Palazzo Tronconi

Palazzo Tronconi ist ein Gesamtkunstwerk. Das ist schon deshalb erstaunlich, weil es das Weingut erst seit 2010 gibt. Es geht auf die Kappe von Marco Marrocco und ist, anders als es der Name suggeriert, kein altes Gemäuer, sondern perfekt in die Landschaft eingepasste Gegenwartsarchitektur. Darin befinden sich die Büros, ein Restaurant und die Kellerei, in der derzeit acht verschiedene Weine vinifiziert werden, die abgesehen davon, dass sie durch die Bank sehr gut schmecken, auch eine Kulturleistung darstellen. 

Zum einen weil Marco seine Weingärten biodynamisch bewirtschaftet, vielmehr aber weil er sie mit Rebsorten bepflanzt hat, die einen weiten Blick zurück in die Weingeschichte des Latiums und speziell der Region rund um Arce werfen, wo sich das Weingut befindet: Maturano Bianco, Pampanaro, Capolongo, Olivella und Lecinaro wurden zwar angeblich schon im Königreich Neapel begeistert konsumiert, heute findet man die Rebsorten allerdings so gut wie nirgendwo mehr.

Zumindest bis Marco Marrocco begann, sie im Valle del Liri am nördlichen Ausläufer des – mehr als sehenswerten – Drei-Regionen-Nationalparks Abruzzen, Molise und Lazio neu auszusetzen oder wieder instandzusetzen. Bei seinem Projekt behilflich waren ihm der Biodynamik-Experte Michele Lorenzetti und Piero Macciocca vom gleichsam exzellenten Weingut La Visciola.

Dessen elegante Handschrift hat im Keller seine Spuren hinterlassen, wo die Weine spontan in Zement vergoren, für gewöhnlich in 500 Liter Holzfässern gereift und ungeschönt und ungefiltert abgefüllt werden.


Palazzo Tronconi

Via Corte Vecchia, 44
03032 Arce (Fr) – Italia
+39 0776 539678
info@palazzotronconi.com
palazzotronconi@legalmail.it
www.palazzotronconi.com

 

Weine – eine Auswahl

Fregellae: Pampanaro, Maturano bianco und Capolongo. In Akazienfässern ausgebaut. Zitrusnoten, floral, filigrane Frucht. Hat Tiefe ohne anstrengend zu sein. Fließt ausgewogen und unbeschwert über den Gaumen. Sehr gut.

Fatìa: Die kleine Schwester des Fregellae. In Zement vergoren und ausgebaut. Der weiße Einstieg. Blüten, Zitrus, frisches Kernobst. Geradlinig, strukturiert, erfrischend. 

Mocevò: Aus autochthonen roten Sorten gekeltert. In 500 Liter Fässern gereift. Trockenobst, reife rote Früchte, süße Würze, Pfeffer. Rund. Kein forderndes Tannin. Recht kräftig und intensiv. Leichter Holzton.

Gizziello: Rifermentato, ergo: Rosato Frizzante mit einer Zweitgärung in der Flasche. Nicht degorgiert. Die Rebsorte ist Lecinaro, die sich aufgrund ihrer hohen Säure und ihres generell leichten Körpers optimal für den Ausbau von Rosé und Frizzante und natürlich Rosé Frizzante eignet. Straff, vibrierend, saftig. Rosen, Zitrus und rote Früchte.

Donnicò: 100% Olivella. Wurde über 12 Monate im Tonneaux gereift. Gleichfalls eine alte rote Rebsorte aus dem südlichen Lazio. Mediterran. Rotfruchtig. Kräuter und Pfeffer am Gaumen. Elegant und direkt. Weiche Tannine. Präsente Säure. Nie ausladend. Ausgewogen und saftig. Sehr gut.


Rebsorten: Maturano Bianco, Pampanaro, Capolongo, Sauvignon Blanc; Olivella, Syrah und Lecinaro
Rebfläche: 18 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja, Demeter
Wohnmöglichkeit: ja


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: vinisud

AT/DE/CH: –

 

La Visciola

Piero Macciocca und Rosa Alessandri und ihr Weingut La Visciola sind in Piglio zu Hause. In den Weingärten rund um den kleinen Ort entstehen die mitunter besten Rotweine des Latiums. Die sind – obwohl seit 2008 immerhin DOCG – zwar außerhalb der Region quasi unbekannt, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Verdient wäre es allemal. Was zum einen an Personen wie Piero und Rosa liegt, zum anderen aber auch an Cesanese, der großen roten Rebsorte Piglios. 

Piero und Rosa machen die vielleicht besten (andere exzellente Versionen stammen von Carlo Noro, Riccardi Reale und Damiano Ciolli), ganz sicher aber die elegantesten Cesanese – was nicht immer ganz leicht ist, tendiert die Sorte doch dazu, reichlich Zucker in ihren Trauben einzulagern und folglich recht alkoholreiche Weine zu ergeben. Die beiden profitieren jedoch gleich von gleich mehreren Faktoren, die ihre Interpretationen der Sorte straffer und weniger korpulent als die anderer Winzer werden lassen – zum einen liegen ihre vier Weingärten auf ca. 400 Metern Höhe und sehen sich dort oben kühlen Winden ausgesetzt, die aus der an sie anschließenden Hügellandschaft der Ciociaria herabwehen. Zum anderen sind ihre Reben alt und bestens an ihr Terroir angepasst. Und zu guter Letzt bewirtschaften die beiden seit der Gründung des Weinguts 2005 ihre Rebflächen biodynamisch, was grundsätzlich zu einer etwas früheren Lese als in konventionell kultivierten Weingärten führt.

Im Keller – der mehr einer Garage ähnelt – werden die Trauben auf höchstem handwerklichem Niveau verarbeitet. Alle vier Cesanese Weingärten werden separat vinifiziert und ausgebaut. Hinzu kommt auch noch eine Charge mit der weißen Passerina. Vergoren wird spontan, geschönt und gefiltert wird nicht, geschwefelt minimal.

Weine – eine Auswahl

Priore ist gleichbedeutend mit Cru oder Einzellage.

Priore Vignali: 100% Cesanese. Leicht, spielerisch, elegant. Blüten und rote Früchte. Weiche Tannine. Ausgewogen. Fließt belebend und doch lang über den Gaumen.

Priore Ju Quarto: 100% Cesanese. Das Gegenteil des Vignali. Kraftvoll, intensiv, mit ordentlich Fleisch am Körper. Dunkler und würziger. Präsente Tannine. Warmes Finish.

Priore Ju Lattaro: 100% Cesanese. Schlägt die Brücke zwischen den beiden vorangegangenen Weinen. Hat Power und zudem Finesse. Bettet seine Energie in einen strukturierten Körper. Macht Druck in Richtung Gaumen. Langes Finish. Sehr gut.

Priore Mozzatta: Normalerweise die Nummer eins unter den vieren. Ist subtil, komplex, geradlinig, elegant, kraftvoll und ausdrucksstark. Vereint rote Fruchtaromen mit süßer Würze und Blütennoten. Hat Zug und Tiefe. Top.


Piero Macciocca
Adresse: Contrada Carcassanno 40/76, Piglio
Telefon: +39 0775 501950
E-mail: macciocca.piero@libero.it


Rebsorten: Cesanese; Passerina
Rebfläche: 3 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: vinotecanezionale.it

AT/DE/CH: –

 

Raìna

Raìna, soviel sei schon einmal vorausgeschickt, gehört zu den besten Weingütern Umbriens und Zentralitaliens – und zwar nicht nur in einem, ausschließlich auf den Wein bezogenen, qualitativen Sinne, sondern in seiner gesamten Herangehensweise und Konzeption. 

Es geht auf die Kappe von Francesco Mariani, ein diplomierter Philosoph, der jahrelang als Koch in italienischen Top-Restaurants arbeitete, ehe er zum Weinbauern mutierte. Er erwarb das 10 Hektar Weingärten umfassende Weingut in Turri di Montefalco 2001 und gab ihm den Spitznamen des einstigen Besitzers – nicht die einzige Referenz an die Vergangenheit. Von 2002 bis 2008 bepflanzte er mehrere Lagen vornehmlich mit den Rebsorten der Gegend: allen voran Sagrantino, Sangiovese und Montepulciano aber auch Trebbiano Spoletino und Grechetto. Ergänzt wurde das regionale Quintett von den zwei internationalen Klassikern Merlot und Syrah.

Die Weingärten befinden sich zwischen 220 und 300 Metern Höhe, exponieren sich fast durchwegs in die Morgensonne und haben als Untergrund Kalk und Kiesel. Die Bewirtschaftung ist seit jeher zertifiziert biologisch. Seit 2012 setzt Francesco auch biodynamische Prinzipien in seinen Weingärten um, ein Schritt, der – meines Wissens – bisher nicht offiziell vollzogen wurde. Wie auch immer: Er verzichtet auf chemische Pflanzenschutzmittel, verwendet zur Stärkung der Reben Infusionen und Pflanzenpräparate und borgt sich zur Unkrautbeseitigung die Schafe des Nachbarn aus. Die Energie für den Betrieb stammt aus Solarzellen, das Wasser aus einem eigenen Brunnen.

Im Keller wird gleichfalls komplett auf Chemie verzichtet, mit der Ausnahme einer mikroskopischen Menge SO2 vor der Füllung. Die Gärung startet spontan, auf unnötige Interventionen (Verwendung von Enzymen, Mannoproteinen, Schönungsmittel etc.) wird verzichtet. Ausgebaut wird je nach Weintyp in Stahl, Zement oder Holz.

Francescos Weine sind durch die Bank ausgewogen, animierend, profund, lebendig und  gehaltvoll – bei ihm in Umbrien vorbeizuschauen, lohnt sich also allemal. Wer in größeren Gruppen unterwegs ist, kann – nach Voranmeldung und sofern es seine Zeit erlaubt – auch bei ihm essen.


Francesco Mariani
Adresse: Turri case sparse, 42
Telefon: +39 347 6014856
E-mail: info@vini-raina.it
Webseite: www.raina.it

Weine – eine Auswahl

Grechetto: Grechetto ist eine der langweiligsten Rebsorten, die ich kenne. Umso erfreulicher, dass Francesco es schafft, ihr erstaunlich spannende Seiten abzugewinnen. Nach zweitägigem Schalenkontakt, einem halben Jahr im Stahltank und einigen weiteren Monaten in der Flasche ist der Wein saftig, dicht, dynamisch, fruchtbetont und leicht kräuterig. (ca. € 11)

Trebbiano Spoletino: Ein anderes Kaliber. Einer achttägigen Zeit auf der Maische folgt ein halbjähriger Ausbau in Zement. Hat Druck und Zug, Eleganz und Finesse, herbstliche Aromen, Körper und Ausgewogenheit. Wirkt kühl und einladend und hat doch Tiefe und Substanz. Toller Wein. (ca. € 15)

Montefalco rosso: 70% Sangiovese und jeweils 15% Merlot und Sagrantino. Wird über zwei Jahre im großen Holz und danach noch weitere sechs Monate im Stahltank und in der Flasche gereift. Floral, dunkelfruchtig, erdig. Hat ein feingewobenes Gerbstoffgerüst und einen spürbaren Säurekern. Braucht für gewöhnlich etwas Luft und Zeit.  (ca. € 15)

Rosso della Gobba: 70% Sangiovese, 15% Montepulciano, 15% Sagrantino. 18 monatiger Ausbau im Stahltank. Feine Kräuternoten, dunkle Kirschen, süße Gewürze. Straff, dicht, unkompliziert. Toller Wein für alle Tage (ca. € 12)

Sagrantino di Montefalco: 100% Sagrantino. Ausbau über vier Jahre in Holz, Stahl und in der Flasche. Kompromisslos Sagrantino, ergo: Hat Power, Körper, Tannine und Alkohol und versteckt sie auch nicht. Hat aber auch Säure, Energie und saftige Aromen, die dem Wein Struktur und Trinkfluss geben. Übersteht problemlos zehn Jahre Kellerreife und profitiert vermutlich noch davon. Exzellent. (ca. € 26)

Vermouth: Ein paar hundert Liter Sagrantino und Peschiera di Pacina (ein Weißwein, den ich nicht kenne) zweigt Francesco ab und versetzt sie mit Kräutern (Lakritze, Zimt, Chinarinde, Rhabarber, Enzian und Zitrusfrüchte) und etwas Rohrzucker. Das ergibt dann einen Vermouth mit unzähligen ineinandergreifenden und bestens miteinander korrespondierenden Aromen, ordentlich Gerbstoff und lebendigem Säureprofil, einer konzentrierten Textur und immens langem Finale. Ein Meisterwerk.  (ca. € 30)


Rebsorten: Trebbiano Spoletino, Grechetto, Sagrantino, Sangiovese, Montepulciano, Merlot, Syrah
Rebfläche: 10 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Essmöglichkeit: ja, nach Voranmeldung


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine, decanto.it

AT/DE/CH: vinonudo.at

De Fermo

Es gibt mehrere Gründe, Loreto Aprutino einzuplanen, wenn man sich auf den Weg in die Abruzzen macht. Der kleine Ort liegt ziemlich genau auf halbem Weg zwischen dem Meer und dem schwer beeindruckenden Massiv des Gran Sasso. Er besitzt mit der Chiesa Santa Maria in Piano eine der schönsten romanischen Kirchen der Gegend (und in den Abruzzen gibt es eine ganze Menge davon), einen hübschen Ortskern, das beste Olivenöl der ganzen Region und die fantastischen Weine von Stefano Papetti und Eloisa de Fermo.

Stefano wuchs in Bologna auf. Obwohl seine Familie keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft hatte, begeisterte er sich bereits in seiner Gymnasialzeit für Wein. Mit 18 belegte er einen Sommelierkurs und machte erste Reisen ins Piemont, die Toskana und ins Friaul. Als Berufsziel kam Wein jedoch nicht in Frage. Stattdessen studierte er Jura in Bologna. Dabei lernte er seine spätere Frau Eloisa kennen, deren Familie aus den Abruzzen stammte und dort ein Gut besaß, das allerdings niemanden wirklich interessierte und verpachtet war. 

Für Stefano, der das Anwesen erst nach einigen Jahren zum ersten Mal zu Gesicht bekam, war es Liebe auf den ersten Blick – was wiederum nicht bedeutete, dass die beiden in Bologna alles an den Nagel hingen und in Richtung Abruzzen aufbrachen. Doch machte speziell er sich immer öfter in den Süden auf und eines Tages begann er einen ersten Hektar Reben selbst zu bewirtschaften. 

Im Gut selbst befand sich bereits damals ein (zwar renovierungsbedürftiger) Keller, sodass Stefano 2010 damit beginnen konnte, einen ersten Montepulciano zu vinifizieren. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Nach positiven Reaktionen von befreundeten Winzern kamen 2012 ein Weißwein und ein Cerasuolo (der berühmte Rosato der Gegend) hinzu. 2013 bewirtschaftete er bereits die kompletten 16 Hektar des Weinguts  – damals noch biologisch, mittlerweile biodynamisch.

So entstehen gegenwärtig sechs Weine – allesamt spontan vergoren, ungeschönt und ungefiltert und jeder auf seine ganz eigene Art und Weise spannend und eindrücklich. Absolut beeindruckend sind dabei vor allem die Weißweinen, allen voran der Chardonnay Launegild, ganz sicher einer der besten Weißweine Zentralitaliens. 

Weine – eine Auswahl

Concrete bianco: Pecorino, Chardonnay und Trebbiano. Relativ früh gelesen. Wird teils ganztraubengepresst, um die Struktur zu forcieren. Über 6-7 Monate in Zement ausgebaut. Frisch, saftig, einladend. Kräuter und Blütennoten. Animierend und früh antrinkbar.

Pecorino Colline Pescaresi Don Carlino: Stammt von 25 Jahre alten Pecorino-Trauben. Wird ohne Temperaturkontrolle in Zement und Holz vergoren. Floral, Ingwer, Gestein. Kräftiger und ausladender als der Concrete. Dicht und energetisch. Profitiert mit Sicherheit von etwas Flaschenreife. Sehr gut.

Chardonnay Launegild: Stammt von 1926 gepflanzten Chardonnay-Reben. Findet im Tonneaux über zwölf Monate sein Gleichgewicht. Salzig, steinig, dicht und druckvoll. Mineralisch. Blüten & gelbe Frucht. Konzentriert, stoffig und dabei immer elegant. Fließt ruhig aber direkt über den Gaumen. Öffnet sich zunehmend mit Luft. Exzellent.

Montepulciano Prologo: De Fermos erster, 2010 vinifizierter Wein. 2-3 wöchige Mazeration. In großen Holzfässern über 18 Monate ausgebaut. Dunkel, erdig, fleischig. Kirsche. Blüten und Kräuter. Intensiv und nachhaltig. Ein exemplarischer Repräsentant des etwas kräftigeren Montepulciano-Stils.


Kontakt

Stefano Papetti
Adresse: Contrada Cordano
Telefon: +39 085 8289136
E-mail: info@defermo.it
Webseite: www.defermo.it


Rebsorten: Montepulciano; Pecorino, Chardonnay, Trebbiano
Rebfläche: 16 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: freiheit-vinothek; Rohstoff Wein

 

Rabasco

Iole Rabasco hat 2005 ihr 10 Hektar großes Weingut in Pianella gegründet. Der kleine Ort liegt in unmittelbarer Umgebung von Loreto Aprutino, der abruzzesischen Hochburg für exzellentes Olivenöl und spannende Weine (Loreto Aprutino ist die Heimat von Valentini, der gleich mehrfach vom Gambero Rosso als bestes Weingut Italiens geadelt wurde und von De Fermo, dessen Weine man ebenfalls adeln sollte).

Die geographische Position und mit ihr das Terroir von Pianella sind einmalig. Im Schnittpunkt der Adria und der beiden Gebirgszüge des Gran Sasso und der Majella gelegen, profitieren die sich dort befindlichen Reben von einem Mix unterschiedlicher Mikroklimata. Iole bewirtschaftet Weingärten in vier Großlagen (Cancelli, La Conchetta, La Salita, San Desiderio) rund um Loreto und Pianella und nutzt die heterogenen Verhältnissen, um daraus ein erstaunlich diverses Bild ihrer näheren Umgebung zu entwerfen – wobei sie für ihre Weine lediglich auf zwei Rebsorten zurückgreift: Trebbiano d’Abruzzo (weiß) und Montepulciano d’Abruzzo (rot und rosa). Wer also wissen will, was Terroir tatsächlich bedeutet und wie sich die Unterschiede der natürlichen Voraussetzungen auf kleinstem Raum auf die Weine auswirken können, sollte sich durch ihre Interpretationen durchprobieren.

Vinifiziert werden sie alle mehr oder weniger gleich (spontane Vergärung, keine Zusatzstoffe, auch kein SO2, keine Filterung oder Schönungen), wobei naturgemäß auf individuelle Eigenheiten Rücksicht genommen wird.


Iole Rabasco
Adresse: 23/A Contrada, 65019 Pianella PE
Telefon: 320-3019628
E-mail: iolerabasco@tiscali.it
Webseite: www.agricolarabasco.it

Weine – eine Auswahl

Damigiano Rosso: Montepulciano. Stammt von einem dem Meer zugewandten Weingarten (San Desiderio). Wird in Holzfässern vergoren und in 54 Liter fassenden Glasgefäßen (Damigiana) ausgebaut. Reife rote Frucht, süße Gewürze. Warm, weich und dank eines präsenten Tanningerüsts auch strukturiert. (ca. € 20)

Damigiano Bianco: Trebbiano. Wird ebenfalls in Damigiane ausgebaut. Die Trauben stammen allerdings von einer kühleren, vom nahen Apennin geprägten Lage (La Salita). Gelbfruchtig, kräuterig, Zitrusfrucht. Dynamisch und vertikal. Lebendig, voller Energie, mit Trinkfluss und Tiefe. Sehr gut. (ca. € 20)

Vino Rosso Cancelli: Montepulciano. von 40 Jahre alten Reben. Im Stahltank ausgebaut. Sehr schöner Tischwein. Mit viel reifer roter Frucht und einladend würzigen Noten. Fängt die entspannte, legere Seite der Rebsorte ein.  (€ 11)

Rosso Contrada: Montepulciano. Spezialvinifikation aus den besten Trauben des Weingartens Cancelli. Im offenen Holzbottich vergoren und in gebrauchten Holzfässern ausgebaut. Intensiv, würzig, dunkel. Vereint Kraft und Energie. Geradlinig und druckvoll. Baut bis zum Finale Spannung auf. Sehr gut. (€ 22)

La Salita Bianco: Trebbiano. Ein steiler, kalkdominierter Weingarten in nordöstlicher Exposition. Im offenen Holzbottich vergoren und in einem Glasbehälter ausgebaut. Saftige, frische Frucht, kühl, balsamisch. Vital und elegant. Vereint Substanz und Trinkfluss. (€ 14)


Rebsorten: Trebbiano, Montepulciano
Rebfläche: 10 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine; decanto.it

AT/DE/CH: –

 

Antonelli San Marco

Filippo Antonelli keltert im besten Sinne klassische Weine. Das bedeutet keineswegs, dass er nicht fortwährend ausprobiert und experimentiert – allerdings tut er das mit dem Ziel weiterhin klassische Weine zu produzieren, nur noch bessere.

Zu Hause ist die Familie Antonelli seit fünf Generation in Montefalco, dem Herzen des umbrischen Weinbaus. Auf stolzen 170 Hektar wird hier Landwirtschaft betrieben und zwar so, wie man sich das gemeinhin wünscht: biologisch, biodivers, mit großen Waldflächen und Endprodukten, die man gerne isst und trinkt und die preislich fair kalkuliert sind. Alte Getreidesorten, aus der Mehl und Pasta produziert werden, sind ein Steckenpferd, eine kleine Schweinezucht ein weiteres, Olivenöl ein drittes. Mit Abstand am wichtigsten sind jedoch die Weingärten, die lange Zeit quasi ausschließlich mit Sagrantino und Sangiovese bepflanzt waren, zu denen aber in den letzten Jahren glücklicherweise auch noch die exzellente weiße Rebsorte Trebbiano Spoletino hinzugefügt wurde.

Die Terrains sind aufgrund der Größe des Weinguts naturgemäß recht heterogen, basieren aber größtenteils auf Kalk und Lehm und sind fast immer von Wäldern umgeben, die als Temperaturregulatoren fungieren. Der Keller ist mit Behältnissen in jedweder Façon ausstaffiert. Stahl, Zement und Holz finden sich darin genauso wie Terracottaamphoren (für den exzellenten Trebbiano Spoletino Anteprima Tonda) oder Betoneier. Vinifiziert wird ohne großen Schnickschnack. Die Arbeitsschritte regelt die Schwerkraft und keine Pumpen, die Hefen sind wild und nicht gezüchtet, der Ausbau ist dort, wo es sich lohnt, unaufgeregt und langsam. So entsteht eine Palette an Weinen, die Montefalco und seine Geschichte in allen möglichen Varianten nacherzählt – mal einfach und lebendig, mal stoffig und substantiell, mal extravagant und originell.

ps: Man kann bei Antonelli San Marco auch sehr schön wohnen. Und für alle jene, die an der regionale Küche Umbriens interessiert sind (und wer ist das nicht), werden Kochkurse angeboten.


Filippo Antonelli
Adresse: Località San Marco 60, Montefalco
Telefon: +39 0742 379158
E-mail: info@antonellisanmarco.it
Webseite: www.antonellisanmarco.it

 

Weine – eine Auswahl

Trebbiano Spoletino Anteprima Tonda: In der Amphore vergorener Einzellagentrebbiano. Wächst in einem auf 350 Meter Höhe gelegenen Weingarten, der seit jeher als prädestiniert für Trebbiano Spoletino angesehen wird. Ohne Temperaturkontrolle vergoren, ungefiltert gefüllt. Stringent, substantiell, druckvoll. Hat ordentlich Körper aber auch die passende Säure, um ihn zu bündeln. Delikate Aromen. Kräuter, Zitrusfrüchte, Steinobst. Steht erst am Anfang seiner Karriere. Exzellent.

Trebbiano Spoletino: Der kleine Bruder, über sechs Monate in Edelstahl gereift. Auch sehr gut, doch in vielerlei Hinsicht eben doch der kleine Bruder.

Montefalco rosso: Montefalco rosso gehört, in seinen besten Varianten – und dazu zählt auch diejenige von Antonelli – zu den spannendsten Cuvées Italiens. Sagrantino liefert Power und Tannine, Sangiovese Richtung, Vitalität und Finesse. Über neun Monate im großen Holz ausgebaut. Strukturiert, ausgewogen, lebhaft. Hat Körper und Trinkfluss.

Sagrantino di Montefalco: Auf ca. 400 Metern Höhe gewachsen. Mitte Oktober gelesen. Über knapp 40 Tage mit den Schalen vergoren. Danach 18 Monate im Holzfass gereift. Verbrachte vor der Füllung noch einige Monate im Beton. Ungefiltert. Intensiv und kraftvoll. Ein klassischer Sagrantino, den man sich besser zu zweit als alleine vorknöpft. Hat ordentlich Körper und tiefe, einladende Aromen. Flaschenreife tut hier immer gut.


Rebsorten: Sagrantino, Sangiovese, Trebbiano Spoletino
Rebfläche: 50 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: ja


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine;

AT/DE/CH: artevino.ch; biowein-erlesen.de

Mani di Luna

Mani di Luna steht in vielerlei Hinsicht für den langsam einsetzenden aber doch spürbar positiven Umbruch im umbrischen Weinbau.

Betrieben wird das Weingut von Rocco Trauzzola und zwei Mitstreitern, Simone Lazzarin und Alessandro de Filippis, die auf altem Lungarotti-Territorium (die das genaue Gegenteil von Mani di Luna symbolisieren) acht Hektar Weingärten bewirtschaften und ihre Trauben zu Weinen verarbeiten, die man als diametrale Gegenentwürfe zum klassischen umbrischen Weinstil verstehen kann: statt üppig-aufgeblasene, überextrahierte und alkoholschwangere Rotweine und völlig belanglose, banale und neutrale Weißweine (wenig ist bedrückender als die triste Langeweile nahezu aller Weine aus Orvieto) bringen sie quicklebendige und dynamische Rot- und Weißweine in die Flasche, die mit Energie, Trinkfluss und immer öfter auch Tiefgang überzeugen – keine Weine, die einen die Renaissance des umbrischen Weinbaus proklamieren lassen (dafür sind eher die Weine von Raìna geeignet) aber doch solche, die richtig Spaß machen und mit denen man sich gerne nicht nur einmal beschäftigt.

Wurzeln tun die Reben in Torgiano, unweit von Perugia. Die Weingartenarbeit ist seit 2012 offiziell biologisch und wird durch biodynamische Präparate und Tees ergänzt. Mittels einer extrem niedrig gehaltenen Spaliererziehung versuchen die drei die Wüchsigkeit ihrer Reben zu zügeln. Zwischen Sangiovese, Malvasia, Procanico und Grechetto finden sich Kirsch- und Olivenbäume und brechen die Monotonie der Monokultur.

Gelesen wird behutsam per Hand in 18 Kilo fassende Kisten. Die Vinifikation ist im besten Sinne des Wortes handwerklich und folgt dem Regelwerk von vinnatur, was in wenigen Worten bedeutet, dass auf Zusatzstoffe jeglicher Art mit Ausnahme von ein wenig SO2 verzichtet wird.


Rocco Trauzzola, Simone Lazzarin, Alessandro de Filippis
Adresse: Via Roma 50, Torgiano
Telefon: +39 333 7579956 oder 39 333 7286363
E-mail: info@fattoriamanidiluna.com
Webseite: www.fattoriamanidiluna.com

Weine – eine Auswahl

Osè Rosè: Ein rosato, der ziemlich paritätisch aus Sagrantino und Sangiovese besteht und teils im Stahl, teils in Holz ausgebaut wurde. Er erinnert ein wenig an den Rosso Leggero von Martin Goyer, der nicht mehr ganz Rosé aber auch noch nicht ganz Rotwein ist. Folglich also ein Wein, den man an heißen Tagen bestens wegtrinken kann, der aber dennoch Struktur und Tannine hat.

Il Baratto: Weißwein aus Procanico, Malvasia, Grechetto und ein klein wenig Riesling. Baratto ist eine steile, auf sandigem Boden basierende Einzellage, die seit jeher weißen Trauben vorbehalten ist. Hat eine stoffige Textur, einen weichen Körper und florale und kräuterige Aromen. 

Checharello: Einem alten Freund mit junger Seele gewidmet, einem Geschichtenerzähler par excellence und ewigem Ratgeber. Der Versuch der drei aus viel Sangiovese und ein wenig Barbera einen klassischen vino contadino (einen Landwein) zu keltern. Mit ein paar Ecken und Kanten aber auch mit Trinkfluss, Frucht und Vitalität.

La Cupa: Das Opus Magnum der drei. Sangiovese in purezza. Über lange Monate und Jahre, in Zement, Holz, wieder Zement und danach in der Flasche ausgebaut und gereift. Intensiv, energetisch, vital und vielschichtig. Hat Kraft, die auf Muskeln basiert. Sehr gut.


Rebsorten: Sangiovese, Sagrantino, Malvasia, Procanico, Grechetto
Rebfläche: 8 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it, callmewine

AT/DE/CH: –

Sagrantino

Wer hat, der hat. Sagrantino hat. Vor allem Tannine. Mehr als Nebbiolo, Sangiovese & Aglianico zusammen. Er ist, wenn man so will, die italienische Antwort auf französischen Tannat. Wobei man es, um beim Gerbstoff zu bleiben, mit saftigen und weichen Tanninen zu tun hat, die auch nach wochen- oder monatelangem Kontakt mit dem Most/Wein nicht austrocknend wirken. Geduld ist trotzdem angebracht.

Sagrantino macht – selbst eisernen Verfechtern kantiger Weine – in seiner Jugend wenig Freude und nachdem die Winzer das wissen, gibt es ihn auch erst nach vier Jahren Fass und Flaschenlagerung. Manche Winzer warten, gerade mit ihren Reserven, noch ein paar Jahre länger. Und auch dann steht man oft erst am Beginn seiner Entwicklung. Sagrantino wächst in Italien auf einer exakt lokalisierbaren Fläche und die liegt ausnahmslos in und rund um Montefalco in Umbrien (erstaunlicherweise gibt es zwar in Italien keine weiteren Anbaugebiete, dafür beschäftigt man sich in Australien und Kalifornien leidenschaftlich mit der Sorte; Alice Feiring, die Autorin des sehr lesenswerten Buches Natural Wine, unternahm ihre ersten eigenen Vinifikationsversuche in Kalifornien mit Sagrantino, aus Bewunderung für die Weine von Giampiero Bea und Filippo Antonelli.)

Sagrantino wurzelt gerne in Lehm, mag es warm und reift spät, eine Kombination, die die teils exorbitanten Alkoholgradationen erklärt. Er schlägt sich alleine prächtig, fühl sich aber auch mit Cuvéepartnern wohl. Früher jubelte man ihm die weiße Trebbiano Spoletino unter, vermutlich keine dumme Idee, die allerdings heute nicht mehr vermarktbar wäre. Sie ist in der Zwischenzeit durch Sangiovese ersetzt – ebenfalls ein passender Partner, relativiert er doch durch die ihm immanente Säure die Wucht des Sagrantinos. In Montefalco fungiert die Sangiovese-Sagrantino-Combo unter dem Namen Montefalco rosso und ist vor allem für all jene Memmen konzipiert, die es nicht tagtäglich mit den reinsortigen Versionen des Sagrantino aufnehmen wollen.

Sagrantino ist kein Wein für alle Tage. Er leitet sich vermutlich von Sagra – dem Fest – ab, und dazu passt er dann auch perfekt. Sagrantino ist üppig, wuchtig und intensiv. Über seinen Trinkfluss kann man diskutieren. Sein Körper ist konzentriert und kompakt, die Fruchtaromen sind dunkel und zusätzlich von Pfeffer und Kräutern unterlegt. Reinsortiger Sagrantino ist, im Gegensatz zum Montefalco Rosso, selten günstig und kostet zwischen €20 und €40 – man bekommt dafür aber normalerweise auch viel Wein.

ps: Sagrantino gibt es auch süß – als passito. Und süß, sollte man ihn auch unbedingt probieren. Die Kombination aus Zucker, Gerbstoff und tiefer Frucht funktioniert bestens und ist mehr als nur ein Maßstab für die besten Recioto des Valpolicella.

Einige der besten

Antonelli: Sagrantino
Antonelli: Contrario (Sagrantino)
Di Filippo: Etnico (Sagrantino)
Fongoli: Montefalco Sagrantino
Omero Moretti: Sagrantino Vignalunga
Paolo Bea: Montefalco rosso
Paolo Bea: Montefalco Sagrantino dolce
Raína: Campo di Raína
Raína: Passito
Tabarrini: Campo alla Cerqua

ps: Von all diesen Produzenten gibt es auch ausgezeichnete Rossi di Montefalco

pps: Von Raína gibt es zudem einen brillanten Vermouth auf Sagrantino-Basis

Terrazzi Alti

Siro Buzzetti arbeitet mitten im Fels. Und zwar dort, wo er mitunter am steilsten ist. Seine Heimat ist das Valtellina, die wild abfallende Großlage, in der seine Reben wurzeln, heißt Sassella. Sie schaut direkt nach Süden und heizt sich in der Sommersonne derart auf, dass in ihr nicht nur Reben, sondern vereinzelt auch Kaktusfeigen gedeihen.

Nachts hingegen kann es selbst im Juli und August recht frisch werden, womit auch schon ein zentraler Baustein in der Eigenart des Valtellina erwähnt ist – die enormen Tag/Nacht Unterschiede, die den Weinen Spannung, Tiefe und Energie verleihen.

Besonderheiten hat das Valtellina auch sonst noch einige zu bieten. Es gehört zweifellos zu den spektakulärsten Weinbauregion Italiens. Im fernen Hintergrund ragt das Bernina-Massiv in die Höhe. Davor ziehen sich unzählige, von Trockensteinmauern gehaltene Terrassen unregelmäßig die Berge hinauf. Die Böden sind karg, Humusauflage gibt es so gut wie keine und Trockenheit ist ein fortwährendes Problem.

Weinbau hier oben ist ein ständiger Kampf. Siro führt ihn auf gerade einmal auf drei Hektar, hart ist er dennoch. Seine Weingärten liegen auf 400-500 Metern, sind größtenteils nur zu Fuß zu erreichen und werden ausschließlich in Handarbeit bewirtschaftet. Auf potenzielle Erleichterungen durch Herbizide & co. verzichtet er.

Die Ernte der Trauben findet selten vor der dritten Oktoberwoche statt. Gelesen wird in 20 Kilo Kisten, die allesamt händisch abtransportiert werden. Mangels eines eigenen Kellers vinifiziert Siro seine Weine bei Giuseppe Guglielmo von der Azienda Boffalora. Die Vergärung ist spontan, ausgebaut wird in gebrauchten Barriques. Seine beiden Weine, ein Valtellina Superiore DOCG und eine Riserva, sind weder geschönt noch gefiltert.

Weine – eine Auswahl

Die Weine

Valtellina Superiore DOCG: Nebbiolo aus Steilstlagen. im späten Oktober gelesen. In Stahl spontan vergoren, in gebrauchten Barriques ausgebaut. Steine und Teer, Blüten und rote Beeren. Balsamisch. Angenehm. Einladend. Samtig und doch strukturiert. Sehr gut.

Valtellina Riserva DOCG


Siro Buzzetti

Adresse: Via Andevenno, 15/c,23012 Castione Andevenno
Telefon: +39 331 5207109
E-mail: info@terrazzialti.com

Rebsorten: Nebbiolo
Rebfläche: 3 Hektar
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

 

Agnanum

Raffaele Moccia gehört zu jenen Winzern, für die die Italiener den Begriff „viticoltura eroica“ geprägt haben. Tag für Tag erklimmt er wild abfallende Weinterrassen aus vulkanischem Staub und Sand, um sie in Handarbeit zu bepflanzen, zu schneiden, zu pflegen und ihre Trauben zu ernten.

Eine Heidenarbeit, die vor ihm auch schon sein Vater betrieben hat, dessen drei Hektar Weingärten er mittlerweile um einen weiteren Hektar erweitert hat. Womit auch tatsächlich die Grenzen dessen erreicht sind, was ein Mensch in diesem Umfeld alleine bewerkstelligen kann.

Raffaeles Reben befinden sich übrigens nicht in alpinen Gefilden, sondern in den Campi Flegrei, in unmittelbarer Meeresnähe, keine fünf Kilometer von der Stadtgrenze Neapels  entfernt. Weinbau wird hier schon seit den Zeiten von Plinius dem Älteren betrieben, der ihn auch dokumentierte und später beim Ausbruch des Vesuvs ums Lebens kam.

Heute gibt es nicht mehr viele Winzer, die sich in dem bisweilen aberwitzig steilen Gelände herumschlagen. Vielmehr werden Weingärten aufgelassen, sofern sich nicht Personen wie Raffaele ihrer annehmen. Dass er all das ohne den Einsatz von Pestiziden & Co. schafft, gereicht ihm zusätzlich zur Ehre. Die Arbeit wird dadurch nicht weniger, doch gelingt es ihm dadurch auch tatsächlich, die Quintessenz seines extremen Terroirs nachvollziehbar zu machen.

Seine handgelesenen Trauben (Falaghina & Piedirosso) vinifiziert sein Sohn Gennaro ohne viel Schnickschnack zu insgesamt fünf Weinen, die quer durch die Bank beeindrucken und angesichts des immensen Aufwands verhältnismäßig günstig sind.


Raffaele Moccia
Adresse: Via Vicinale Abbandonata degli Astroni, 3, 80125 Napoli
Telefon:  +39 081 2303507
E-mail: info@agnanum.it
Webseite: www.agnanum.it

 

Weine – eine Auswahl

Falanghina Campi Flegrei: Im Stahl vergorener Falanghina. Kräuter, getrocknetes Heu, weiße Frucht. Linear und vertikal, mit einer substantiellen Textur. (ca. € 14)

Sabbia Vulcanum: Piedirosso, in Basalt und feinem Sand gewachsen und in Stahl ausgebaut. Die Basisversion. Fruchtbetont. Blütennoten. Ausgewogen. Bestens eingewobenes Tannin. Weich, rund, harmonsich. (ca. € 11)

Per’e Palumm: Per’e Palumm ist der lokale Ausdruck für Piedirosso, aus dem der Wein zu 100% besteht. Ist – wie alle Pedirosso – intensiv-aromatisch. Riecht und schmeckt nach roten Früchten, süßen Gewürzen, Blüten. Ist einnehmend, weich und samtig. (ca. € 20)

Vigna delle Volpi: Agnanums Top-Piedirosso. Über acht Monate im kleinen Holzfass gereift. Dunkle Fruchtaromen, Pfeffer, Lavendel und Rosen – Piedirosso gilt als rote Antwort auf den Gewürztraminer und das schmeckt man hier. Korpulent, geradlinig und substantiell. Sehr gut (ca. € 30)


Rebsorten: Falanghina, Piedirosso
Rebfläche: 4 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

 

Aglianico

Wie so oft, wenn es um italienische Rebsorten geht, ist alles ganz anders als man denkt. Selbst ohne Studium der Altphilologie oder Linguistik liegt es nahe, die Herkunft von Aglianico in Griechenland zu verorten. Noch dazu, wo die Rebsorte nahezu ausschließlich in der Basilicata und in Kampanien zu finden ist, einstigen Hotspots der griechischen Besiedlung Italiens. Allerdings finden sich diesbezüglich tatsächlich recht wenig Belege und auch die Linguisten meinen, dass die laienhafte Ableitung von Elleniko zu Aglianico keine wirkliche Grundlage hat.

Es scheint vielmehr wahrscheinlicher, dass die große rote Rebsorte Süditaliens via Spanien in Kampanien eingetroffen ist. Erste Dokumente über die Rebsorte stammen erst aus dem frühen 16. Jahrhundert, einer Zeit als die spanischen Bourbonen bereits ihre lange Herrschaft über die Gegend angetreten hatten. Doch letzten Endes bewegt man sich auch diesbezüglich auf unsicherem Terrain, sodass der tatsächliche Ursprung der Sorte diffus bleibt.

Fester wird der Boden, wenn man behauptet, dass Aglianico zu den allerbesten roten Rebsorten Süditaliens gehört. Manche gehen soweit sie ganz oben auf dem Podest zu platzieren. Ian d’Agata, Autor von „Native Wine Grapes“, dem Standardwerk über italienische Rebsorten, geht noch einen Schritt weiter und stellt Aglianico auf dieselbe Stufe wie Nebbiolo und Sangiovese („It’s one of the world’s dozen or so best wine grapes.“)

Heute wird Aglianico in ganz Süditalien angebaut, wobei es mit Taurasi, Taburnio (beide Kampanien) und Vulture (Basilicata) drei große Zentren dafür gibt. Alle drei basieren auf vulkanischem Terrain, dem unbestritten besten Untergrund für Aglianico (wobei im kampanischen Cilento auch einige exzellente Version auf kalkdominierten Böden wachsen). Aglianico hat generell kleine Beeren mit dicken Schalen, die wenig fäulnisanfällig sind und eine lange Vegetationsperiode ermöglichen. Er wird selten vor Mitte Oktober gelesen, in manchen höhergelegenen oder nordwärts ausgerichteten Weingärten kann es auch später November werden. Ziemlich widerstandsfähig gegen herbstliche Wetterkapriolen und die meisten Pilzkrankheiten, machen ihm eher zu hohe Temperaturen zu schaffen – weshalb er nicht selten in erstaunlich hoch gelegenen Weingärten zu finden ist.

Anders als Nebbiolo oder Sangiovese ist Aglianico nur selten ein Wein, der von seinem Terroir erzählt, sondern selbst gerne im Mittelpunkt steht. Aglianico ergibt fast immer üppig-kräftige Weine, die von tiefer Frucht dominiert, oft einen erdig-steinigen Unterton haben und immer wieder auch von floralen Noten begleitet werden. Er hat viel Gerbstoff und noch mehr Säure, was ihn – sofern die Winzer es darauf anlegen – für eine lange Reifezeit prädestiniert. Im Optimalfall gehört Aglianico tatsächlich zu den besten Rebsorten des Südens. Der tritt allerdings seltener als erhofft ein. Viel zu oft hat man es leider mit zwar potenten aber dann eben doch nur erschlagenden und wenig nuancierten Weinen zu tun.

Eine Auswahl

Kampanien

La Cantina di Enza: Aglianico Passione
Luigi Tecce: Satyricon
Cantina Giardino: Nude
Cantina Giardino: Drogone
Casa Brecceto: Pitatza Aglianico
Contrada di Taurasi: Taurasi
Michele Perillo: Taurasi
Primalaterra: Primalaterra
Masseria Starnali: Conte di Galluccio
I Cacciagalli: Phos

Basilicata

Musto Carmelitano: Serra del Prete
Musto Carmelitano: Pian del Moro
Camerlengo: Camerlengo
Camerlengo: Antelio
Aglianico del Vulture „Grifalco“ Grifalco della Lucania

Apulien

L’Archetipo: Aglianico

Cantina Giardino

Die Cantina Giardino ist eines der legendären Projekte der italienischen Naturweinwelt. Offiziell ins Leben gerufen wurde sie 2003, doch startete Antonio di Gruttola, der einzige Önologe im 10-köpfigen Team bereits fünf Jahre früher mit ersten experimentellen Vinifizierungen, bei denen er auf jede Art von Zusatzstoffen verzichtete. Er folgte 1998 naturgemäß keiner Mode, sondern wies damals selbst den Weg.

Die Ausgangsidee für die Gründung der Cantina Giardino war allerdings nicht die, die ersten Naturweine Kampaniens in die Flasche zu bringen, sondern die ampelographische Vielfalt und Biodiversität in den Weingärten der Irpinia (der berühmtesten Weinbauregion Kampaniens) zu bewahren. Mitte der 1990er Jahre war das leichter gesagt als getan. Man befand sich damals in den Boomjahren internationaler Rebsorten. Allerorten wurden Cabernet & Co. ausgepflanzt. Die Arbeit an austauschbaren Klonselektionen wurde vorangetrieben. Selbst in den hintersten Winkeln Italiens predigten Vertreter der „schönen neuen Weinwelt“ deren Vorzüge und prophezeiten denjenigen den Untergang, die dieses Spiel nicht mitmachen wollten.

Antonio und seine Freunde spielten nicht mit. Im Gegenteil. Sie starteten mit ihrem Projekt, alte Weingärten vornehmlich alter Winzer ausfindig zu machen und ihnen ihre Trauben abzukaufen. Dafür reisten sie quer durch die Gegend und wurden immer wieder fündig. Sie stießen auf Weingärten mit alten Fiano- oder Coda di Volpe-Reben, auf Parzellen mit Piedirosso, Greco und vor allem Aglianico, der Königin unter den süditalienischen Rebsorten.

Diesem sozial-kulturellen Ansatz ließen sie einen ökologischen folgen. Sie bewirtschafteten ihre eigenen Rebflächen biologisch und überzeugten die Weinbauern, von denen sie Trauben bezogen, es ihnen gleichzutun. So entstand sukzessive eine immer intensivere und gleichzeitig sensiblere Beziehung zu ihrem Territorium, ihren Winzern und ihren Reben. Anfangs extrem kritisch beäugt, kapierten über die Jahre immer mehr Menschen die damit verbundenen positiven Konsequenzen: die Aufwertung autochthoner Rebsorten und Kulturtechniken und die Bewahrung ökologischer Inseln dank einer durchdachten und nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Rebmaterial vinifizierten sie in der Folge wie bereits oben kurz erwähnt und bauten es in Hölzern der Umgebung aus. In den letzten Jahren kamen auch mehrere Amphoren hinzu, die aus eigenem Ton von einem befreundeten Töpfer hergestellt werden. Das Resultat sind heterogene und oft brillante Weine, die viel von ihrer Region aber auch von ihren Schöpfern erzählen.


Antonio/Daniela di Gruttola
Adresse: Via Petrara 21b, Ariano Irpinia
Telefon: +39 0825 873084
E-mail: info@cantinagiardino.com
Webseite: www.cantinagiardino.com

 

Weine – eine Auswahl

Coda di Volpe rosa: Ein ganz großer Rosato aus Coda di Volpo rosso, einer raren Rebsorte mit dicker Schale und ausgeprägter Aromatik. Wird über zwei Tage mazeriert und danach für ein Jahr im Kastanienholz ausgebaut. Dichter, stoffiger und aromatischer als nahezu alle anderen Rosati, die ich kenne. Hat Zug und Druck, Körper und Vitalität, Energie und Trinkfluss. Exzellent. (€ 23)

Paski: Coda di Volpe gibt es auch in weiß, tatsächlich ist er in weiß wesentlich bekannter. Wächst auf 450 Metern Höhe in Kalk, die Reben sind 60 Jahre alt. 30% der Charge werden kurz im Kastanienfass ausgebaut und danach mit den restlichen Trauben für ein weiteres im Stahltank vereint. Spielerisch, unbeschwert, feingliedrig, dank einer kurzen Mazeration auch griffig, und strukturiert, mit Blüten- und Steinobstnoten. (€ 22)

Le Fole: Aglianico aus Montemarano, auch Heimat der Cantina di Enza. Wird über in gut 40 Tage mazeriert und in Holz und Stahl ausgebaut. Dunkel. Frisch, saftig, strukturiert. Hat Kraft und energie. Bleibt auch am Gaumen dunkel und intensiv. (€ 18)

Drogone: Abermals Aglianico, allerdings von älteren Reben und einem sich über drei Jahre hinziehenden Ausbau. Riecht nach mediterranen Kräutern und reifen Beeren. Macht Druck. Hat Substanz, spürbar präsente Tannine und einen nachhaltigen Abgang.   

Nude: Aglianico zum Dritten. Das rote Opus Magnum der Cantina Giardino. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der wein noch produziert wird. Das Sortiment fluktuiert fortwährend. Jedenfalls gibt es noch diverse ältere Jahrgänge auf dem Markt. Der jüngste scheint 2011 zu sein. Im Nude wird Aglianico komplett ausgereizt. Die Lese ist spät, der Kontakt mit den Schalen lang, der Ausbau zieht sich über Jahre, der Alkohol ist hoch und die Aromen intensiv und eindrücklich. In der Mitte des Gaumens befindet sich ein profunder Säurekern, der dem Wein Struktur gibt. Alles hier ist kraftvoll und mächtig und doch dynamisch und voller Spannung. Kein Wein für alle Tage. Gelegentlich macht sowas aber schon Spaß.


Rebsorten: Coda di Volpe bianco und rosso, Fiano, Greco, Aglianico, Piedirosso
Rebfläche: 7 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto, callmewine, wineyou

AT/DE/CH: –

 

Primalaterra

Primalaterra – zuerst das Land – heißt das Weingut von Salvatore Magnoni. Entstanden ist der Name nicht, wie man annehmen könnte, aus der Bedeutung, die das Land und alles was dazugehört für ihn hat, sondern als Antwort auf eine Frage.

Die stellte sich, als Salvatore nach Jahren als DJ und Plattenverkäufer sich ins Cilento, genauer nach Rutino zurückzog und dort einen restaurierungswürdigen Hof mit 35 Hektar verwilderter Oliven- und Weingärten übernahm. Er machte sich Gedanken darüber, womit er eigentlich anfangen sollte und entschied sich letztlich dafür, prima la terra, zuerst das Land, wieder instandzusetzen.

Das steigt im Cilento erst sachte und dann rapide vom Meer bis auf 2000 Meter an. Salvatores Weingärten befinden sich ca. auf 300 Metern, ohne dabei je allzu steil zu werden. Bepflanzt sind sie mit Aglianico, Kampaniens wichtigster Sorte, von der einige meinen, dass sie neben Nebbiolo Italiens beste rote Rebsorte sei. Anders als im Rest der Region basieren Stefanos Weingärten nicht auf vulkanischem Untergrund, sondern einem Ton-Kalk-Gemisch, was für die notorisch opulente Sorte alles andere als ein Nachteil ist, macht es sie doch ein wenig straffer und geradliniger – wobei sich auch Stefanos Interpretationen mit ihren 14-15% Alkohol für keinen Kindergeburtstag eignen.

Nachdem er mit dem Land fertig war, hat sich Stefano dem Hof gewidmet und auch diesen, mitsamt seinem alten Keller, restauriert. Darin entstehen gegenwärtig lediglich zwei Weine – beide aus Aglianico – die er in Stahltanks vergärt und danach in Holz ausbaut. Auf Zusatzstoffe verzichtet er komplett (auch auf Schwefel), allerdings filtert er die Weine grob (damit sich keine Insekten oder Schmutz im Wein wiederfinden). Primalaterra befindet sich zwar abseits der üblichen kampanischen Weinpfade, seine Weine gehören allerdings zu den besten der Region.


Salvatore Magnoni
Adresse: Via Fratelli Magnoni, 11, 84070 Rutino
Telefon: 329 8125129
E-mail: info@primalaterra.it
Webseite: www.primalaterra.it

 

Weine – eine Auswahl

Rosso del Ciglio: Aglianico von 20 Jahre alten nach Süden schauenden Reben. Über 10 Tage auf der Maische belassen und danach sanft abgepresst. In Tonneaux und gebrauchten Barriques ausgebaut. Wirkt trotz seiner 14,5% Alkohol bekömmlich und ausgewogen, mit Trinkfluss und einem spürbaren, lenkenden Säurekern. Wirft sensorisch rote Beeren, Pfeffer, Tabak und mineralische Nuancen in die Waagschale. Reift mit Sicherheit blendend. (ca. € 15)

Primalaterra: Salvatore Magnonis Flaggschiff. Wird etwas später als der Rossi del Ciglio gelesen. Bleibt für 20 Tage auf der Maische und wird danach über 22 Monate in 1000 Liter Fässern gereift. Vereint Power mit Energie und Dynamik. Hat wie auch sein kleiner Bruder einen strukturierenden Säurekern und keine allzu fordernden Tannine. Wirkt trotz seiner Wärme und den üppig, reifen Aromen fokussiert und kompakt. Fließt lang und weich über den Gaumen. Brillant. (ca. € 24)


Rebsorten: Aglianico
Rebfläche: 8 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: vinisud, si-wine

AT/DE/CH: –

 

Podere Veneri Vecchio

Raffaello Annicchiarico gehört zu den interessantesten Persönlichkeiten im kampanischen Weinbau. Eigentlich diplomierter Mikrobiologie hat er 1999 sein Lager in Castelvenere im Norden Kampaniens aufgeschlagen und seither mit seinen Weinen und Ideen vielen jungen Winzern, die sich der Naturweinbewegung nahe fühlen, den Weg gewiesen.

Anfangs lediglich als Traubenproduzent tätig, fing er schnell Feuer für den kompletten Herstellungsprozess (wer kann das einem Mikrobiologen verdenken). Er baute sich einen Keller und begann mit ersten Vinifikationen, die im Laufe der Zeit zu immer erstaunlicheren Weinen führten. Basis dafür sind vier Hektar Weingärten, die er in blühende Ökosysteme verwandelt hat und eine Handvoll Rebsorten, die es bisweilen nur noch in seinen Weingärten und sonst nirgendwo mehr auf der Welt gibt: die extrem raren Cerreto, Grieco und Agostinella werden von den gleichfalls nicht allzu oft anzutreffenden Sciascinoso, Piedirosso und Barbera del Sannio ergänzt. Deren Pflege ist konsequent biologisch, belässt es aber nicht dabei. Zur Stärkung der Reben arbeitet Raffaello mit Essenzen aus fermentierten Brennnesseln und Schachtelhalm – er versucht derart auch den Einsatz von Kupfer und Schwefel zu reduzieren.

Als Mitglied von vinnatur ist Raffaello im Keller dessen Regulativ verpflichtet. In wenigen Worten bedeutet das, dass er auf alle Zusatzstoffe außer ein wenig SO2 vor der Füllung verzichtet. Der Ausbau findet in Hölzern der Region (Akazie, Kirsche, Kastanie) statt. Er schönt und filtert nicht.


Raffaello Annicchiarico
Adresse: Via Veneri Vecchio 1, Castelvenere
Telefon: 340 5869048
E-mail: venerivecchio@libero.it
Webseite: www.venerivecchio.com

 

Weine – eine Auswahl

Wer sich für die Nischen italienischer Rebsortenwelten interessiert, ist bei Raffaello Annicchiarico bestens aufgehoben. Die Reben sind zwischen 30-60 Jahre alt. 

Tempo dopo Tempo: Cuvée aus Grieco und Cerreto, zwei traditionellen und extrem raren Sorten des Sannio Benevento. Auf den Schalen vergoren. In Stahl und Kastanienfässern gereift. Leicht und frisch. Fruchtig und floral. Zitrus, Bananen. Von einer vitalen Säure getragen. Straff und stringent.

Bella Ciao Agostinella: 100% Agostinella; 40 Jahre alte Reben auf vulkanischem Untergrund gewachsen. 25 Tage auf der Maische. In Kirsch- und Kastanienfässern vergoren und im Stahltank ausgebaut. Zitrus und frisch geschnittene Kräuter, Blüten. Im Mund saftig, fast fleischig, jedenfalls dicht und substantiell. Endet weich, mineralisch und rauchig.

Frammenti di Terra: 100% Sciascinoso. Super Sorte. Zumindest in Raffaellos Händen. Lange Mazeration. Erst in Stahl, danach in gebrauchten Barriques ausgebaut. Erdig, Unterholz, Veilchen, Pilze. Rote Früchte. Hat Substanz, bleibt aber stets elegant. Hat eine durchaus präsente Säure, die ihm Richtung gibt. Dynamisch. Balsamischer Abgang. Sehr gut. 

Perdersi e Ritrovarsi: Cuvée aus Barbera del Sannio, Aglianico, Piedirosso. Ganz ähnlich wie der Frammenti di Terra vinifiziert. Hat Kraft und Energie. Ist von einer tiefen Frucht geprägt. Addiert im Laufe der Zeit auch noch balsamische Noten und eine leichte Würze hinzu. Fließt ruhig und ausgewogen über den Gaumen. Endet weich und intensiv. 

Rebsorten: Grieco, Cerreto, Agostinella, Falanghina; Sciascinoso, Barbera del Sannio, Piedirosso, Aglianico, Sangiovese
Rebfläche: 4 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel, Pfalnzenessenzen
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto, wineyou

AT/DE/CH: –

 

Tintore

Tintore gehört in die seltene Kategorie jener Trauben, die dunkle Haut mit dunkelrotem Fruchtfleisch kombinieren. In Frankreich hat man dafür den Namen Teinturiers geprägt. In diese Gruppe gehören so große Namen wie Grand Noir de la Calmette, Morrastel Bouschet, Petit Bouschet und in Deutschland der phänomenale Dunkelfelder. Am bekanntesten dürfte allerdings tatsächlich – dank des Booms georgischer Weine – Saperavi sein.

In Italien sind es – nomen est omen – Colorino und seine verschiedenen Spielarten (die aus ihnen gekelterten Weine sind so intensiv, dass man sie lange Zeit als Farbstoff benutzt hat) und eben Tintore. Tinto bedeutet im südlichen Italien „gefärbt“, der Tintore ist ein „Färber“ und Tintoretto (*1519 – †1594) hat sich seinen Namen nicht, wie man naheliegenderweise vermuten könnte, dank seiner Fähigkeiten als Maler erarbeitet, sondern aufgrund der Tatsache, dass er den Sohn eines Tintore, eines Färbers, war (wer sich nur ein wenig für die Geschichte italienischer Weine interessiert, sollte sich unbedingt Ian d’Agatas großartiges Buch Native Wine Grapes of Italy zulegen, aus dem auch diese Information stammt).

Tintore wächst ausschließlich in der Gegend rund um Tramonti, ein wenig südlich des Vesuvs, in Kampanien. Eine seine weiteren Besonderheiten ist, dass seine Reben oft schon vor Jahrzehnten und teils auch Jahrhunderten gepflanzt wurden, weshalb man es in Tramonti bisweilen noch mit Rebmaterial zu tun hat, dass ungepfropft in der Erde wurzelt (angeblich sind die ältesten Rebstöcke in Tramonti über zweihundert Jahre alt).

Tintore funktioniert sowohl Rosé wie auch als Rotwein ganz exzellent, wobei ersterer ganz einfach wie Weißwein abgepresst wird, dank seines roten Fruchtfleischs aber dennoch eine Farbintensität hat, um den ihn so mancher Pinot Nero beneiden würde.

Die Rotweine haben für gewöhnlich eine tiefe rote Kirschfrucht und eine süße Gewürznote und wirken aufgrund ihrer lebhaften Säure stets frisch und einladend.

Die Weine

Viel gibt es davon nicht. Ein paar Hektar und ein paar Tausend Flaschen. Alles, was ich bisher davon probiert habe, lohnt sich, insbesondere die Weine von Monte di Grazia.

Monte di Grazie: Rosato

Monte di Grazia: Rosso

Reale: Borgo di Gete

Tenuta Francesca: È Iss

Crepapaglia

Bis Antonello Canonico sich 2017 mit seinem Projekt Cretapaglia selbstständig machte, war er Teil eines avantgardistischen Dreigestirns (er, Dino Briglio und  Emilio Di Cianni), das mit dem Weingut L’Acino mächtig Staub aufwirbelte – kalabrischen Staub. 

Kalabrischer Wein war zwar dank Francesco di Franco von A’Vita in Cirò Marina erst vor Kurzem wieder auf die vinophile Landkarte von ein paar Insidern zurückgekehrt, doch in San Marco Argentano, dort wo L’Acino seine Reben hat, war  in den letzten 2000 Jahren tatsächlich recht wenig passiert.

San Marco Argentano liegt hoch oben am Osthang der Montagna Magna, einer eindrucksvollen Erhebung im nördlichen Teil der Region. Dort hatten die drei begonnen, Mantonico, Magliocco, Zibibbo, Greco Nero und Guardavalle zu vinifizieren und zwar in Qualitäten, die selbst den Kalabrien nicht immer zugeneigten Norden Italiens aufhorchen ließ. Umso erstaunlicher war es also, als Antonello 2017 nach 10-jähriger Kollaboration aus dem immer erfolgreicher werdenden Projekt ausstieg und in eigener Sache zu arbeiten begann. Nachteil war es freilich keiner. Nachdem er sich kaum von der Stelle bewegt hat, gibt es nun statt einem gleich zwei exzellente Weingüter im Ort.

Zur Verfügung stehen ihm insgesamt drei Hektar, nahezu ausnahmslos vor Jahrzehnten verlassene Weingärten, Relikte einer massiven Emigration aus einer der ärmsten Gegenden des Landes. Bei der Wiederinstandsetzung der Parzellen baut Antonello auch auf den Rat der übrig geblieben Dorfbewohner.

Obwohl die Zone naturgemäß heiß und trocken ist, bekommt er leichtfüßige und vitale Weine in die Flasche. Das liegt zum einen an den Rebsorten, die sich über Jahrhunderte hinweg an die Bedingungen gewöhnt haben, zum anderen aber auch an der Höhe (600 Meter) und dem stets über die Hänge pfeifenden Wind.

Die Arbeit im Keller beschränkt sich auf das Wesentliche. Antonello vergärt spontan, setzt bei Weiß- wie Rotweinen auf eher kurze Mazerationszeiten und reift seine stets ungeschönten und ungefilterten Weine größtenteils in Zement oder Holz.

Weine – eine Auswahl

Strampalto: Eine rote Cuvée aus Mantonico und Magliocco, zwei Klassikern der Gegend. Wird relativ spät gelesen und danach über eine gute Woche auf den Schalen belassen. Reift über ein knappes Jahr in Holz. Warm, dunkel, strukturiert. Kräuter dominieren. Macht ordentlich Druck am Gaumen. Griffiges und durchaus präsentes Tannin. Hat Substanz ohne je opulent zu werden. Exzellent.

Forse sono fiori: Der Name bedeutet auf Deutsch „vielleicht sind es Blumen“. Und vielleicht sind sie es ja tatsächlich, allerdings eher welke, was aber auch sehr schön ist. Die Rebsorte heißt Guardavalle und ist, meines Wissens, auf die Gegend beschränkt. Vinifiziert wird sie über 48 Stunden auf den Schalen in Eichenholzfässern. Riecht nach kandierten Früchten, den erwähnten welken Blüten und Erde. Wirkt am Gaumen straffer als es die Nase vermuten lässt. Endet gebündelt, strukturiert und intensiv.


Antonello Canonico
Adresse: Via XX settembre, 88, San Marco Argentano
Telefon:
E-mail:
Webseite:


Rebsorten: Mantonico, Magliocco, Zibibbo, Greco Nero und Guardavalle
Rebfläche: 3 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto, wineyou, vini-bio

AT/DE/CH: –

 

A'Vita

Francesco de Franco ist einer der vielen Quereinsteiger in die Naturweinwelt. Bevor er Anfang der 2000er Jahre beschloss, nochmals die Schulbank zu drücken und Önologie zu studieren, war er 20 Jahre in Florenz als Architekt unterwegs. Mit dem fertigen Wein-Diplom in der Tasche kehrte er der Toskana allerdings den Rücken und zog in seine alte Heimat, nach Kalabrien, zurück.

So wichtig dieser Schritt für ihn persönlich gewesen sein mag, so wichtig war er auch für die Region. Die hatte zwar in Sachen Wein eine beeindruckende Geschichte, doch wartete sie bereits seit Jahren und Jahrzehnten darauf, dass sie jemand aus ihrem ewig scheinenden Schlaf wachküsste. Francesco und seine Gefährtin Laura Violino taten genau das.

Sie schlugen ihre Zelte in Cirò auf und begannen mit dem Jahrgang 2008 Weine zu keltern wie sie Kalabrien lange nicht gesehen hatte. Dabei stützten sich die beiden auf ein Ideengerüst, dass der Natur das erste und letzte Wort überließ und mit dem Gaglioppo auf eine Rebsorte, die zweifellos zu den besten Süditaliens zählt und in den richtigen Händen elegante, strukturierte und vielschichtige Weine ergibt. Dazu gesellte sich im Laufe der Zeit auch noch ein Weingarten mit Greco bianco, aus dem Francesco und Laura mittlerweile auch noch einen exzellenten Weißwein keltern.

Insgesamt bewirtschaften die beiden heute acht Hektar Rebflächen, die größtenteils in Tonböden wurzeln und sowohl vom nahegelegenen Meer wie auch vom im Hintergrund liegenden, knapp 2000 Meter hohen Sila-Gebirgszug geprägt sind. Im Keller wird nach den Prinzipien der Naturweinbewegung vinifiziert.

Das Engagement der beiden und die Bereitschaft ihr Wissen und ihre Ideen auch mit anderen zu teilen, hat dazu geführt, dass Kalabrien ganz generell und Cirò im besonderen mittlerweile zu den spannendsten Weingegenden des italienischen Südens gehören.


Francesco de Franco – A’Vita
Adresse: S.S. 106 Km 279,8 – 88811 Cirò Marina
Telefon: 329 0732473 – 333 5259647
E-mail: avita.info@gmail.com
Webseite: avitavini.blogspot.com

 

Weine – eine Auswahl

Leuko: Weißwein aus 85% kurz mazeriertem Greco bianco und einem kleinem Teil sofort abgepresstem Gaglioppo. Spontan vergoren und im Stahltank über acht Monate vergoren. Riecht und schmeckt nach mediterranen Kräutern, Zitrusfrüchten und warmer Erde. Ist weich und ausgewogen, mit einem erstaunlich belebenden Säurekern.

Rosato: Gaglioppo ergibt exzellente Rosati, weshalb eigentlich jeder Winzer der Gegend einen davon in petto hat. Francescos Version vereint Tiefe und Eleganz, riecht nach Erdbeeren und Macchia und endet strukturiert und fein salzig.

Rosso A’Vita: Gaglioppo wird ganz gerne auch Nebbiolo des Südens genannt und warum das so ist, kann man bestens im Rosso nachvollziehen. Über zwei Jahre im Stahltank ausgebaut und wie alle seine Weine weder geschönt noch gefiltert, erinnert er aromatisch an welke Rosen, Laub und reife Kirschen und baut auf einer warmen gleichsam aber auch stringenten Textur. Sehr gut.

Cirò Rosso Classico superiore Riserva: Francesco Opus Magnum. Abermals 100% Gaglioppo. Wird über 12 Monate im großen Holzfass ausgebaut. Hat Substanz, Kraft und ordentlich Energie, ohne dabei an Trinkfluss und Linearität einzubüßen. Ist aromatisch tiefgründig, vielschichtig und zutiefst mediterran. macht bei jedem Schluck Freude. Kalabriens Nummer eins.


Rebsorten: Gaglioppo, Greco bianco
Rebfläche: 8 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine, decanto.it, gallienoteca

AT/DE/CH: –

 

Terre di Gnirega

Terre di Gnirega gehört zu den sympathischsten Projekten im Valpolicella. Ins Leben gerufen wurde es bereits vor gut 100 Jahren von Urgroßvater Cristoforo, weshalb sich das Wort Projekt eigentlich verbietet, richtig spannend wurde es allerdings erst vor knapp vier Jahrzehnten, als Luigi Aldrighetti die Ruder am Weingut übernahm, es auch in der Hochzeit konventioneller Weingartenbewirtschaftung stur biologisch bewirtschaftete und das 1989 auch offiziell machte.
2010 betrat dann mit Francesco die jüngste Generation die Bühne. Anfangs unterstützte er seinen Vater bei der Arbeit im Keller und im Weingarten, seit 2014 ist er alleiniger Chef. Damals gab er dem Weingut seinen heutigen Namen und begann sich zunehmend (und deswegen passt das mit dem Projekt schon) an den Ideen der Naturweinbewegungen zu orientieren.
Das macht sich weniger in den Weingärten als vielmehr im Keller bemerkbar, wo Francesco ausschließlich spontan vergärt, die Weine ungefiltert und nur mit minimalem Schwefelzusatz füllt. Der Terroir, das Francesco zur Verfügung steht, befindet sich auf gut 300 Metern Seehöhe in Marano di Valpolicella, ist von Kalk und Ton und zu einem ganz wesentlichen Teil vom kühlen Wind geprägt, der aus den Monte Lessini durch das Tal in Richtung Verona pfeift.
Terre di Gnirega ist Teil der siebenköpfigen re-valpo Truppe.


Francesco Aldrighetti
Adresse: Via Gnirega 7, Marano di Valpolicella
Telefon: 39 333 7701122
E-mail: terredignirega@gmail.com
Webseite: www.terredignirega.it


Rebsorten: Corvina, Corvinone, Molinara, Rondinella
Rebfläche: 3,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it

AT/DE/CH: –

 

Weine – eine Auswahl

Francescos Valpolicella und Amarone sind klassischen Interpretationen der Region – mit der großen, ihm zum Vorteil gereichenden Ausnahme, dass er – und das ist im Valpolicella leider nur selten der Fall – keine Additiva in der Weinbereitung verwendet.

Der Ausbau seiner beiden Valpolicella (classico und ripasso) findet über zweit Jahre im Stahltank statt, der Amarone landet für vier Jahre in großen Eichenholzfässern. Die Preise aller Weine sind für Valpolicellaverhältnisse mehr als fair.

Valpolicella: Aus Corvina, Corvinone, Molinara und Rondinella gekeltert. Ganz der Tradition klassischer Valpolicella verpflichtet, ist Francescos Version leicht, bekömmlich, vital und delikat. Ein stets willkommener Essensbegleiter, den man sich auch schon zu Mittag einschenken kann. (ca. € 9)

Valpolicella Ripasso: Der Ripasso beruht auf der gleichen Basis wie der Valpolicella. Er wird jedoch im März nach der Ernte ein zweites Mal mit den Trestern des Amarone vergoren – was ihm naturgemäß zusätzliche Substanz und Aromen verleiht, allerdings an der eleganten und präzisen Grundstruktur nichts ändert. (ca. € 14) 

Amarone: Der gegenwärtige Amarone stammt aus dem Jahr 2013, hat 16,6% Alkohol und 7 Promille Säure. Das ist doppelt kompromisslos und ergibt folglich ein fantastisches Ping-Pong aus Frische und Substanz. Getrocknet wurden die Trauben über 123 Tage, danach wurde der Wein über 28 Tage mit den Schalen vergoren, über vier Jahre im Fass und ausgebaut und letztlich ungefiltert und mit einer Schwefelung von 10mg/l gefüllt. Er ist dicht, vielschichtig, lebhaft, kraftvoll, erstaunlich belebend, hat Trinkfluss und eine beeindruckende Länge. Top. (€ 27)

Corte Sant'Alda

Marinella Camerani zeigt seit Jahren, wie es im Valpolicella eigentlich laufen sollte. Sie gehört zu den gewichtigsten Stimmen einer alternativen und nachhaltigen Weinkultur und bringt zudem Weine in die Flasche, die zu den besten der ganzen Region gehören.

Sie ist seit 2003 biologisch und seit 2011 biodynamisch zertifiziert, die Idee ihren Zugang im Weingarten verändern zu müssen, kam ihr allerdings bereits 1985 – ziemlich zeitgleich mit dem Auftauchen von Elisabetta Foradori, die das Trentino eigenhändig veränderte und mit der sie gewisse gedankliche Ähnlichkeiten aufweist.

Heute blüht und gedeiht alles prächtig in ihren 19 Hektar Weingärten, die sich größtenteils rund um das Weingut in Mezzane di Sotto spannen. Zwischen den Rebreihen wachsen unter anderem Rucola, Minze und Kamille, wilde Pflanzen der Umgebung, die der Monokultur Wein ein Vitalität und Vielfalt entgegensetzen. Der menschliche Einsatz im Weingarten reduziert sich mittlerweile auf ein zurückhaltendes Begleiten, in der notwendige Interventionen einzig und allein auf natürlicher Basis stattfinden.

In ihren insgesamt 13 Parzellen geben die klassischen Sorten des Valpolicella den Ton an, wobei neben Corvina vor allem auch Rondinella erstaunlich viel Platz gewidmet ist. Zwei Weingärten reichen auch ins benachbarte Soave hinüber, sodass Marinella auch über eine kleine aber feine Charge Weißwein verfügt.

Die Böden sind mager und basieren auf Kalk, was den Weinen generell eine gewisse Straffheit mit auf den Weg gibt und die grundsätzlich opulente Textur speziell des Amarone aber auch des Ripasso bündelt. Jenseits der Geologie spielt auch das Klima eine tragende Rolle, was angesichts der hoch aufragenden Monte Lessini im Hintergrund schnell offensichtlich wird – von ihnen strömen speziell in der Nacht immer wieder frischen Luftmassen durch die Weingärten und relativieren die gerade im Sommer oft sehr hohen Temperaturen.

Kontakt

Marinella Camerani
Adresse: Via Ca’Fioi 1
Telefon: +39 045 8880477
E-mail: info@camerani.wine.it
Webseite: www.cortesantalda.com


Rebsorten: Corvina, Corvinone, Rondinella, Molinara, Garganega, Trebbiano di Soave, Chardonnay
Rebfläche: 19 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: ja


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: –

Weine – eine Auswahl

So wie Marinella draußen im Freien sukzessive neues Terrain erschlossen und sukzessive von der konventionellen zur biologischen und weiter zur biodynamischen Bewirtschaftung vorgestoßen ist, hat sie auch im Keller agiert – wobei im Weingarten wie auch bei der Vinifizierung neuen Ideen stets Platz gewährt wird. Grundsätzlich spiegelt ihr Sortiment die Agenda des Valpolicella wieder – es gibt zwei exzellente Valpolicella classico, einen Ripasso, einen Amarone und einen Recioto –, daneben finden sich aber auch ein in der Amphore vinifizierter Rosato (der einzige, den ich kenne) und ein lange auf der Maische vergorener Garganega. Alle Weine werden mit wilden Hefen spontan vergoren, nicht geschönt und ungefiltert und mit wenig SO2 gefüllt.

Valpolicella Ca’Fiui: Corte San’Aldas Einstiegsvalpolicella stammt von Weingärten, die sich alle mehr oder weniger auf 350 Meter Seehöhe befinden und in die Morgensonne schauen. Nach einer Maischezeit von 15-20 Tagen wird der Wein über ca. 10 Monate in großen Holzfässern ausgebaut. Er ist rotfruchtig, vital, druckvoll und elegant und viel besser als das, was man sonst im Basissegment des Valpolicella bekommt.

Agathe: Eine Rosé aus 100% Molinara – letztere Sorte eignet sich dank ihrer straffen Säure und ihrem filigranem Körper perfekt für Rosé – die Mazeration ist aufgrund der sehr zurückhaltenden Farb- und Gerbstoffe lange. Vergoren und gereift wurde der Wein in einer 500-Liter fassenden Amphore. Er ist floral, rotbeerig, leicht würzig, frisch und belebend.

Inti: Inti bedeutet auf Quechua Sonne und bezieht sich auf die Farbe des reinsortigen Garganega. Die tendiert leicht ins orange, was seinen Grund in einer 40-tägigen Maischestandzeit hat. Ausgebaut wird der Wein über ca. 10 Monate in einem Betonbecken. Die Struktur ist straff und unterlegt von Gerbstoff. Honig, Kräuter und Zitrusfrüchte prägen das Aromaprofil. 

Valpolicella Ripasso Campi Magri: Hochklassige Ripasso Version. Nach einer ersten Vinifikation wird der Wein mit den Trestern des Amarone ein zweites Mal vergoren. Der nachfolgende Ausbau findet über zwei Jahre in Kirschholzfässern statt (Kirschen sind das zweite ganz wichtige landwirtschaftliche Produkt aus dem Valpolicella). Der Ripasso wirkt warm, ruhig und einladend, er ist von süßen Gewürzen und roten Früchten geprägt, lang und eindrücklich. Sehr gut.

Amarone della Valpolicella: Klassisch produzierter Amarone. Die Trauben (40% Corvina, 40% Corvinone, 20% Rondinella) werden bereits im Weingarten selektiert, wobei nur optimales Material in die Holzkisten wandert, die später in einem speziellen, bestens durchlüfteten Raum über drei Monate luftgetrocknet werden. Nach der rund um Weihnachten stattfindenden Gärung wird der Wein über vier Jahre in unterschiedlich großen Eichenholzfässern ausgebaut und riecht danach nach Tabak, Tee, süßen Gewürzen und reifen roten Früchten. Er ist korpulent, samtig und weich und dabei doch druckvoll und direkt. Wie eigentlich immer bei exzellenten Amarone lohnt sich ein wenig Geduld.

Piana dei Castelli

Weit muss man nicht fahren, um von Rom aus direkt ab-Hof Weine einkaufen zu können. Velletri , an den Ausläufern der Castelli Romani bietet sich beispielsweise an, wo Matteo Cerrachi dem Weingut seiner Vorfahren ein eigenes hinzugefügt hat – ein Paralleluniversum quasi, ein Ort an dem er seinen Ideen freien Lauf lassen kann.

Nach einem Önologiestudium in San Michele all’ Adige kehrte er nach Hause zurück, wollte jedoch eigene Wege gehen, weit weg vom konventionellen Weinbau, der die Zone seit viel zu langer Zeit prägt. In insgesamt 11 Kommunen der näheren Umgebung hat er Mikroflächen gepachtet, deren Terroir und Rebsortenspiegel extrem heterogen sind. Auf vielfältigen jedoch meist vulkanischen oder auf Kalk basierenden Bodenformationen und in unterschiedlichen Höhenlagen kultiviert er italienische (Grechetto, Cesanese, Malvasia, Sangiovese, Trebbiano Giallo, Montepulciano) wie internationale Sorten (Sauvignon Blanc, Riesling, Merlot). Die Weingartenarbeit ist strikt biologisch.
Im Keller experimentiert er mit unterschiedlichen Maischestandzeiten, eigenwilligen Cuvetierungen, kleinen und größeren Fässern, kurzen und längeren Ausbauzeiten und vielem mehr. Einigende Nenner gibt es naturgemäß: alle Weine sind spontanvergoren, ungeschönt und ungefiltert


Matteo Cerrachi
Adresse: Via Fontana Acquavivola, 7, 00049 Velletri RM


Rebsorten: Grechetto, Cesanese, Malvasia, Sangiovese, Trebbiano Giallo, Montepulciano, Pinot Grigio, Sauvignon Blanc, Riesling, Merlot
Rebfläche:
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Weine - eine kleine Auswahl

Follia: Blend aus teils überreifen Grechetto, Malvasia, Trebbiano Giallo, Riesling  und Sauvignontrauben. Über vier Tage kaltmazeriert. Über 24 Monate in Zement ausgebaut. Floral und fruchtig. Erstaunlich elegant und klar.

Cesare Spumante Rosato: aus 50% Cesanese und 50% Cabernet Franc. Nach 12-monatigem Ausbau findet die Zweitgärung in der Flasche statt. Der Spumante wird nicht degorgiert und folglich nicht dosiert. Knackfrisch, lebendig, pulsierend. Rotbeerig, leicht kräuterig. Top-Spumante.

Marte Spumante: Matteos zweiter Spumante, diesmal in weiß, aus Passerina fabriziert und dem gleichen Schema wie der Rosato folgend. Zitrusnoten, Kräuter, lebhaft, druckvoll, salzig. Sehr gut.

Grigio: Pinot Grigio. Nicht unbedingt oft in der Zone rund um Rom anzutreffen. Schmeckt auch eher friulanisch. Hat zwei Tage auf der Maische verbracht und dort Struktur, Körper und Vitalität akkumuliert. Riecht nach Kamille und Kapern. Dicht und engmaschig am Gaumen.

Matteo keltert noch ein halbes Dutzend mehr Weine, die ich allerdings leider nicht kenne.


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it, wineyou

 

 


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