DAS WEINGUT

Es gibt nicht viele Leute, die dem Land ihrer Kindheit und Jugend so verbunden sind wie Elisabetta Montesissa. Das lässt sich in ihrem Fall nicht nur in Worten bemessen. Viel offensichtlicher wird es anhand der Tatsache, dass sie sich jedes Wochenende ins Auto oder in den Zug setzt und von Rom, wo sie bei Campagna Amica – einer landwirtschaftlichen Vereinigung zur Aufwertung lokaler Produkte – arbeitet, ins Val Chero in den äußersten Westen der Emilia aufbricht. 500 Kilometer hin, 500 Kilometer zurück, um ihren Eltern bei der Herstellung und Vermarktung von drei Weinen zu helfen, die basierend auf dem Gedankengut der Naturweinszene, eine vergangene Sensorik wiederbeleben.

Wobei sich schon ihre Eltern und Großeltern den Avancen der Agroindustrie größtenteils zu entziehen wussten. Die vergärten ihre Weine – allesamt Frizzante, wie es der Tradition der Region entspricht – bis in den November hinein, ehe die Hefen – bei noch vorhandenem Restzucker – aufgrund der zunehmend tiefen Temperaturen ihre Arbeit einstellten. Im Frühjahr filterten sie dann, ehe sie die Weine in Flaschen füllten, wo sie bei steigenden Temperaturen zu Ende gärten. Das Filtern lässt Elisabetta mittlerweile wieder weg, ansonsten ist fast alles gleichgeblieben. 

Wie im Keller zollen Elisabetta und ihre Eltern auch im Weingarten der Geschichte der Region Tribut. Die vier wichtigsten Sorten Piacenzas – Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Barbera und Bonarda – sind auch bei ihnen die Protagonisten, ergänzt von ein paar Reihen Syrah und ein paar alten autochthonen Sorten der Region. Erzogen werden sie im Guyot Piacentino, das einen sehr kurzen Rebschnitt vorsieht und die spätere Lesemenge schon vorab reduziert. Die Weingartenarbeit ist zertifiziert biologisch und geschieht größtenteils per Hand.

Die Weine 

Buonissima: Einer der großen Schaumweine der Emilia. Aus Malvasia di Candia Aromatica und Ortrugo gekeltert. Aufgrund einer zehntägigen Mazeration der Schalen mit Ecken und Kanten, fordernd aber doch auch animierend und einladend. Hat trotz seines geringen Alkohols ordentlich Kraft und Substanz. Öffnet sich einem breiten Aromaspektrum aus Kräutern, Zitrusfrüchten und  reifem Steinobst. Lebhaft und strukturiert bis zum Gaumen. Reift mit Sicherheit blendend.

Rosissima: Rosé-Frizzante aus Barbera und Bonarda. Nach dem Salasso-Prinzip hergestellt. Dabei wird der unter dem Druck der aufeinanderliegenden Trauben abfließende Most aufgefangen und vergoren. Die Zweitgärung findet wiederum in der Flasche statt. Hat eine lebhafte Säure, Grapefruit und Beerennoten. Fürs flotte Wegtrinken gedacht.

Rio Mora: Nochmals Frizzante aus Barbera und Bonarda, diesmal allerdings in rot. Im Grunde genommen ein klassischer Gutturnio, der allerdings nicht als solcher deklariert ist. 15 Tage auf der Maische. Zweitgärung in der Flasche (rifermentato), danach noch ein Jahr zur Reifung in der Flasche. Dunkel, fruchtbetont, würzig, fleischig. Eher weiches Tannin. Lebhafte Säure. Sehr direkt und geradlinig. Wie so oft in der Emilia, vor allem auch als Essensbegleiter gedacht. 

Den Rio Fratta (Syrah, Barbera, Bonarda) habe ich noch nie probiert.

Emilio Montesissa

Azienda Agricola Montesissa Emilio
Loc. Magnano – Case Biasini, 189 – 29013 Carpaneto P.no (PC)
Tel. +39.0523.850158
email: info@montesissaemilio.it

www.montesissaemilio.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 15000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Barbera, Bonarda, Syrah
Rebfläche: 10 ha, 5 ha bewirtschaftet
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Biscaris gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie bei winepoint.it, callmewine.it

Croatina alias Bonarda

Erstmal vorab: Croatina ist eine Rebsorte, aus der exzellente Weine gekeltert werden. Oft unter ihrem herkömmlichen Namen, noch öfter allerdings unter dem Namen Bonarda, unter dem die Sorte im Oltrepo Pavese in der Lombardei und in den Colli Piacentini in der Emilia Romagna bekannt ist. Unglücklicherweise gibt es im Piemont gleichfalls eine Sorte namens Bonarda (meist Bonarda Piemontese genanannt), die wiederum nichts mit Croatina und folglich auch nichts mit den Bonardas aus der Emilia und der Lombardei zu tun hat. Für Verwirrung ist also gesorgt.

Croatina/Bonarda ist in den beiden Regionen weit verbreitet und findet sich zudem seit jeher auch in den südpiemontesichen Colli Tortonesi, wo auch einige ihrer besten Versionen in die Flasche kommen. Die Rebsorte erfreut sich einer nicht unberechtigten Popularität unter biologisch arbeitenden Winzern, da sie recht robust ist und speziell mit Oidium kaum Problem hat. Dank ihrer dicken Schale eröffnet sie den Winzern zudem eine Palette an stilistischen Möglichkeiten. Bereits nach wenigen Tagen abgepresst ergibt sie grundsätzlich sanfte und fruchtige Weine, nach längeren Maischestandzeiten kann sie hingegen recht fordernde und massive Tannine entwickeln, die einem bisweilen etwas Geduld abverlangen (was sich dann allerdings meistens auch bezahlt macht). Während sie in den Colli Tortonesi grundsätzlich solo vinifiziert wird, mehren sich im Oltrepo Pavese die Versionen, wo Croatina zwar oft die erste Geige spielt, jedoch von anderen Rebsorten begleitet wird. In der Emilia ist Croatina dann ausschließlich unter dem Namen Bonarda zu haben und quasi ausnahmslos in Begleitung von Barbera, mit dem sie still aber auch sprudelnd  die Basis für den in der Region allgegenwärtigen Gutturnio stellt. Im Nordpiemont wiederum ergänzt sie bisweilen Nebbiolo, im Valpolicella fließt sie dagegen immer öfter in den Amarone mit ein.

Croatina/Barbera verträgt sich bestens mit Holz, wobei – wie so oft – große oder gebrauchte Fässer die Sorte mehr zu Wort kommen lassen als Barriques. Auch wenn es naheliegenderweise lokale Unterschiede gibt und viele Winzer ihr Handwerk glücklicherweise nach ihren eigenen Ansichten ausüben, haben Weine aus Croatina bei eher mäßiger Säure eine meist nicht zu unterschätzende Gerbstoffstruktur, einen substantiellen Körper und Aromen, die nicht selten dunkle Fruchtaromen, Blütennoten und eine tiefe Würze in den Mittelpunkt rücken.

Eine Auswahl

Daniele Ricci (Colli Tortonesi): Elso – exzellent, 100% Croatina
Daniele Ricci: Matt – die zugänglichere Version, gleichfalls sehr gut und 100%Croatina (vinonudo)
Vigneto Massa (Colli Tortonesi): Pertichetta
Tenuta Belvedere (Lombardia): Croatina La Coccinea
Castello di Stefanago: Croatina

Cuvées
Lino Maga (Oltrepo Pavese): Barbacarlo – ein Monument, einer der großen Rotweine Italiens
La Stoppa (Piacenza): Macchiona
Andi Fausto: (Oltrepo Pavese): Estro
Podere Paradrolo (Parma): Velius
Solenghi (Piacenza): Gutturnio Riserva Battorossa
Cardinali (Piacenza): Nicchio
Vino del Poggio (Piacenza) Navel Rosso

DAS WEINGUT

Früher lief durch das Val Trebbia, dem laut Ernest Hemingway schönsten Tal der Welt, eine „via del sale“, eine Salzstraße. Verpflegung für die Handelsreisenden gab es unter anderem in Travo, wo die Familie Borri eine Osteria hatte. Das Gasthaus gibt es nicht mehr, geblieben sind allerdings drei Hektar Reben, aus denen Andrea Pradelli, ein Diplomlandwirt, gemeinsam mit seiner Mutter Gabriella Borri ein erstaunlich umfangreiches Sortiment an Weinen keltert.  

Die Weingärten liegen zwischen 400 und 700 Metern, basieren größtenteils auf Kalkmergel (wie in der Steiermark und im Collio) und exponieren sich in Richtung Süden und Südwesten. Die Bewirtschaftung erfolgt fast überall per Hand und ist generell biologisch, wobei man sich nicht zertifizieren lassen will, da im Jahr 2008 die meisten Reben der, von der amerikanischen Rebzikade verbreiteten Flavescenza Dorata zum Opfer gefallen sind, gegen die – im Fall des Falles – nur Insektizide helfen.

Die daraufhin stattfinden Neuauspflanzungen nutzte Andrea, um neben die Klassiker der Region –  Bonarda, Barbera, Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Moscato Bianco, Sauvignon Blanc und Trebbiano – auch die aus Bonarda und Barbera gekreuzte Rebsorte Ervi auszusetzen, aus der er mittlerweile den Don Dante, einen intensiv-würzigen und  körperreichen Rotwein keltert.

Im Keller wird grundsätzlich spontan vergoren, nicht filtriert und wenig bis gar nicht geschwefelt. Die Trester werden zu Grappa weiterverarbeitet.

Weine (eine kleine Auswahl, ich kenne bei weitem nicht alle)

Mappale 25: Sauvignon Blanc. Das ist weniger ungewöhnlich, als es scheint. Sauvignon ist in Parma und Piacenza seit gut 200 Jahren zu Hause und macht sich erstaunlich gut. Weniger kräuterig als sonst, dafür gelbfruchtig, straff und konzentriert.

MaSrà: Rifermentato, ergo Zweitgärung in der Flasche. Hauptanteilig Ortugo, unterstützt von ein wenig Malvasia und Sauvignon Blanc. Einige Tage Maischestandzeit, weder geschönt noch gefiltert. Sympathisch, einladend, leicht. Mit ordentlich Säure und schönem Druck am Gaumen.

Zerbina: Malvasia di Candia Aromatica, Moscato Bianco, Sauvignon Blanc. Eine Tage auf der Maische, danach Ausbau über 1 Jahr im Stahltank. Ungefiltert und ungeschönt. Trockenfrüchte, Laub, Zitrus. Gehaltvoll und dicht, dabei jedoch kühl und strukturiert.

Don Dante: gelungenes Experiment. Andrea ist einer der ganz wenigen Winzer weltweit sein, der sich Ervi (was für ein trostloser Name), dieser Kreuzung aus Bonarda und Barbera, ernsthaft annimmt. Nach einem Jahr im Tonneaux ist der Don Dante pfeffrig und rotbeerig, üppig, dicht und konzentriert, ein Monument, kraftvoll und eindringlich.

Tenuta Borri

Andrea Pradelli
loc. Margherita, 29020 Travo PC
info@tenutaborri.it
+39 338 469 3571
www.tenutaborri.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 15000 Flaschen
Rebsorten: Ortrugo, Malvasia di Candia Aromatica, Sauvignon Blanc, Moscato Bianco, Trebbiano Romagnolo, Barbera, Bonarda, Ervi
Rebfläche: 3,5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: nein
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

 

DAS WEINGUT

Andrea Cervini macht in Statto, am Eingang zum Val Trebbia Wein – einem historischen Ort in önologischer wie auch in militärischer Hinsicht. Von ersterem erzähle ich weiter unter. Von letzterem zeugt der Elefant auf Andreas Flaschenetiketten, ein bildlicher Verweis auf Hannibals Sieg gegen den römischen Konsuls Tiberius Sempronius Longus im Jahr 218 v. Chr. an der Trebbia, einem vom Apennin herabströmenden Nebenfluss des Po. Bei dieser Schlacht vernichtete Hannibal zwar die Armee seines Kontrahenden, gleichzeitig verlor er allerdings auch 36 seiner 37 Kampfelefanten – mit dem letzten sollte er dann triumphal in Arezzo einreiten. 

In önologischer Hinsicht historisch ist die Gegend deswegen, weil hier seit knapp 30 Jahren Giulio Armani seinem Handwerk nachgeht, der – gemeinsam mit Elena Pantaleoni von La Stoppa – die Geschicke der Region fast im Alleingang und ziemlich nachhaltig verändert hat. Armani war es auch, der Cervini dazu animierte, aus den Trauben, die er bis dahin weiterverkaufte, eigene Weine zu keltern, was Andrea schlussendlich von 2006 an auch tat. 

Seine Weine tragen folglich auch ein wenig die Handschrift Armanis und lassen sonst vor allem die Reben und das Terroir des Val Trebbia zu Wort kommen: also Malvasia di Candia Aromatica, aus der er eine eindringliche und fordernde maischevergorene Version keltert, Barbera, die er zu einem geradlinigen und dynamischen Tischwein und Essensbegleiter verarbeitet und Bonarda, aus der er gemeinsam mit Barbera, eine profunde und anspruchsvolle Cuvée fabriziert. Die vier Hektar Weingärten bewirtschaftet er biologisch, die Eingriffe im Keller sind marginal aber nachhaltig: so belässt er Rotweine wie Weißweine auch noch bei der Reifung für drei bis sechs Monate in Kontakt mit den Schalen, um auch wirklich alles, was sich an Phenolen und Aromen darin findet, in seine Weine zu extrahieren.

Vino del Poggio Bianco: Eine eindrucksvolle Widerlegung, dass lange mazerierte Weine nichts von ihrer Umgebung erzählen. Wer die Weine von Denavolo, La Stoppa oder Casè kennt, wird nicht lange zögern und diesen Wein nicht nur in die Emilia, sondern gleich mitten ins Val Trebbia platzieren. Aus Malvasia di Candia Aromatica gekeltert, spontan vergoren und erst nach sechs Monaten abgepresst bietet Andreas Bianco Grip, Struktur und Profil wie ein Nebbiolo, eine profunde aber doch elegante Textur und zudem ein erstaunliches Potpourri an floralen, kräuterigen und gelbfruchtigen Aromen. Ungeschwefelt.

Vino del Poggio Rosso: zur Gänze aus Barbera gekeltert. Spontan im Edelstahl vergoren und danach in großen Holzfässern ausgebaut. Rustikal, mit einer nicht zu unterschätzenden Säure ausgestattet. Fokussiert und puristisch. Rotfruchtig. Pfeffrig. Offen und einladend. Exzellenter Essensbegleiter zu emilianischen Schweinereien. Ungeschwefelt.

Vino del Poggio Navel Rosso: Barbera/Bonarda. Kompromisslos fordernd wie auch seine andere beiden Weine. Kein weichgespültes Allerweltsgetränk, vielmehr ein Beleg dafür, was passiert, wenn man die Inhaltsstoffe einer Traube tatsächlich komplett in den Wein transportiert. Nach dreimonatigem Schalenkontakt und einem einjährigen Ausbau im gebrauchten Barrique bietet der Navel erdige Unterholznoten und dunkle Frucht. Die Struktur ist ausgewogen, wobei es weder an Säure noch an Gerbstoff mangelt. Der Körper ist erstaunlich elegant, der Trinkfluss unbeschwert. Ungeschwefelt. Wie alle seine Weine kann man auch den Navel ohne Bedenken für einige Jahre im Keller vergessen.

Andrea Cervini - Il Poggio

Località Poggio Superiore Statto, 6
29020 Travo (PC)

tel. +39.334.1544810
tel. +39.328.3019720
www.poggioagriturismo.com

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 10000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Barbera, Bonarda
Rebfläche: 4 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein
Essmöglichkeit: ja

Die Weine von Andrea Cervini gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum, während man sie online aus Italien bei allen größeren Naturweinhändlern (callmewine, decanto, rollingwine, wineyou) bestellen kann.

 

Es gibt Rebsorten, aus denen sich große oder zumindest eindrucksvolle Weine keltern lassen und andere bei denen das nicht geht, die aber trotzdem – sofern sie denn einen Winzer haben, der sie ernst nimmt und versteht – ganz sympathisch sind. Glera, die Rebsorte, aus der Prosecco fabriziert wird, ist dafür vielleicht das beste Beispiel. Grundsätzlich völlig belanglos, bekommt sie in den richtigen Händen, zumindest ein bisschen Charakter. Ortrugo ist auch so eine Sorte. Anders als Glera wollte sie allerdings auch nie im Mittelpunkt stehen, worauf bereits ihr Name verweist: Erstmals erwähnt wurde sie 1881 im ampelografischen Bulletin des italienischen Landwirtschaftsministerium als Altruga, als „altra uva“ – „andere Traube“ – also diejenige, die im Vergleich zu den übrigen Trauben eine Stufe tiefer stand. 

Angepflanzt wurde sie trotzdem. Weniger um ganz für sich alleine vinifiziert zu werden, sondern um die Malvasia di Candia Aromatica – ohne wenn und aber eine große Rebsorte – zu unterstützen und ihre Wucht und ausladende Aromatik mit ein wenig Subtilität und Finesse zu kombinieren. Dafür eignet sie sich blendend und so fließt sie, als delikater und filigraner Partner, in die mitunter wichtigsten orangen Cuvées der Emilia mit ein.

Da die Malvasia di Candia Aromatica fast ausschließlich in den vier, in Richtung Apennin abzweigenden Tälern Piacenzas (Nure, Arda, Tidone und Trebbia) vorkommt, findet man auch Ortrugo, dessen Schicksal an sie geknüpft ist, fast nur dort. Und weil nicht alle Winzer fortwährend Lust haben, substantielle und nachdrückliche Weine zu keltern, sondern sich manchmal auch mit etwas weniger zufrieden geben, wird sie mittlerweile auch gelegentlich ganz für sich abgefüllt: Fast immer prickelnd, um ihre Leichtigkeit, Lebendigkeit und delikaten Aromen zusätzlich zu unterstreichen. Und fast immer als emilianische Antwort auf Prosecco, mit dem sie es, in ihren besten – flaschenvergorenen – Varianten, auch locker aufnehmen kann.

Ein paar reinsortige Ortrugos

Croci: Lubigo Frizzante
Saccomani: Ortrugo Frizzante
Marco Cordani: Ortrugo Terzolo Frizzante
Davide Valla: Dieci Lune Frizzante
Solenghi: Ortrugo Frizzante
Lusenti: Ciano Frizzante

Ortugo als Partner

Denavolo: Dinavolo (bei vinonudo)
La Stoppa: Ageno
Cascinotta di Rizzolo: Cascinotta
Casè: Casè Bianco
Lusenti: Azzi frizzante

DAS WEINGUT

Marco Cordani ist ein Winzer alten Schlages. Bei Verkostungen, zwischen seinen Kollegen, wirkt er wie aus der Zeit gefallen, ruhig, zurückhaltend und nur dann gesprächig, wenn es um seine Arbeit geht. Die erledigt er seit frühester Jugend tagtäglich nahe der kleinen Ortschaft Carpaneto Piacentino in den Montine di Celleri, wo er die sechs Hektar Weingärten pflegt, die sein Urgroßvater Angelo und sein Großvater Benvenuto angelegt haben. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Schiffsbauer hat sich Marco Zeit seines Lebens um die Familienreben gekümmert, die sich mit Ausnahme einer kleinen Parzelle Syrah aus den klassischen Sorten des Piacentino zusammensetzen: Barbera und Bonarda (alias Croatina) machen die rote Fraktion aus, Malvasia di Candia Aromatica, Moscato Bianco, Ortrugo und Trebbiano stehen für die weißen und orangen Vinifikation zur Verfügung.

In die Flaschen kommen neben drei Stillweinen (Oracolo, Apogeo & Perigeo) drei Frizzante, die der Tradition entsprechend nach einer Erstgärung in der Flasche mit einem noch vorhandenen Restzuckergehalt überwintern (die Hefen stellen bei entsprechend niedrigen Temperaturen ihre Arbeit ein) und im Frühjahr bereits in die Flasche gefüllt, fertig gären. Der komplette Vinifikationsprozess läuft nach altem Vorbild ab, das heißt, dass weder Reinzuchthefen verwendet werden, noch filtriert oder am Ende der Zweitgärung degorgiert wird. 

Es ist nicht so, dass Marco sich Innovationen völlig verschließen würde – er besucht mehrmals im Kurse und saugt das, was ihn weiterbringt und seiner Konzeption von Wein nicht widerspricht interessiert auf. Manchmal probiert er auch Sachen aus, die er dann wieder bleiben lässt. Mit Reinzuchthefen konnte er sich beispielsweise nicht anfreunden. Er fand den völlig problemlosen Gärverlauf irritierend und das Geschmacksbild seiner Weine austauschbar, banal und identitätslos. Kurz, er erkannte sie nicht wieder und kehrte folglich gleich im nächsten Jahr wieder zu seiner altbewährten Herangehensweise zurück. 

Wer direkt bei ihm vorbeifährt, bekommt auch noch – gleichfalls eine langgehegte und sehr sympathische Tradition honorierend – Weine direkt vom Fass.

Die Weine

Gutturnio Magia Frizzante: Sprudelnde Cuvée aus Bonarda und Barbera, die nach sechstägigem Schalenkontakt spontan vergoren werden. Fantastischer violetter Schaum, dunkle Beerenaromen, würzig, kräftiges Tannin, zupackende Säure, lebhafte Perlage. Profund und doch erfrischend. Passt bestens zu den klassischen Schweinereien aus der Emilia (Prosciutto, Salami).

Labaia Frizzante: Blend aus Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Trebbiano und Moscato Bianco. Dreitägiger Schalenkontakt. Mundfüllend und dicht, eindringlich und fordernd, mit gelben Fruchtaromen und spürbaren Kräuternoten. Hat Kraft und Energie. Der Gerbstoff lenkt, die Säure versprüht Dynamik. Sehr, sehr gut.

Ortrugo Terzolo Frizzante: Nach einem unter dem Weingarten dahinlaufenden Bach benannt. Das Gegenteil des Labaia. Subtil und filigran. Zurückhaltend. Von feinen Blütennoten und delikater weißer Frucht geprägt. Schlank und elegant. 

Oracolo: Aus den gleichen Rebsorten wie der Labaia vinifiziert. Wurde gleichfalls, und wie fast immer, wenn Malvasia di Candia Aromatica im Spiel ist, ein paar Tage auf den Schalen belassen. Und das spürt man auch. Die Aromen sind intensiv und nachhaltig und Gerbstoff und Säure machen Druck. Hat Länge und Kraft.

Perigeo: Cuvée aus hauptsächlich Barbera und ein wenig Bonarda. Einmonatiger Schalenkontakt. Danach ein Monat über in Zementzisternen. Massiver Körper, intensive Aromatik. Viel dunkle Frucht und Würze. Dank der, der Barbera stets innewohnenden Säure geradlinig und direkt. Dicht und fokussiert am Gaumen.  

Marco Cordani

Loc. Montine – Celleri
29013 – Carpaneto Piacentino (PC)
Telefono 334-1480999
e-mail: info@marcocordani.it
www.marcocordani.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 12000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Moscato Bianco, Trebbiano, Barbera, Bonarda
Rebfläche: 6 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein
Mitgliedschaft: Emilia sur li

Die Weine von Marco Cordani gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online aus Italien erhält man sie bei www.decanto.it

 

DAS WEINGUT

Bei Claudio Campaner kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der junge Mann, der 2017 seinen Job in Mailand an den Nagel gehängt hat, um seinen landwirtschaftlichen Betrieb „Distina“ zu gründen, verschreibt sich nicht nur dem Wein – er ist auch Schnapsbrenner und ein sehr guter noch dazu.

Geplant hat er sein Projekt Distina schon ein paar Jahr davor, als er sich einen Hektar Rebland in Bacedasco Alto nahe Piacenza kaufte und bei Vittorio Capovilla, einem der besten Brenner Italiens in die Lehre ging. 

Der Hektar Reben, den er sich besorgte und aus dem er heute zwei Frizzante (metodo ancestrale) vinifiziert, wurde 1980 gepflanzt und ist mit einem Sammelsurium autochthoner Sorten bestockt. Neben der rund um Piacenza omnipräsenten Malvasia di Candia aromatica wachsen darin auch Moscato bianco, Marsanne, Barbera und Bonarda. 

Gleich am ersten Tag stellte Claudio die Weingärten auf biologische Bewirtschaftung um. Die Kultivierung der Reben wie auch der mittlerweile hinzugekommenen Obstbäume basiert auf akribischer Handarbeit. Er tendiert zum Perfektionismus, macht folglich alles selbst, beobachtet viel und hat sich im freien wie auch im Keller der Prinzipien der Naturweinbewegung verschrieben.

Die beiden Weine werden nach der metodo ancestrale vergoren, das bedeutet, dass sie noch während der Gärung – bei ca. 25g/Restzucker – in die Flasche gefüllt und darin fertigvergoren werden. Die abgepressten Traubenschalen verwendet er für die Destillation zu Grappa. 

Für das kommende Jahr hat Claudio zudem die Vinifikation von zwei Stillweinen und die Destillation von Bränden aus alten Obstsorten geplant.

Die Weine

Bason: Assemblage aus Barbera und Bonarda, den beiden roten Klassikern der Region. Ungeschönt und ungefiltert, vital und dynamisch. Fleischig, saftig. Ganz dunkle Frucht. Hat Power, nicht zu knapp Säure und Gerbstoff. Macht ordentlich Dampf in Richtung Gaumen.  

Ambra: Malvasia di Candia Aromatica, Moscato Bianco und Marsanne auf den Schalen vergoren. Hat Körper und Charakter, Kraft und Eleganz. Ist dichtgewoben, druckvoll und dank der erstgenannten Rebsorten aromatisch mit einer Tendenz zum Gelbfruchtigen und Floralen. Sehr gut.

Distina

Case Sparse Spedale, 24
Bacedasco Alto – Castell‘Arquato (PC)
Tel:3484294260
info@distina.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 5000 Flaschen
Rebsorten: Barbera, Bonarda, Malvasia di Candia aromatica, Moscato bianco, Marsanne
Rebfläche: 2 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein
Weitere Produkte: Grappa, Obstbrände (top)

Die Weine von Distina gibt es bei der Enoteca Galli (verschickt in den deutschsprachigen Raum)

DAS WEINGUT

Die Gegend rund um Piacenza ist eine wenig bekannte und ziemlich unerschöpfliche Fundgrube für Freunde handwerklich produzierter Weine. Sie hat mit der Malvasia di Candia Aromatica eine der spannendsten weißen Rebsorten Zentralitaliens zu bieten und mit Ortrugo eine zweite, die gerade dabei ist, ihrem Potenzial gerecht zu werden. Mit dem Gutturnio findet man eine adäquate Antwort auf den Lambrusco und nimmt sich zudem die Freiheit, Barbera und Bonarda (alias Croatina), die beiden dafür verwendeten Sorten auch still auszubauen. Mit Giulia Armani und Elena Pantaleoni von La Stoppa gibt es zwei überragende Persönlichkeiten, die seit mittlerweile drei Jahrzehnten einen – weit vom Mainstream entfernten – Weg weisen und zeigen, was in den zum Apennin hinauflaufenden Tälern alles möglich ist.

2014 haben die beiden Geschwister Luca und Claudia Saccomani gemeinsam mit ihren Familien begonnen, genau diesen Weg einzuschlagen. Im Val d’Arda, genauer in Diolo, haben sie in den letzten Jahren ihre insgesamt 12 Hektar Weingärten offiziell biologisch zertifiziert und damit begonnen ihre Weine auch über die Dorfgrenzen hinaus zu vermarkten. Wobei sie im Grunde genommen genau die auf Handarbeit  und Nachhaltigkeit beruhenden Ideen weiterführen, die schon ihre Eltern konsequent umsetzten. 

Mit Ausnahme des Rosso dei Baroni werden alle ihre Weine nach der Erstgärung im Stahltank ein zweites Mal in der Flasche vergoren – was, je nach Intention zu einer leichten oder etwas stärkeren Perlage führt, die den Weinen Vitalität und Energie verleiht.

So nachhaltig der Ansatz im Weingarten ist, so unverfälscht und naturbelassen ist er auch im Keller. Jenseits der ohnehin notwendigen Eingriffe hält man sich zurück, verzichtet auf Schönungen und Filtrationen und bleibt bei den Schwefelungen stets unter 25mg/l.  

Die Weine

Gutturnio: Der Klassiker des Hauses, ein Rifermentato aus Barbera und Bonarda. Wird nach einer achttägigen Maischegärung abgepresst, kurz zur Stabilisierung in Stahltanks gefüllt und danach in der Flasche ein zweites Mal vergoren. Dunkelfruchtiger und würziger als die meisten Lambrusco geizt er nicht mit Säure und Tannin und sollte auch über Jahre hinweg eine positive Entwicklung nehmen. 

Rosso dei Baroni: Assemblage aus Barbera, Bonarda und einem kleinen Anteil Merlot. Bleibt für 20 Tage auf der Maische und landet danach für 18 Monate zur Reifung in Zement und gebrauchten Barriquefässern. Strukturiert, dynamisch und mit ordentlich Power baut er vor allem auf reifen roten Früchten und intensiver Würze. 

Ortrugo: Ortrugo ist – sofern man sie sofort abpresst – delikat und fein und das spürt man auch in diesem Rifermentato. Die Aromen sind vor allem von Blüten und weißen Fruchtnoten geprägt. Der Körper ist schlank und elegant und der Trinkfluss dynamisch und vital. Einfach aber schön zu trinken.

Monterosso: Die klassische weiße Cuvée der Region. Protagonistin ist darin die Malvasia di Candia aromatica, unterstützt wird sie von Ortrugo, Marsanne und Trebbiano. Dank der Malvasia ist sie aromatisch, ohne dabei zu intensiv zu werden. Der Körper ist strukturierter und gehaltvoller als beim Ortrugo, die Perlage ist fein, die Säure geradlinig und präsent.

Marie-Luise: Rifermentato aus Marsanne. Die eigentlich von der Rhone stammende Sorte wurde im beginnenden 19. Jahrhundert mit den napoleonischen Truppen in die Emilia gebracht und fand hier eine zweite Heimat. Cremig. Weiße Blüten. Mandelnoten. Sprudelt sympathisch und vital über den Gaumen.

Die Weine kosten ca. € 10. Im deutschsprachigen Raum gibt es sie meines Wissens nicht, in Italien finden sie sich bei https://www.dolce-vite.com/ortrugo-2018-saccomani.html

Saccomani

Loc. Diolo Croce
Lugagnano val d’Arda (Piacenza)
0523 891718
Giuseppe 389.1858954
Luca 392.6099772
Claudia 393.3960312
E-mail: mail.saccomani@gmail.com
www.saccomanivini.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 30000 Flaschen
Rebsorten: Barbera, Bonarda, Merlot, Malvasia di Candia Aromatica, Ortrugo, Marsanne, Trebbiano
Rebfläche: 12 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, organisch
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein
Mitgliedschaft: vinnatur

DAS WEINGUT

Kampanien ist Vulkanland. Mit Ausnahme der südlichen Küstenregionen wachsen die Reben quasi ausnahmslos auf Basalt, Tuff und Asche. In den Campi Flegrei genauso, wie in Ischia, am Vesuv, in Taurasi, Irpinia und Roccamonfina. Letztere bezeichnet eine Gruppe erloschener Vulkane an der Grenze zwischen Latium und Kampanien mit dem kleinen Ort Galluccio als Zentrum, der gleichzeitig eine eigene DOC ist.

Genau dort hat die 1965 gegründete Masseria Starnali ihre Weingärten. Seit jeher biologisch bewirtschaftet, ruht die Philosophie von Maria Teresia di Biasio, der Besitzerin des Weinguts, auf drei stabilen Säulen: zum einen geht es ihr darum, den vulkanischen Ursprung auch in den Weinen wahrnehmbar zu machen, zum zweiten um die adäquate Interpretation ihrer drei Rebsorten – Aglianico, Piedirosso & Falanghina und zu guter Letzt um das Thema Nachhaltigkeit. Und da Maria  Teresia eine energische und ihren Prinzipien treue Person ist, setzt sie alle drei Grundsätze auch konsequent um. 

Die Kellerarbeit ist wie auch die im Weingarten auf größtmögliche Nichtintervention und präzise Beobachtung fokussiert. Die Gärung startet spontan und läuft sowohl bei den Weißweinen wie auch den Rotweinen ohne Temperaturkontrolle ab. Es wird nicht geschönt, gelegentlich grob gefiltert und der Einsatz von SO2 reduziert sich auf eine Minimum. 

Maria Teresia keltert (mittlerweile unterstützt von ihrem Sohn Luigi) insgesamt nur drei Weine, die ich immer sehr mochte. Sie haben alle eine, vermutlich auch dem Terrain geschuldete Stoffigkeit und Weichheit und entwickeln doch zum Gaumen hin Druck und Elan. Der Aglianico ist weniger intensiv als seine wesentlich berühmteren Interpretationen aus Taurasi, was ich eher als Vorteil ansehe.

Die Weine

Maresa: 100% Falanghina, einer steinalten, wenn richtig verarbeitet richtig guten Rebsorte. Das passiert zugegebenermaßen selten. Maria Teresa verwandelt sie in einen einfachen aber lebhaften und doch auch stoffigen Wein, bei dem gelbe Fruchtaromen und delikate florale Noten den Ton angeben. 

Santo Sano: 85% Aglianico, 15% Piedirosso. Wie auch der Maresa im Stahltank ausgebaut. Der Inbegriff dessen, was man gemeinhin als ehrlichen Wein versteht, der allerdings, im Gegensatz zu diesem, so gut wie nie ehrlich ist. Kombiniert ohne Fehl und Tadel Frucht, Säure und Tannin zu einem ausgewogenen Ganzen. Der ideale vino da tavola.

Conte di Galluccio: 100% Aglianico. Das unbestrittene Meisterwerk von Maria Teresa und Luigi und dabei auch eine vergleichsweise günstige Version der besten süditalienischen Sorte (ohne die Inseln). Massiv und vibrierend. Hat die Statur eines großen Weines. Duftig, dicht und druckvoll. Mit zupackendem Gerbstoff, einem festen Körper, einer ausladenden Aromatik und ordentlich Zug über den Gaumen. 

Masseria Starnali

Via Masseria Starnali, fraz. Sipicciano
81044 Galluccio (CE).
Tel: 333 9830957.
e-mail: masseriastarnali@libero.it
www.masseriastarnali.it

Cold Facts

Jahresproduktion:
Rebsorten: Aglianico, Piedirosso, Falanghina
Rebfläche: ein paar Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, organisch
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine der Masseria Starnali gibt es meines Wissens nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online (aus Italien) erhält man sie bei si-wines.

 

DAS WEINGUT

Pian di Stantino ist eigentlich ein kleiner Agriturismo mit Campingmöglichkeiten und einem angeschlossenen Restaurant, in dem man vorzüglich isst und trinkt. Nahe Tredozio, am Eingang des Parco delle Foreste Casentinesi, hoch oben im romagnolischen Apennin gelegen, bietet er die Art von Tourismus, die selbst in tristen Covidzeiten möglich sein sollte: ziemlich alleine durch Wälder wandern und in Ruhe und mit ausreichend Abstand voneinander gut essen und trinken. 

Dass Letzteres mittlerweile allein schon ein Grund ist nach Tredozio aufzubrechen, verdankt sich vor allem Andrea Peradotto, einem gelernten Önologen, der 2016 gemeinsam mit seinem Bruder Martino, dem Inhaber des Agriturismo, begann, alte Weingärten der Umgebung wieder instandzusetzen und ein paar neue auszupflanzen. Die Bewirtschaftung ist seit der ersten Stunde biologisch, der Anspruch der, dem vitikulturell etwas vernachlässigten Territorium südlich von Forlì wieder eine Stimme zu geben.

Im Mittelpunkt steht dabei Sangiovese, die klassische rote Rebsorte der Romagna, die Andrea zu zwei, recht unterschiedlichen Versionen verarbeitet. 

Weine

Ridacchio: stammt von quer über den Berg verstreuten Weingärten mit alten Reben. Spontan und ohne Temperaturkontrolle vergoren, in Zement ausgebaut und ungefiltert abgefüllt, ist der Ridacchio elegant, subtil, fein strukturiert, dynamisch und im Grunde genauso wie man sich (oder ich mir) Sangiovese vorstellt. Das Tannin ist griffig, die Säure erstaunlich weich, die Frucht klar aber im Hintergrund und unterstützt von floralen Noten.   

Der Pian ist eine Sangiovese-Interpretation eines einzelnen Weingartens und wie der Ridacchio spontan in  einer Zementzisterne vergoren. Gewichtiger und üppiger und etwas dunkler in der Frucht hat er nicht ganz die Spannung und Ausgewogenheit des Ridacchio, steht aber vielleicht sogar noch exemplarischer dafür wie Sangiovese in den Mergel- und Tonböden des romagnolischen Apennins ausfällt.

Bezugsmöglichkeit: Beide Weine gibt es vorerst nur ab Hof. Der Ridacchio kostet €11,50, der Pian einen Euro weniger. Innerhalb Italiens verschickt Andrea, über die Landesgrenzen hinweg sollte das auch kein Problem sein. 

 

Pian di Stantino

Agriturismo Pian di Stantino Tredozio
47019 Forlì-Cesena
Telefono: 0546 943539
Email: info@piandistantino.it
www.piandistantino.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ein paar Tausend Flaschen
Rebsorten: Sangiovese
Rebfläche: 2-3 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: ja
Restaurant: ja

 

Grillo ist eine Rebsorte, die man wie kaum eine andere mit Marsala und dem Westen Siziliens verbindet, die aber vermutlich gar nicht von der Insel stammt. Ihre früheste dokumentarisch belegte Erwähnung auf Sizilien stammt erst aus dem 19. Jahrhundert, was nahelegt, dass sie ungefähr zu diesem Zeitpunkt auf die Insel gebracht worden sein dürfte – woher, ist nicht ganz klar, wobei die meisten Experten davon ausgehen, dass sie nach dem Vernichtungsfeldzug der Reblaus von Apulien aus nach Sizilien kam.
Im Westen der Insel hat sie daraufhin zumindest kurzfristig das Kommando unter den weißen Rebsorten der Region übernommen, ehe sie aufgrund ihrer im Vergleich eher geringen Erträgen ab der Mitte des letzten Jahrhunderts wieder seltener ausgepflanzt wurde. Heute beträgt ihre Rebfläche ca. 5000 ha. Sie ist seit über einem Jahrhundert elementarer Bestandteil des Marsala und zudem für einen Gutteil der besten trockenen Weißweine rund um Trapani und Alcamo verantwortlich.
Wie bei kaum einer anderen Rebsorte gibt es allerdings eminente Unterschiede zwischen konventionell vinifizierten und traditionell-handwerklich hergestelltem Grillo. Konventionelle, also mit Reinzuchthefen, bei niedrigen Temperaturen und oft in einem extrem reduktiven Milieu hergestellte Interpretationen riechen und schmecken nicht selten nach Zitrusfrüchten, Cassis und grünem Paprika. Wer an banale (konventionell hergestellte) Sauvignon Blancs denkt, liegt ziemlich richtig.
Ernsthafter, richtig guter Grillo vermittelt dagegen für gewöhnlich Aromen, die an mediterrane Kräuter, Erde und reife Früchte erinnern. Er suggeriert Wärme und Tiefe. Während der Alkohol bei Grillo für gewöhnlich ziemlich hoch liegt, ist die Säure eher niedrig, weshalb einige der besten Versionen eine kurze oder längere Zeit auf der Maische verbringen.

Die besten Weine

Nino Baracco: Grillo (callmewine.com)
Aldo Viola: Egesta (vinonudo.at)
Elios: Modus Bibendi Bianco Macerato (anteilig Grillo)
Manlio Manganaro: Vino bianco (callmewine.com)
Badalucco: Grillo Verde (lavaligiadelbacco.it)
Vite ad Ovest: Vurgo (Grillo + Catarratto) (la valigiadelbacco.it)
Il Mortellito: Calaiancu (Grillo + Catarratto) (lavaligiadelbacco.it)
Marco de Bartoli: Grappoli del Grillo

Marsala oder pre-British Marsala (davon ein andermal)

Marco de Bartoli: Vecchio Sampaio (Marsala)
Badalucco: Pipa 3/4
Baracco: Altogrado

DAS WEINGUT

Elios ist ein junges Projekt und geht auf das Konto von Nicola Adamo und Guido Grillo. Ihr Hauptquartier steht in Alcamo, dem Ort, in dem auch Aldo Viola, einer der besten Winzer Siziliens sein Weingut hat. Die Weingärten sind – wie auch bei Aldo – in unterschiedlichsten Zonen rund um den Ort verstreut, was insofern wichtig ist, da sie je nach Lage entweder vom Meer oder vom Hinterland geprägt sind. 

Die beiden starteten ihre ersten Vinifikationen 2015, nachdem sie sich zuvor als Informatiker (Nicola) und Önologe bei größeren Weingütern (Guido) unglücklich gearbeitet hatten. Das Konzept war dabei so simpel wie einleuchtend. Sie wollten die Weingärten ihrer Familien revitalisieren und daraus Wein keltern, der die Traditionen ihrer Gegend einfangen sollten. Die Rebsorten sind folglich solche, die schon seit Jahrhunderten bei ihnen beheimatet sind, in die Region passen und mit den recht trockenen und heißen Verhältnissen gut zurechtkommen: also Grillo, Catarratto, Zibibbo, Nero d’Avola und Nerello Mascalese, der nicht viel mit den Versionen vom Ätna zu tun hat, aber dennoch einen Versuch wert ist.

Die beiden sind im Weingarten wie im Keller der Natural Wine Bewegung verpflichtet, was in wenigen Worten bedeutet, dass sie draußen biologisch arbeiten und drinnen eine Hands-Off-Philosophie verfolgen. Was nicht heißt, dass hinter ihren Weinen nicht auch ausgeklügelte Ideen stecken würden. Entscheidend für die beiden ist eine nachvollziehbare Eleganz und Strenge, die einen Gegenpol zu den eher warmen Aromen darstellen – weshalb, laut Guido, auch der Lesezeitpunkt von entscheidender Bedeutung ist. Insgesamt umfasst ihr gegenwärtiges Sortiment vier Weine.

Exzellent ist der Bianco Macerato Modus Bibendi, eine Cuvée aus Catarratto, Zibibbo und Grillo, wobei ersterer für Frische und Lebendigkeit sorgt, der Zibibbo alias Muscat d’Alessandria für die Aromen hauptverantwortlich ist und letzterer für Volumen, Power und Kraft sorgt. Mazeriert wird über 20 Tage, weitere 7 Monate verbringt der Wein daraufhin im Stahltank. Das Resultat ist druckvoll und strukturiert, floral, fruchtig, mit einer feinen aber tragenden Tanninstruktur und einem nachhaltigen Finish. 

Der reinsortige Grillo Modus Bibendi kommt ohne längeren Schalenkontakt aus und stammt aus Weingärten auf ca. 300 Metern Höhe. Die Textur ist geradlinig und frisch, die Aromen sind es gleichfalls, wobei vor allem Kräuter und Zitrusnoten dominieren. Einfach aber recht dynamisch, mit mehr Trinkfluss als man es sich in der Gegend erwarten würde. 

Ähnliches lässt sich über den aus Nerello Mascalese gekelterten GlouGlou sagen, wobei hier naheliegenderweise rote Aromen vorherrschen, die allerdings gleichfalls von Kräuternoten unterlegt sind. Erfrischend, leicht, zum schnellen Wegtrinken.

Anders, weil wesentlich profunder und dichter gestrickt, ist der Nero d’Avolo Modus Bibendi. Der ist zwar gleichfalls vital, hat aber doch um Einiges mehr Power und Rückgrat als der GlouGlou. Die dunkleren Noten des Nero d’Avola werden diesmal von Pfeffer und Lakritze ergänzt. Der Ausbau erfolgt anders als bei den anderen drei Weinen im Tonneaux.

ELIOS

DITTA ADAMO SAVERIO,
Viale Europa, 91011 Alcamo(TP)
Telefon: +39 333 4095994 (Nicola)
Fax: +39 333 4853322 (Guido)
Email: info@eliosfood.it
www.eliosfood.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 25000 Flaschen
Rebsorten: Nero d’Avola, Nerello Mascalese, Catarratto, Grillo, Zibibbo
Rebfläche:  –
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Elios gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavignadibacco.com

 

DAS WEINGUT

Pierpaolo Badalucco ist ein entspannter, freundlicher Mann mit einer großen Leidenschaft für den Westen Siziliens und den Süden Spaniens. Bestens ablesbar ist das an der Tatsache, dass in seinem Weingut in der Nähe von Marsala neben den Klassikern der Gegend, also Grillo, Catarratto, Inzolia, Grecanico auch noch Tempranillo und Verdejo, zwei der wichtigsten Rebsorten Spaniens eine tragende Rolle spielen. Und an dem Namen Dos Tierras, unter dem sein Weingut ebenfalls bekannt ist. Und, zu guter Letzt, natürlich an Beatriz de las Iglesias Garcia, seiner andalusischen Frau und kongenialen Partnerin im Weingarten und Keller.

Pierpaolo ist nicht der erste Badalucco, der in der historischen Weinregion Reben kultiviert. Vor ihm werkten schon vier Generationen in der leicht hügeligen und eigentlich vor allem für weiße Sorten bekannten Topographie der Gegend. Weshalb Pierpaolo auch meint, dass Grillo & Co. repräsentative Interpretationen seines Territoriums wären, während Tempranillo vor allem den Grillen von Beatriz geschuldet wären und ein neues, nicht ganz einfach zu erklärendes Kapitel der Region aufschlagen würden.

Dennoch hat sich gerade letzterer zu einer tragenden Säule des Weinguts entwickelt; und zwar nicht nur aufgrund seines eher außergewöhnlichen Vorhandenseins, sondern vielmehr wegen der erstaunlichen Qualität, die Tempranillo auch in den heißen, von Sand durchsetzten Böden Siziliens ergibt. Wobei das mit der Hitze rund um Marsala so eine Sache ist – zwar scheint hier öfter die Sonne als im Chianti oder im Friaul, doch sorgt kontinuierlich blasender Meerwind für eine stete Abkühlung. Der spanischen Komponente verdankt sich auch die Idee Pierpaolos, dass sein Weingut eigentlich eine doppelte Ausrichtung habe: eine traditionell-westsizilianische, die unter dem Namen Badalucco fungiert und eine sizilianisch-spanische, weshalb er dem Weingut auch noch den klingenden Namen de las Iglesias Garcia hinzugefügt hat.

Die Weingärten werden nach den bereits von seinem Urgroßvater praktizierten Prinzipien bewirtschaftet (hohe Erziehungssysteme, Handarbeit, keine Chemikalien, was sich angesichts der günstigen klimatischen Bedingungen etwas einfacher darstellt als in anderen Gegenden) und Ähnliches lässt sich auch über die Arbeit im Keller sagen.

Wie auch einige seiner Kollegen (Nino Barraco, Vite ad Ovest) in der Ecke verzichtet er auf den Ausbau seiner Weine zu Marsala. Er orientiert sich vielmehr an einer präbritischen Tradition, die sich vor allem durch einen gekonnten oxidativen Ausbau zu trockenen Weinen definiert. Davor werden die Trauben mit den Füßen sanft angepresst, spontan vergoren und in kleinen, gebrauchten Holzfässern ausgebaut.

Temprano: von Nord-Ostlagen in den Hügeln hinter Marsala. Nero d’Avola gibt den sizilianischen Part, Tempranillo den spanischen, ausgebaut wird über ein gutes halbes Jahr in gebrauchten Barriques und über ein paar weitere Jahre in der Flasche. Das Resultat riecht nach roten Früchten, mediterranen Kräutern und schwarzem Pfeffer, ist saftig, würzig und erstaunlich frisch.

Dos Tierras: der große Bruder des Temprano. Basiert gleichfalls paritätisch auf Nero d’Avola und Tempranillo. Über 18 Monate in gebrauchten Barriques. Tiefgründiger, gewichtiger und vielschichtiger als der Temprano. Zu den vorher erwähnten Aromen gesellen sich noch Tabak und Lakritznoten hinzu. Warm, samtig und kraftvoll.

Grillo Verde: Hat neben Grillo auch noch einen beträchtlichen Verdejoanteil, der relativ früh gelesen für ein stabiles Säurerückgrat sorgt. Die Trauben werden mit den Füßen angepresst und bleiben danach ca. 5 Tage in Kontakt mit den Schalen. Die Gärung ist wie immer spontan, der Ausbau erfolgt über ein knappes Jahr in Tonneux. Warm, einnehmend, salzig, mediterran. Zitrusaromen. Orangen. Kräuteraromen. Fließt weich, samtig aber kompromisslos trocken über den Gaumen.

Il Litro: eine nette Ergänzung des bisherigen Programms. Ein vino da tavola, allerdings mit ordentlich Tiefgang und in einem etwas größeren Format. Basiert ausschließlich auf Grillo, wobei  in Holz vinifizierte Chargen aus unterschiedlichen Jahren miteinander cuvetiert werden. Mediterran, salzig, warm, mit einem lenkenden Tanningerüst und viel Trinkfluss.

BADALUCCO - DOS TIERRAS

Pierpaolo Badalucco und Beatriz de las Iglesias
Contrada Badalucco, Via Chiano – Petrosino
Tel: 0039 3473695615
commerciale@vinibadalucco.it
www.vinibadalucco.it

Cold Facts

Rebsorten: Nero d’Avola, Tempranillo, Grillo, Verdejo, Catarratto
Rebfläche: 20 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Badalucco fehlen unglücklicherweise noch am deutschsprachigen Markt. Aus Italien kann man sie über lavignadibacco.com, callmewine oder decanto bestellen.

 

 

Müsste man eine Rangliste der italienischen Weinregionen anfertigen, die über die letzen 10 Jahren am meisten Reputation dazugewonnen haben, würden die Gegend rund um und am Ätna vermutlich ganz oben stehen – und mit ihm Nerello Mascalese, die allgegenwärtige rote Sorte am Vulkan.
Burton Anderson, der italienische Weine vor allen anderen einem englischen Publikum vorstellte, dürfte das vermutlich mehr als seltsam vorkommen. In seinem 1990 erschienenen Wine Atlas of Italy fällt ihm nichts Positives zu Nerello Mascalese und zum Vulkan ein. Er nennt die aus ihr gekelterten Weine „rarely inspiring“ und stellt desillusioniert fest, dass „the theory that the soil around active volcanoes is ideal for vines gets a tepid endorsement on Etna, where today’s wines never equal the grandeur of its setting.“
Ich gestehe, dass ich Burton Andersons Meinung gut nachvollziehen kann. Mir war auch nicht immer klar, warum Weinen aus Nerello Mascalese derartig applaudiert wurde. Allerdings habe ich dann in den vergangenen Jahren doch auch ein gutes Dutzend Weine probiert, die tatsächlich große Klasse hatten.
Nerello Mascalese verdankt seinen Namen der zwischen Catania und dem Meer liegenden Ebene Mascali. Dort gibt es zwar noch immer einige mit ihr bestockte Weingärten, ihre wichtigsten Anpflanzungen befinden sich allerdings eine gute Autostunde entfernt und ein paar Hundert Höhenmeter weiter oben, an den Hängen des Ätna.
Und zwar schon seit geraumer Zeit, wie eine Vielzahl noch existierender Reben bezeugt, die in der Vorreblausära gepflanzt wurden und heute noch in Ertrag stehen. Die Phylloxera vastatrix, die elende Laus, die sich zwischen 1865 und 1920 durch zigtausende Weingärten fraß und dabei nahezu den kompletten Rebbestand Europas vernichtete, erklomm den Ätna nie – weshalb die Rebanlagen am Vulkan oft uralt sind und zu den wenigen weltweit zählen, die ohne amerikanische Unterlagsreben auskommen (die, in allen anderen Regionen, die finale Lösung des Reblausproblems war).
Im Idealfall sind die aus der Rebsorte und meist mit ein paar Prozent Nerello Cappuccio gekelterten Weine elegant, mineralisch und feingliedrig, kühl-strukturiert, und von glasklaren Aromen getragen, die sich oft aus roten Beeren, Kirschen und Weichseln, Tabak, Leder, Rauch, Blütennoten, Kräutern und Steinen zusammensetzen.

Best of Nerello Mascalese

SRC, Alberello (vielleicht der beste von allen, u.a. www.vinonudo.at)
SRC, Etna Rosso (www.vinonudo.at)
Eduardo Torres Acosta, Versante Nord (callmewine.com)
Enò-trio, Pussenti (www.decanto.it)
I Vigneri, Etna Rosso Vinupetra (www.callmewine.com)
Etnella, Petroso (www.vinifero.at)
I Custodi delle vigne del Etna, Aetneus (www.callmewine.com)
Scirto, A‘ Culonna (www.lavaligiadelbacco.it)
Aldo Viola, Saignée (nicht reinsortig und nicht vom Ätna, trotzdem super)
Vite ad Ovest, Kapo (auch nicht vom Ätna und auch exzellent)

Die Zahlen lesen sich beeindruckend. Catarratto bianco und Catarratto bianco lucido stehen auf 40.500 Hektar oder 34,3% der sizilianischen Rebfläche. Das bedeutet, dass sie nach Trebbiano Toscano die zweitwichtigste weiße Rebsorte Italiens ist. Wieviel Wein daraus genau gekeltert wird, wissen wir nicht. Geht man allerdings davon aus, dass auch heute noch viele Winzer dem Namen der Rebe alle Ehre erweisen – Cataratto bedeutet Katarakt oder Wasserfall und sein Name verdankt sich tatsächlich den wasserfallartigen Mengen, die aus ihren Weingärten gelesen werden können – dürfte es wohl mehr sein, als Österreichs Rebflächen in ihrer Gesamtheit hergeben.

Catarratto ist seit Urzeiten im Westen Sizilien beheimatet und war seit jeher das Arbeitstier unter den weißen Rebsorten der Insel – und das schmeckte man auch. Erst seit kurzem gibt es eine überschaubare aber wachsende Anzahl an talentierten Winzern, die dem Charakter des Catarratto tatsächlich auf den Grund geht und dabei auch neue Wege beschreitet.

Sie legen zunehmend wert auf die richtigen Lagen, pflanzen bisweilen auch auf hochgelegenen Nordhängen, um die Reifezeit zu verlängern (Aldo Viola), reduzieren die Erträge oft dramatisch, arbeiten im Weingarten biologisch (wobei man aufgrund der extrem trockenen Bedingungen generell auch auf Kupfer verzichten kann) und vergären im Keller mit wilden Hefen und teilweise ausgedehnten Maischestandzeiten.

Die besten Catarrattos sind tiefgründige, warme, salzige und gelbfruchtige Weine mit einer erstaunlich ausgeprägten Säure und einem nicht zu unterschätzenden Reifepotenzial.

Die besten Catarrattos

Aldo Viola, Krimiso (bei vinonudo)
Aldo Viola, Shiva (bei vinonudo)
Guccione, „C“ (bei decanto.it)
Tanca Nica, Kaffefi (bei callmewine)
Nino Barracco, Catarrato (bei vinifero.at)
Sergio Drago, Catarratto (bei decanto.it)
Vite ad Ovest Bianco (bei lavaligiadelbacco.it)
Longarico, Catartico (bei lavaligiadelbacco.it)
Alessando Viola, Le mie origine (bei decanto.it)
Porta del Vento, Mira – Spumante (bei callmewine.it)
De Bartoli, Catarratto Lucido

DAS WEINGUT

Projekte wie die Cantina di Malandrino würde man sich wesentlich mehr wünschen. Entstanden ist es durch die Initiative von Diego Bongiovanni und seiner Frau Cinzia, die 2008 einen alten Gutshof in Bagolaro, am Osthang des Ätna zu neuem Leben erweckten. Insgesamt 19 Hektar umfasst das Anwesen, wobei nur knapp drei davon mit Reben bepflanzt sind. Auf der Restfläche widmen sie sich Avocados(!), Mangos(!), Zitrusfrüchten, Artischocken, Oliven und Granatäpfel, die sie teilweise verkaufen, teilweise aber auch selbst weiterverarbeiten.  

Die dichtbestockten Weingärten gehören zu den ersten auf dem Weg zum Gipfel und liegen in süd-südöstlicher Exposition auf 450 Metern Höhe. Im für die Gegend typischen Alberello-System wurzeln alte Nerello Mascalese, Nerello Capuccio und Carricantereben in vulkanischem Terrain. Zwischen Oktober und Februar grasen Ziegen zwischen den Rebzeilen und sorgen für natürlichen Dünger. Gearbeitet wird nach rigoros ökologischen und nachhaltigen Prinzipien. 

Im Keller verfolgt man eine traditionelle Herangehensweise. Die Weine werden spontan und ohne Temperaturkontrolle vergoren, in gebrauchten 500-Liter Tonneaux oder in Amphoren ausgebaut und ungeschönt und ungefiltert mit einer minimalen Schwefelbeigabe gefüllt. 

Die Weine

Malandrino: Auf Sizilien nennen Großeltern etwas lebendigere Enkelkinder „U malandrino“, Schlitzohr oder Schelm oder wie auch immer. Der Wein selbst ist total seriös, besteht zur Gänze aus Nerello Mascalese, ist fleischig, rotbeerig und mineralisch, fordernd, tief und lang.

A Franco: Ein uvaggio, eine Cuvée aus den beiden Nerellos, Mascalese & Capuccio. Spontan in einer 700-Liter Amphore vergoren, lebhaft, ungezwungen, straff und direkt. Öffnet sich wie die meisten in Amphorenweine nur langsam. Geduld lohnt sich mit Sicherheit.

Di_ego: „vom Ich“, also von Diego, nochmals Nerello Mascalese im Verbund mit Nerello Capuccio. Einladend, animierend und unkompliziert und dabei doch voller Aromen, Spannung und Elan. Druckvoll und saftig mit einem erstaunlich nachhaltigem Finish.

 

CANTINA DEL MALANDRINO

Via Presa 20,
Fraz. Santa Venera – Mascali (CT) – Sicil
Tel: +39 333.3050663
info.bagolaro@gmail.com
www.cantinadelmalandrino.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 10000 Flaschen
Rebsorten: Nerello Mascalese, Nerello Capuccio, Carricante
Rebfläche: 3 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Cantina del Malandrino gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavignadibacco.com

DAS WEINGUT

Biscaris gehört zu den vielen kleinen Familienbetrieben im äußersten Südosten Siziliens, die sich – auch dank eines extrem günstigen weil trockenen und windigen Klimas – einer konsequent biologischen Herangehensweise im Weingarten verschrieben haben. Das fünf Hektar große Weingut in Acate (westlich von Ragusa und einen Katzensprung von COS entfernt) geht noch einen Schritt weiter und pflegt seine Weingärten nach biodynamischen Prinzipien. Sie selbst definieren ihre Arbeit ganz simpel als traditionell und handwerklich – wobei handwerklich hier tatsächlich wortwörtlich verstanden werden kann. Vom Rebschnitt bis zur Füllung geschieht quasi alles manuell.

Im Mittelpunkt stehen zwei Rebsorten. Die in der Region omnipräsente Nero d’Avola, die bei Biscaris reinsortig interpretiert wird, aber auch anteilig in den Cerasuolo di Vittoria* einfließt. Und die meist vernachlässigte Frappato, die gleichfalls Anteile am Cerasuolo hat, zudem aber glücklicherweise auch reinsortig ausgebaut wird und einen für den Breitengrad unglaublich feinen und zarten Wein ergibt. Frappato gehört zu den Perlen der italienischen Ampelographie und verschafft sich langsam auch den ihr gebührenden Platz. Da sie arm an Anthocyanen, Zucker und Poliphenolen und folglich an Farbe, Alkohol und Gerbstoff ist, war sie in den dunklen Zeiten aufgeblasener Weine zu einem Schattendasein in lokalen Trattorien verdammt (wo man sie unter anderem auch aufgrund ihrer Kompatibilität zu Fisch sehr schätzte).

*Der Cerasulo di Vittoria ist Siziliens einzige DOCG und hat nichts mit dem Cerasuolo d’Abruzzo zu tun. Während Letzterer ausnahmslos ein rosato ist, wird der Cerasuolo di Vittoria stets zu Rotwein verarbeitet. Pflicht sind mindestens 60% Nero d’Avola Anteil, der Rest ist Frappato. 

Die Weine 

Frappato: Frappato mag es heiß und trocken und folglich ist die Gegend rund um Ragusa optimales Territorium für ihn. Die Reben bei Biscaris wurzeln in kalkdurchsetzter Erde, die dem Wein Richtung und Struktur mit auf den Weg gibt. Die rotbeerigen und floralen Aromen sind delikat und einladend. Der Körper ist subtil, die Textur weich aber nie lasch. Die sizilianische Antwort auf St. Laurent.

Cerasuolo di Vittoria: Spontan vergoren und danach zwei Jahre im Stahltank ausgebaut. Dichter und kräftiger als der Frappato aber doch auch lebendig und mit tiefer und dunkler Frucht. In der Nase hat hier der Nero d’Avola das Kommando über, am Gaumen teilt er sich die Verantwortung mit dem Frappato. Endet saftig und druckvoll.

Den Nero d’Avola von Biscaris habe ich noch nie probiert.

 

BISCARIS

Via Maresciallo Giudice, 52
97011 Acate (RG)
Telefon: +39 0932 990762
Fax: +39 0932 990762
Email: info@biscaris.it
www.biscaris.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Nero d’Avola, Frappato
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Biscaris gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavaligiadibacco.com

 

Il Mortellito

Dario Serrentino bin ich das erste Mal vor ein paar Jahren bei einer Verkostung von vinnatur in Rom über den Weg gelaufen. Er war mit zwei Weinen dort vertreten, die beide richtig gut schmeckten. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass er einige Jahre davor ins Valle di Noto, in den äußersten Süden Siziliens zurückgekehrt war. Dort hatten schon Jahrzehnte davor seine Urgroßeltern Trauben, Oliven und Mandeln geerntet. Er selbst hatte gerade sein Universitätsstudium abgeschlossen, danach allerdings den Wunsch verspürt, den Spuren seiner Vorfahren zu folgen und Bauer zu werden.
Im Kopf hatte er dabei einen traditionellen Ansatz, der sich, weit von irgendwelchen önologischen Moden entfernt, vor allem in eine intensiven Beziehung mit seinem Land manifestieren sollte.
Er nannte sein kleines Projekt „Il Mortellito“, eine Referenz an die Myrtensträucher, die früher in der Region wuchsen. Ohne selbst viel von der Landwirtschaft zu verstehen, doch von dem hartnäckigen Wunsch getrieben, so schnell wie möglich alles darüber zu lernen, hörte er sich vor allem bei ortsansässigen Leuten um, die mehr davon verstanden als er. Er pflanzte neben die bereits vorhandenen Frappato und Nero d’Avola-Reben den für die Region typische Moscato di Noto und ergänzte sie mit Grillo und Catarratto, den weißen Klassikern Sizilien. Die Reben wurzeln in kalkdurchsetzten Böden und werden in Alberello, der in den Mittelmeerländern traditionellen Kopferziehung, erzogen.
Ob er biologisch zertifiziert ist, weiß ich nicht, was ich allerdings weiß, ist, dass er seine Weingärten handwerklich und möglichst schonend bewirtschaftet und im Keller seit jeher den Prinzipien der Naturweinbewegung folgt. Das Sortiment hat er mittlerweile um einen weiteren Wein zu einem Trio erweitert, die nicht nur seinen Enthusiasmus wiedergeben, sondern elegant, geradlinig und profund überhaupt zu den besten der Gegend gehören.

Weine

Calaiancu: Grillo mit einem kleinen Anteil Catarratto. Spontan vergoren und im Stahltank auf der Hefe ausgebaut. Saftig und druckvoll. Vital und geradlinig. Die Wärme des sizilianischen Südens spürst du mehr in den Aromen, den Zitrus- und Kräuternoten als im Körper, der zwar profund und nachhaltig ist aber nie ausladend. Viel Wein für wenig Geld.

Viario: 100% Moscato di Noto. Ein Tribut an seine Heimat. Über 48 Stunden auf den Schalen mazeriert. Zeit genug, um dem Wein ein bisschen Grip mit auf den Weg zu geben. Spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Aromatisch, strukturiert und einladend. Erstaunlich leicht im Alkohol. Hat dabei dennoch Tiefe und Substanz. Stringent und kühl (dem Kalk sei Dank, vermute ich mal). Macht nachhaltig Eindruck. Zeigt, dass schon ein kurzer Maischekontakt Aromasorten in eine komplexere und trinkanimierende Richtung lenken kann.

Calaniuru Rosso: mehr Frappato als Nero d’Avola und folglich wesentlich eleganter als die meisten Weine, die man sonst aus dieser Ecke Siziliens bekommt. Dichte Bestockung. Relativ kurze Mazerationszeit. Spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Floral, feinfruchtig, subtil. Eleganter Körper. Ausgewogene Textur. Rotbeerig und vital am Gaumen.

Adresse

Dario Serrentino
Contrada Maccari,
96017 Noto (SR)
info@ilmortellito.it
www.ilmortellito.it
Tel: 346 4770455

Datenblatt

Rebsorten: Nero d’Avola, Frappato, Moscato Bianco, Grillo, Catarratto
Rebfläche: 3 ha Weingärten
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: 
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

 

Die Weine von Il Mortellito gibt es bei https://www.lavaligiadibacco.com/

Tenuta Armosa

Michele Mölgg macht fantastische lang gereifte Nero d’Avola, mit die besten, die ich kenne. Nicht in Südtirol, wo man ihn den Namen nach hinverorten würde, sondern schon dort, wo Nero d’Avola normalerweise wächst: in Sizilien, genauer in Scicli, einer kleinen im äußersten Südosten der Insel gelegenen Stadt, die von der UNESCO wegen ihrer Barockarchitektur zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Wein gab es hier schon vor dem Barock, vermutlich war das auch damals schon Nero d’Avola und Moscato Bianco, aber so ganz sicher weiß das niemand. Michele hat jedenfalls 2002 die beiden Sorten in den Sand von Scicli gesetzt und sich dabei an der Tradition der Region orientiert.

Die Weingärten sind im wahrsten nur einen Steinwurf vom Meer entfernt, die letzten Reben gehen quasi in den Strand über. Dank des ohnehin trockenen Klimas und den vom Meer durch die Reben zirkulierende Winde liegt es nahe, dass Michele ohne den Einsatz von Chemie arbeitet.

Ob das der Grund ist, warum seine Nero d’Avola um Lichtjahre spannender sind als fast alle anderen, die ich in bisher getrunken habe, ist eine naheliegende Vermutung. Es mag aber auch am kalkdurchsetzten Tuff liegen, der sich unter dem Sand breit macht und daran, dass er nicht auf Teufel komm raus zigtausende Kilo am Hektar zu lesen versucht. Oder an allem zusammen.

Im Keller behandelt er seine Trauben so als würden wir uns irgendwo zwischen Barolo und Barbaresco befinden. Die Maischestandzeiten sind lang, die Ausbauzeiten noch um einiges länger. Die beiden gegenwärtigen Jahrgänge des Siclys und des Curma, seinen beiden Nero d’Avola, sind 2010 und 2011, haben also schon ein knappes Jahrzehnt am Buckel.

Die Weine

Siclys 2010: Ein Nero d’Avola, wie ich ihn noch nie getrunken habe. Druckvoll, strukturiert, elegant – drei Adjektiva, die man Nero d’Avola normalerweise nicht zuordnen will. In der Nase keine zusammengekochte Marmelade sondern frische und lebendige Aromen. Top. 

Ab Hof: €12; bei italvinus €14

Curma 2011: Der Curma ist die Reserve der Tenuta Armosa. Er ist einen Tick kräftiger als der Siclys, schert jetzt allerdings nicht in eine üppig, plumpe Richtung aus. Der Kalk strafft auch hier, gibt Richtung und Struktur. Die Aromen sind ähnlich saftig wie beim Siclys, wirken aber etwas dunkler. Vergoren wird spontan, ausgebaut in gebrauchten Barriques. Gefiltert und geschönt wird nicht.

Ab Hof: €15; bei italvinus €19

Salipetrj 2018: Aus in aller Herrgottsfrühe gelesenen Moscato Bianco-Trauben gekeltert. Bleibt während der Gärung für einige Tage in Kontakt mit seinen Schalen. Ausgebaut wird der Salipetrj für ein halbes Jahr im Stahltank. Gefiltert wird nicht, was zur Folge hat, dass den Wein ein feiner Schleier durchzieht. Ist dank der Mazeration und dem kalkigen Untergrund, in dem die Reben wurzeln, geradlinig und griffig. Florale Aromen prägen, ein paar Fruchtnoten ergänzen. Gleichfalls exzellent.

Ab Hof: €12; bei italvinus €12

Adresse

C.da Pezza Fillippa, 97018 Scicli (Rg)
Telefon: ++39 392 9136858
www.armosa.it

Datenblatt

Rebsorten: Nero d’Avola, Moscato Bianco
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: 
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Weingut

Valentino Dibenedetto ist kein gewöhnlicher Weinbauer. Zwar keltert auch er eine Batterie optimaler Weine, doch unterscheidet ihn das nicht allzu sehr von anderen, die das ebenfalls regelmäßig hinbekommen. 

Vielmehr ist es sein landwirtschaftlicher Ansatz, durch den er sich von anderen Winzern abhebt. Und auch sein Wille stets noch einen Schritt weiterzugehen und weiterzudenken. Schon in den 1980er Jahren begann er – damals gemeinsam mit seinem Vater Carlo – die Weingärten biologisch zu kultivieren. Nach der Lektüre von Rudolf Steiners Schriften über die Landwirtschaft stellte er auf biodynamische Bewirtschaftung um, später – nach dem Studium der Bücher Masanobu Fukuokas – sich an der Permakultur zu probieren. 

Mittlerweile betreibt er „agricoltura sinergica“ – synergetische Landwirtschaft – bei der es in wenigen und vermutlich zu simplifizierenden Worten darum geht, dass sich die Bodengesundheit einzig durch ein reziprokes Verständnis der Pflanzen miteinander einstellt. Natürlicher Humusaufbau durch fallendes Laub oder spontan wachsende Kräuter hat oberste Priorität. Die Eingriffe sind minimal. Er verzichtet auf schweres Gerät, um die Böden nicht zu verdichten und lässt die Finger von Pestiziden & Co.

Auf diese Art und Weise pflegt er gemeinsam mit Frau und Kindern in der apulischen Murgia, einer felsig-kalkigen Hochebene zwischen Bari und Taranto, erstaunliche 25 Hektar Rebfläche. In ihnen wächst eine Batterie lokaler Sorten, die sich nicht in Primitivo und Negroamaro erschöpft, sondern auch Susumaniello, Greco, Aglianico, Fiano, Verdeco, Maresco und Marchione Platz einräumt. 

Nachdem Valentino im Weingarten auf Chemikalien jeglicher Art verzichtet, lässt er naheliegenderweise auch im Keller – mit Ausnahme von ein wenig SO2 vor der Füllung – die Finger davon. 

So entsteht ein 13-teiliges Panorama meist reinsortig vinifizierter Weine (10 Stillweine, 3 Schaumweine), die in ihrer Klarheit, Präzision und Straffheit einen erstaunlich-vitalen Gegenentwurf zu den oft üppig-fetten Interpretationen liefert, die man sonst aus der Gegend kennt.

Weine

Litrotto bianco: Wie der Quotiano von La Felce und der Litrozzo von Le Coste ein Wein für die Leute der Umgebung: aus vier weißen Rebsorten (Verdeco, Falanghina, Marchione und Fiano) gekeltert, im Liter abgefüllt, günstig, ein Tischwein, einfach aber nie banal. Suggeriert Zitrusaromen, Blüten, Kräuter und gelbe Früchte.  

Litrotto rosso: Das rote Pendant. Die Basis dafür stammt aus Montepulciano, Merlot, CS, Primitivo und Susumaniello. Ungeschönt und ungefiltert. Rote Früchte, Kräuter, Unterholz, straff aber stoffig.

Fiano: Nicht aus Fiano di Avellino, dem viel berühmteren Namensbruder, sondern aus Fiano Minutolo gekeltert. Ungeschönt, ungefiltert und ohne die Beigabe von Sulfiten abgefüllt. Salzig, kräuterig. Macht ordentlich Druck am Gaumen. Ist persistent, saftig und vom Kalk geprägt. Top.

Verdeca Sette Lune: Nach sieben Monden (ein Tribut an Winnetou?), also ungefähr sieben Monaten Schalenkontakt abgepresst. Verdeca ist eine der spannendsten weißen Rebsorten des italienischen Südens, die sowohl mazeriert wie auch klassisch weiß richtig gute Weine ergibt. Floral, kräuterig, Laub, Grapefruit. Hat Grip und Säure.

Aglianico: Anders als die Versionen, die man für gewöhnlich aus Kampanien bekommt. Weniger opulent und auch niedriger im Tannin. Dafür halt auch eleganter und nicht so erschlagend. War erst zwei Jahre im Edelstahl und danach noch zwei Jahre im gebrauchten Holzfass. Brombeeren, Pfeffer, Gewürznelken, Kräuter. Fließt stoffig und mit genau der richtig Menge Säure über den Gaumen. 

Niuru Maru: 100% Negroamaro. Abbild seines Terroirs. Das ist, anders als im Salento, der eigentlichen Heimat des Negroamaro, wesentlich kühler und von Kalk geprägt. Der Niuru Maru ist folglich straff und saftig, mit lebendiger Frucht, feiner Säure und erfrischendem Trinkfluss.

Daneben gibt es auch noch einen gleichfalls erstaunlich leichtfüßigen Primitivo, eine Primitivo-Agianico Cuvèe, einen exzellenten Greco, über den die Autoren des brillanten Buches Vini da scoprire eine Laudatio geschrieben haben und die drei Spumante, die ich allerdings noch nie probiert habe.

Die Weine von L’Archetipo gibt es bei vinifero in Wien und bei callmeweine in Italien. Sie kosten zwischen 10 und 18 Euro.     

L'Archetipo

C.da Tafuri sp21, km7
Coordinate
16° 51’ 40,00’’ Est
40° 41’ 19,00’’ Nord

Castellaneta Taranto/Puglia 74011
Tel:+39 3286014607
email: info@larchetipo.it
www.larchetipo.it

Datenblatt

Rebsorten: Greco, Fiano minutolo, Verdeca, Marchione, Susumaniello, Primitivo, Negroamaro, Aglianico, Merlot, CS
Rebfläche: 25 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 


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