwar sensorisch kaum einen Unterschied, da La Perucca auf quasi demselben Terroir basiert, preislich schlägt sich ein Verlassen der Zonen allerdings sofort nieder. La Perucca ist straff und saftig, die Erdauflage ein weniger sandiger als die restlichen sechs Parzellen der beiden, doch besteht auch ihr Boden hauptsächlich aus Lehm und Kalk. Ein vierter Nebbiolo, der Roccabella ist elegant, puristisch und geradlinig, feingestrickt und zart und bildet den beeindruckenden Einstieg in Eugenios und Cinzias Nebbiolowelten.

Nach konventionellen Anfängen, stellten die beiden erst auf biologische und 2010 auf biodynamische Bewirtschaftung um. Sie sind Mitglied bei Nicolas Jolys Renaissance de Terroir Gruppe und bei der Naturweinbewegung ViniVeri. Im Weingarten besteht dabei das permanente Bestreben, auch auf Schwefel und vor allem Kupfer soweit wie möglich zu reduzieren. Um das zu erreichen experimentiert Eugenio auch mit diversen Präparaten und Ölen. Im Keller wird durch die Bank spontan vergoren, der Ausbau der Weine findet vor allem auf größeren Holzfässern statt. Gefiltert und geschönt wird nicht und auch sonst verzichtet man mit der Ausnahme von ein wenig Schwefel auf Additiva jedweder Art.

Sich aus dem Fenster zu lehnen und zu sagen, dass Nebbiolo Italiens größte Rebsorte ist, ist eine relativ ungefährliche Sache. Zu sagen, dass sie weltweit die Nase vorne hat, ist schon gefährlicher und wird zumindest von der Fraktion der Pinot Noir Trinker (nicht ganz unberechtigt) unterminiert werden. Zu behaupten, dass sie die größte Sorte des Piemonts ist, könnte allerdings, wenn man es genau nimmt, zum Sturz führen. Denn sollten sich die Vermutungen der Ampelographen irgendwann bestätigen, dann stammt Nebbiolo weder aus Barolo noch Barbaresco und auch nicht aus Bramaterra oder Gattinara, sondern aus dem Valtellina und folglich aus der Lombardei.

Den Grund für diese Annahme liefern wiederum andere Rebsorten wie Brugnolo, Rossola, Pignola, Rossolino etc., die in einem engen Verwandtschaftsverhältnis mit Nebbiolo stehen und allesamt ihren Ursprung in der felsigen Welt des Valtellina haben. Und natürlich auch die Tatsache, dass die Sorte dort bis heute wenig bekannte, aber immer wieder fantastische Interpretationen erfährt. Fakt ist freilich auch, dass sich die Sorte im Laufe der Jahrhunderte über das nördliche Piemont und bis in den Süden des Aostatals ausbreitete und in diesem kühlen, voralpinen Territorium seine optimalen natürlichen Voraussetzungen gefunden zu haben scheint (in Italien hat man es abgesehen von ein paar wenigen und uninteressanten Ausnahmen aufgegeben, die Sorte auch woanders zu kultivieren und auch im übrigen Europa scheint sich kein Ort zu finden, wo man Nebbiolo die Bedingungen bieten kann, die ihr zu ihrer Reputation verholfen haben. In Übersee dagegen hat man sich die Hörner noch nicht komplett abgestoßen und produziert Nebbiolo, der zwar wenig mit den italienischen Varianten gemein hat, aber sich immerhin bestens vermarkten lässt.)

Geschichte: Nebbiolo ist nicht nur edel sondern auch alt. Plinius der Ältere nannte sie nubbiola, ein lateinischer Verweis auf den Nebel, der sich im Allgemeinen über die Weingärten des Piemonts legt, wenn man, spät im Herbst, die Sorte liest. Seit damals findet sie immer wieder Erwähnung, unter anderem in einem 1402 in La Morra erlassenem Dekret, das die Beschädigung von Nebbioloreben unter schwere Strafe stellt. Was den simplen Schluss nahelegt, dass man auch schon vor 600 Jahren wusste, dass man es bei Nebbiolo mit DER exemplarischen Qualitätssorte der Region zu tun hatte (was nicht ganz selbstverständlich war, da man mit Freisa, Grignolino und, in den richtigen Zonen und richtigen Händen, Dolcetto auch noch aus anderen Sorten vermutlich exzellente Weine kelterte).

Nebbiolo vereint – in aller Kürze – alle Attribute, die man sich bei großen Weinen wünscht. Sie liefert Säure und zupackende aber feine Tannine. Sie ist elegant und filigran und hat dabei doch Tiefe. Sie ist sensorisch komplex, subtil und nuanciert mit einem immensen Aromaspektrum. Sie ist nie aufdringlich. Sie übersetzt wie keine andere rote Sorte außer Pinot ihr Terroir in den gekelterten Wein. Sie reift blendend. Damit all diese Komponenten auch zum Vorschein kommen können, bedarf es allerdings einiger ineinandergreifende Voraussetzungen.

  1. Süd, südost- oder südwestseitige Lagen wären nicht schlecht. Nebbiolo reift spät und braucht neben dem grundsätzlich eher kühlen Klima Norditaliens Sonne (es gibt, vor allem im Barolo, leider eine Tendenz auch weniger privilegierte Lagen mit Nebbiolo zu bestocken, da die Sorte finanziell deutlich mehr abwirft als Barbera & Co.)
  2. Sandige mit Ton und Kalk durchsetzte Böden – innerhalb des Piemonts und der Lombardei gibt es zwar erhebliche Unterschiede in der Gewichtung der Anteile, die Basis bleibt allerdings ziemlich gleich)

Vinifikation: Der Glaubenskrieg zwischen Modernisten (neues Holz, Ertragsreduzierung, neue Klone, dichte Bestockung, Temperaturkontrolle, kurze Mazerationszeiten, früh antrinkbar) und Traditionalisten (große Holzfässer, lange Mazerationszeiten, keine Temperaturkontrolle etc.), der in den 80er Jahren in Barolo und Barbaresco ausbrach und sich bis in die 2000er Jahre fortsetzte, scheint zwar mit leichten Vorteilen für die Traditionalisten beendet zu sein, individuelle Noten prägen allerdings glücklicherweise weiterhin ganz eminent die Weine. Die oben geschilderten Attribute trifft man freilich vor allem bei traditionellen Vinifikationen an.

Vorkommen: Abgesehen vom Barolo und Barbaresco, denen ich in absehbarer Zeit sicher längere Artikel widmen werde, lohnt es sich, den Blick auch über den Tellerrand und in Richtung Norden zu richten. Bramaterra, Lessona, Coste della Sesia, Ghemme, Gattinara, Roero und Carema sind allesamt piemontesische Regionen, in denen teils exzellente Voraussetzungen für Nebbiolo herrschen – wobei es leider nur wenige Winzer gibt, die biologisch arbeiten (Antoniolo, Colombera, Antoniotti… wobei die Tendenz leicht steigend ist). Das Valtellina habe ich bereits erwähnt und abgesehen davon, dass sich mit Ar.Pe.Pe. dort einer der besten Nebbioloproduzenten befindet, ist die Region für sich unglaublich spektakulär. Weinbau ist absolut grenzwertig und wer wissen will, wie Bergweinbau funktioniert, sollte entweder in die Ecke aufbrechen oder sich „Rupi del Vino“, das erstaunliche Portrait der Region von Ermanno Olmi anschauen: ein Ausschnitt findet sich Hier). Am wenigsten bekannt dürften die Nebbiolopflanzungen im Val Camonica (Lombardei – Enrico Togni keltert dort exzellente Beispiele) und in Donnas im Aostatal sein. Wer die Gelegenheit hat, an Weine aus diesen Regionen ranzukommen, sollte sie nutzen, wobei ich befürchte, dass man sich dafür nach Italien aufmachen muss.

Barolos und Barbarescos tendieren dazu, recht teuer zu sein. Da ich Weinpreise bis € 60 nachvollziehen kann, darüber hinaus allerdings nicht, sind hier nur Empfehlungen gelistet, die sich unter dieser Preisgrenze befinden.

Wenn hier trotzdem einige große Namen fehlen, dann kann das aber auch daran liegen, dass ich ihre Weine nicht kenne (gut möglich), sie nicht mag (schon auch möglich) oder sie nach Kriterien kultiviert und gekeltert werden, die ich für mich ausgeschlossen habe.

Serafino Rivella: Barberesco Montestefano (€ 35)
Cascina Roccalini: Barbaresco Roccalini (€ 30)
Cascina delle Rose: Barbaresco Rabajà  (€ 35)
Sottimano: Barbaresco Pajoré (€ 40)
Cigliutti: Barbaresco Serraboella (€ 40)
Piero Busso: Barbaresco Gallina (€ 49)
Roagna: Barbaresco Paje (€ 55)
Bocchino: Barolo La Serra (€ 45)
Bocchino: Nebbiolo d’Alba La Perucca (€ 25)
Brovia: Barolo Villero (€ 50)
Giacomo Brezza: Barolo Cannubi (€ 35)
Giuseppe Rinaldi: Barolo Cannubi San Lorenzo (€ 50)
Giuseppe Rinaldi: Barolo Brunate Le Coste (€ 50)
Giuseppe Rinaldi. Nebbiolo Langhe (€ 20)
Castello di Verduno: Barolo Monvigliero (€ 45)
Bartolo Mascarello: Barolo (€ 55)
Cascina Fontana: Barolo (€ 40)
Giovanni Manzone: Barolo Castelletto (€ 35)
Carlo Viglione: Barolo (€ 30)
Aldo Conterno: Langhe Nebbiolo Cavot (€ 35)
Ferdinando Principiano: Barolo Ravera (€ 45)
Cascina Val del Prete: Nebbiolo Vigna di Lino  (Roero – € 20)
Antoniotti: Bramaterra (€ 22)
Colombera & Garella: Bramaterra (€ 20, Nebbiolo mit etwas Vespolina und Croatina)
Sergio Barbaglia: Boca (€ 35)
Antoniolo: Juvenia (€ 15)
Togni Rebaioli: 1703 Nebbiolo (€ 16 Val Camonica)
Ar.Pe.Pe:: das komplette Sortiment (Valtellina)

Im Schlagschatten des Piz Bernina, am Fuße der Alpe retiche, der rhätischen Alpen wurzeln die Nebbiolo-Stöcke von Ar.Pe.Pe, benannt nach Arturo Pelizzati Peregodas, dem Vater der gegenwärtigen Besitzer Isabella und Emanuele. 1984 schied er aus einem Konsortium an Winzern aus, das diverse Weinkeller in Italien umfasste und machte sich auf seinen eigenen Weg. Der war im wahrsten Sinne des Wortes steinig, lagen doch die meisten seiner Weingärten in Grumello (einer Subzone des Valtellina) in unwegsamem gebirgigem Gelände, einzig gehalten von einer Unmenge an wild in den Berg gebauten Steinterrassen.

Was in den folgenden 30 Jahren entstand gehört zu den großen Leistungen im italienischen Weinbau. Ar.Pe.Pe ist in dieser Zeit zu einer der wenigen Alternativen großer Baroli aufgestiegen. Die Voraussetzungen sind hart und doch brillant. Karge Bergböden machen quasi überall Handarbeit notwendig. 10 Hektar werden so bewirtschaftet, allesamt steile und steilste Hanglagen. Gelesen wird in 10 Kilo Rucksäcken, die beim Abstieg nicht behindern, und das zumeist in praller Sonne, da fast alle Lagen nach Süden ausgerichtet sind.

Sind die Hänge dem Nebbiolo und einzig dem Nebbiolo vorbehalten, so gehört das Innere des Berges dem Weinkeller. Der wurde in monatelanger Arbeit in den Berg gegraben und beinhaltet heute alles was ArPePe für die Weinherstellung braucht. Das sind Eichen- und vor allem Kastanienfässer, die an die lange Geschichte des Valtellina anknüpfen. Der Ausbau ist lang, oft vergeht ein knappes Dutzend Jahre bis die Weine das Licht der Welt erblicken. Und so ist es nichts Ungewöhnliches, wenn Ar.Pe.Pe auch heute noch Weine aus den den frühen 2000er Jahren anbietet. Der Stil hat sich dabei in all diesen Jahren nicht wirklich geändert. Die Nebbioli sind elegant, mineralisch, komplex, fruchtpräzis, lebendig und über die Jahre meist geprägt von feiner Würze und Erdigkeit. Sie sind in all ihrer Frische und Strenge auch große Repräsentanten einer viel zu unbekannten Bergweinregion.

Ar.Pe.Pe – Isabella, Manuele und Guido Pelizzatti Perego
Via del Buon Consiglio, 4, 23100 Sondrio SO
Tel +39.0342.214120
Fax +39.0342.050412
arpepe@fastwebnet.it; info@arpepe.com
www.arpepe.com

WEINE

Rosso di Valtellina
Sassella Ultimi Raggi
Sassella Vigna Regina
Sassella Rocce Rosse
Grumello Buon Consiglio
Il Pettirosso
Inferno Fiamme Antiche
Sassella Stella Retica
Grumello Rocca De Piro

Jahresproduktion: 50000 Flaschen
Rebsorten: 100% Nebbiolo
Rebfläche: 10 ha
Reberziehung: Guyot
Rebstockalter: bis zu 50 Jahre
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja; Kuhmist
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Bio-biodynamisch zertifiziert: nein
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Dichtung: Intensiv, kraftvoll und erdig. Kein Wein für einen Kindergeburtstag. Dass man die Flasche theoretisch trotzdem locker alleine packen würde, liegt daran, dass Tannin und Säure brillant puffern. Der Nebbiolo riecht schon strukturiert, ein paar Beeren, ein paar mediterranen Kräutern wechseln mit dunkler Noten ab (Erde, Moos). Die Kühle des Jahrgangs belebt zusätzlich, erdige Aromen tragen ihn über den Gaumen. Lang und wie jeder gute Barolo, der erst 6 Jahre am Buckel hat, jung.

Wahrheit: Am liebsten hätte ich jeden Tag ein paar Gläser Nebbiolo. Oder Flaschen. Ist nicht: zum Trost gibt es immerhin gelegentlich ein Glas von Eugenio Bocchinos Nebbiolo La Perucca – den kann man definitiv zu den fünf besten Nebbioli zwischen den ZONEN zählen. Die Zonen? Barolo und Barbaresco. Von Eugenio Bocchinos Weingarten La Perucca kann man, ist man gut in Form, einen Stein nach Barbaresco rüberwerfen. Hilft alles nichts. La Perucca schmeckt zwar wie Barbaresco (und viel besser als viele, die ich von dort kenne) ist aber bloß ein Nebbiolo d’Alba. Tut prinzipiell nichts zur Sache, kostet halt nur die Hälfte und da einer der Gründe, warum es Barolo nicht auf Tagesbasis gibt der Kostenfaktor ist, sei der Preis (€ 24 bei vinonudo.at) eben mal erwähnt. La Perucca basiert vor allem auf Lehm, Kalk und Sand, die Pflanzdichte liegt bei 5000 Stöcken pro Hektar bei einem durchschnittlichen Ertrag von 1kg/Stock. Gepflanzt wurde der Weingarten 1995 auf 280 Meter Höhe, seit einigen Jahren wird er konsequent biodynamisch bearbeitet, wobei auch die alljährlichen Kupfermengen kontinuierlich abnehmen. Der Ausbau befindet sich in einer Umstellungsphase. 2008, der Jahrgang, mit dem ich mir meine Abende vertreibe, lag noch in gebrauchten Barriques, seit 2010 landet der Wein in großen slawonischen Eichenfässern. Vinifiziert wird quasi interventionsfrei.


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