Eugenio Rosi

Eugenio Rosi ist seit jeher den Feldern und Weingärten des Trentino verbunden. Er studierte Önologie am Institut in San Michele all’Adige und arbeitete daraufhin als Kellermeister für diverse Genossenschaften, ehe er 1997 mit seinem eigenen, kleinen Projekt in Volano im Vallagarina startete.

Das war zwar nicht einfach, da ihm weder Weingärten noch ein entsprechender Keller gehörten, es war aber notwendig, da er endlich wieder ans Tageslicht und in die Weingärten wollte und zudem die industrielle Produktion von Wein satthatte. Er begnügte sich folglich anfangs mit zwei gepachteten Hektar Weingärten, denen er mittlerweile noch vier weitere hinzugefügt hat. Kleine Parzellen, die quer verstreut an den Hängen der Trentiner Dolomiten über Rovereto liegen und allesamt biologisch bewirtschaftet werden.

So geologisch und klimatisch divers wie seine Lagen, die vom Talgrund der Etsch bis auf 750 Meter hinaufreichen, ist auch der Rebsortenmix, mit dem Eugenio arbeitet. Seit 1997 kultiviert er Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, internationalen aber doch auch traditionellen Sorten, die seit ein paar hundert Jahren auch im Trentino angepflanzt werden. 2000 kamen dann ein paar Weingärten seiner Familie hinzu, allesamt Marzemino, für dessen Reputation er mittlerweile ähnlich viel Aufbauarbeit geleistet hat wie Elisabetta Foradori für den Teroldego. Mitte der 2000er Jahre kaufte er dann auch noch ein paar Parzellen mit weißen Sorten. Sein höchstgelegener Weingarten ist mit Chardonnay bestockt. 250 Meter darunter liegt ein Weingarten mit Pinot bianco und auf 400 Metern befinden sich Nosiolareben, die ihm ähnlich am Herzen liegen wie die Marzeminostöcke. Alle drei Rebsorten fließen in den Anisos, einen der großen Weißweine des italienischen Nordens.

Eugenio bearbeitet die sechs Hektar gemeinsam mit seiner Frau Tamara. Im gleichen Maße wie das Verständnis der beiden für ihr Terroir und ihre Reben wuchs, steigerte sich auch das Bedürfnis genau diesen natürlichen Voraussetzungen in ihren Weinen den Spiegel vorzuhalten. Dafür verließen sie bei jedem ihrer Weine die Schemata zeitgenössischer Vinifikation und blickten stattdessen zum einen in die Trentiner Vergangenheit und zum anderen über die Grenzen. Der Anisos beispielsweise verweist in die 1950 und 60er Jahre, als es im Trentino noch üblich war, auch Weißweine für einige Tage im Kontakt mit ihrer Maische zu lassen. Beim Poiema, ihrem Marzemino wiederum reagieren sie auf dessen Sensibilität gegenüber Herbstregenschauer. Sie lesen ihn früh und trocknen danach Chargen davon (30-40%) genauso wie es, 100 Kilometer weiter im Süden, die Winzer des Valpolicella mit Amarone machen. Der Ri´flesso Rosi wird dagegen erst wie ein gewöhnlicher Rosato vinifiziert, ehe ihm für ein Monat die Trester des Anisos hinzugefügt werden, was – laut Eugenio – die Farbe stabilisiert und den Wein zusätzlich strukturiert.

Allen Weinen ist gemein, dass sie zum Besten gehören, was im Trentino gekeltert wird – sie sind originell, individuell, tiefgründig und haben, so wie ihre Winzer, Persönlichkeit, Energie und Charisma.

Eugenio Rosi ist Teil der 10-köpfigen Trentiner Winzertruppe I Dolomitici und Mitglied bei ViniVeri.

Weine – eine Auswahl

Anisos: Aus Chardonnay, Pinot Bianco, Nosiola. Einmal gelesen werden die Trauben über 10 Tage in offenen Bottichen auf der Maische vergoren und in Holzfässern aus Kirsche, Eiche und Kastanie für ein Jahr ausgebaut. Stoffig und dicht, lebhaft und fordernd. Das Tannin ist dezent und feingestrickt. Am Gaumen geht es kompakt, engmaschig und druckvoll zur Sache, das Finish ist lang und saftig. Kann man auch in den Keller legen und dort vergessen. Exzellent.

Marzemino Poiema: Marzemino von der auf Sand und Kalk durchsetzten Lage Ziresi. Über einer rechtwinkeligen Krümmung der Etsch gelegen, fangen die dort stehenden Reben nicht nur die direkt einfallenden Sonnenstrahlen ein, sondern akkumulieren auch die Reflektionen aus dem Fluss. Eugenio kann also früh und vor potenziellen Herbstregen lesen, auf die Marzemino noch sensibler reagiert als andere Sorten. Um ihm trotzdem zusätzlich Substanz zu geben und seine Aromen zu intensivieren, trocknet er 30-40% der Trauben, so wie es weiter unten am Südostufer des Gardasees die Winzer des Valpolicellas mit Amarone tun. Danach vergärt er spontan und baut den Wein mit der bereits fertigen, nicht getrockneten Charge in Holzfässern aus Kirsche, Eiche und Kastanie aus. Dunkelfruchtig, süße Würze. Die Textur ist saftig, kompakt und dynamisch, die Säure pulsiert und das Tannin ist präsent und fordernd – allesamt Faktoren, die den Poiema zu einem großartigen Begleiter für Sguazet, Strangolapreti oder einfach nur Speck machen, ihn aber vor allem für eine große Zukunft wappnen.

Riflesso Rosi: Rosé. Zwei Tage lang bleiben Merlot, Cabernet Sauvignon und ein kleiner Anteil Marzemino mit den Schalen in Kontakt, ehe abgepresst wird. Anstatt nun einfach weiter zu vergären, gibt Eugenio für einen Monat die Trester des Anisos, seines Weißweins hinzu, die zum einen die Farbe stabil halten, zum anderen aber nochmals ein wenig Struktur zum Wein beisteuern. Ist rotbeerig und ein wenig ruppig und rau, was definitiv Spaß macht. Kein weichgebürsteter Allerweltsrosato, vielmehr ein richtiger Wein mit Ecken und Kanten, Charakter und Aromen, die sich rot und saftig auch noch weiter hinten am Gaumen bemerkbar machen. Hält auch ein paar Jahren im Keller problemlos stand.


Eugenio Rosi
Adresse: Via Tavernelle 3B, 38060 Volano,
Telefon: +39 0464 461375
Email: tamaramar@virgiol.it


Rebsorten: Nosiola, Chardonnay, Pinot Bianco; Cabernet Sauvignon & Franc, Merlot, Marzemino
Rebfläche: 6 Hektar
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine.com

AT/DE/CH: –

 

Micheletti

In Italien gibt es eine Handvoll exzellenter Winzer, die ihr Weingut nicht am Land, sondern in der Stadt haben. Heinrich Mayr (Nusserhof) keltert seine Weine am Stadtrand von Bozen, Marco Lanzotti (Angol d’Amig) an der Peripherie von Modena und Marco Merli in Perugia. Giuliano Micheletti wiederum zeigt, dass man auch in Trento bisweilen ein ideales Umfeld für Reben vorfindet.

Wobei sich zugegebenermaßen nur ein Teil davon innerhalb der Stadtgrenzen von Trento befindet, den Rest – die Basis für seinen fantastischen Riesling Spumante und den (mir bisher leider unbekannten) Riesling Limen – befindet sich auf 500 Meter 20 Kilometer entfernt im Valle dei Laghi in Drena.

Am San Rocco in Trento kultiviert er dagegen seit mittlerweile über 20 Jahren Merlot und Chardonnay. Anfangs produzierte er für die omnipräsenten Genossenschaften der Gegend, doch erkannte er schon früh, dass dieser Weg keinen Platz für seine eigenen Ziele und Ideen lassen würde. Er stellte bereits 1998 auf biologische Bewirtschaftung um, 2006 ging er noch einen Schritt weiter und ließ sich biodynamisch zertifizieren – ein seiner Meinung nach unumgänglicher Schritt, um das Jahr, das Terrain aber auch seine eigenen Vorstellungen und Empfindsamkeiten im Wein auszudrücken.

Auf etwas mehr als drei Hektar produziert Giuliano insgesamt vier Weine. Den Limen bianco und den Limen rosso und zwei Schaumweine, die er nach dem metodo classico, dem klassischen Champagnerverfahren vinifiziert und die mit zum besten gehören, was ich in Sachen italienischer Sprudel jemals im Glas hatte.


Giuliano Micheletti
Adresse: Via Enrico Conci 78, Trento
Telefon: +39 0461912995
Email: gm.limina@gmail.com

 

Weine – eine Auswahl

Fuori Schema dossaggio zero: Ein Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt. Vor zwanzig Jahren auf 500 Metern in einem steinigen, bestens ventilierten Terrain im Valle dei Laghi (nördlich des Gardasees) ausgesetzt. Spontan vergoren und über ein Jahr im Stahltank ausgebaut. Minimal geschwefelt. Zweitgärung über ein paar Jahr in der Flasche. Danach degorgiert und ohne Dosage verkorkt. Das Resultat ist knochentrocken, kompromisslos zuckerfrei, herb, eigenständig, steinig und fordernd. Kühl, geradlinig und total fokussiert. Feine Perlage. Ordentliches Säurerückgrat.  Delikate Aromen. Fantastisch.

MAN 273 dossaggio zero: Keine Ahnung, was MAN bedeutet, 273 sind jedoch die Meter über den Meeresspiegel, auf denen sich Giulianos Chardonnay-Weingarten befindet. Die hat er ganz bewusst auf das Etikett gesetzt, um der Mär entgegenzutreten, die besagt, dass die Trauben für guten trientinischen Spumante auf mindestens 300 Meter wachsen müssen. Nach einer klassischen Zweitgärung in der Flasche, Null-Dosage und einem weiteren Jahr in der Flasche, kann man diesen Mythos in Ruhe ad acta legen. Der MAN 273 ist wie schon der Riesling steinig und staubtrocken, doch etwas ausladender und fülliger. Auch er zieht bestens strukturiert seine Bahn in Richtung Gaumen, wo er fein perlend, fruchtig-floral ausklingt.


Rebsorten: Chardonnay, Riesling, Merlot
Rebfläche: 3,3 ha
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it

AT/DE/CH: –

 

Castelsimoni

Manuela Castellani und Paolo Simoni, kurz Castelsimoni, haben ein Weingut an einem Ort gegründet, wo andere Bauern Linsen und Kartoffeln anbauen und Hirten ihre Schafe weiden lassen – wohin sich aber bisher keine anderen Winzer gewagt haben.

Auf 800 Metern Höhe, direkt am westlichen Hangfuß des Gran Sasso, des mit knapp 3000 Metern höchsten Berg des Apennins, haben die beiden inmitten 2009 ihren ersten Reben ausgepflanzt – keinen Montepulciano und keinen Trebbiano, wie sonst in den Abruzzen üblich, sondern Pinot Nero, Riesling, Chardonnay und Traminer, Rebsorten, die wesentlich besser mit den recht kühlen Bedingungen dort oben umzugehen wissen.

Man kann davon ausgehen, dass die beiden wussten, was sie taten – Manuela ist Biologin und Paolo Geologe. Beide sind felsenfest davon überzeugt, dass die Zukunft des Weinbaus in der Höhe liegt; und damit dürften sie angesichts der Klimaveränderungen der letzten Jahre wohl auch recht haben. 

Auch wenn Spätfrost ein nicht unwesentliches Problem darstellt, gedeihen ihre Trauben grundsätzlich prächtig. Weshalb Manuela und Paolo auch jedes Jahr aufs Neue ein paar Reben mehr in das felsige, von Kalk durchsetzte Terrain setzen und mittlerweile auf ein kleines aber feines Sortiment bauen können.

Das ist bei Rot- wie Weißweinen, wie nicht anders zu erwarten, generell schlank und elegant und von kühlen, klaren und präzisen Aromen geprägt.


Manuela Castellani und Paolo Simoni
Adresse: Via Solferino – Preturo
Telefon: +39 347 246 1700
E-mail: info@castelsimoni.it
Webseite: castelsimoni.it

 

Weine – eine Auswahl

Lupa Bianca: „Die weiße Wölfin“ – die vermutlich auch gelegentlich durch die Weingärten streift – ist ein Riesling, der auf einem Südhang gewachsen über sechs Monate bei sukzessiver Battonage auf der Hefe bleibt, danach ungefiltert gefüllt wird und schlussendlich über 40 Monate in der Flasche sein Gleichgewicht findet. Er ist kühl, ausgewogen und elegant, riecht nach Zitrusfrüchten, Kräutern und weißen Blüten und klingt knochentrocken, straff und vital aus.

Tramè: Traminer, der bei kühlen Temperaturen über einige Tage in Kontakt mit seinen Schalen bleibt. Das gibt ihm Struktur, die zudem von einer präsenten aber nie vordergründigen Säure ergänzt wird. Die Aromen sind wie es sich für einen Traminer gehört: intensiv, floral und ein wenig exotisch.

Diamante Nero: Ein Pinot Nero, der über ein Jahr in einem großen Holzfass ausgebaut wird und danach noch ein weiteres in der Flasche reift. Riecht nach Kräutern und Waldbeeren, ist leichtgewichtig, spielerisch und elegant, mit durchaus spürbaren Gerbstoffen und einer kühlen, strukturierenden Säure. Endet subtil, fein-aromatisch und lang.


Rebsorten: Riesling, Traminer, Chardonnay; Pinot Nero
Rebfläche: 2 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: nein
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: –

AT/DE/CH: –

 

De Fermo

Es gibt mehrere Gründe, Loreto Aprutino einzuplanen, wenn man sich auf den Weg in die Abruzzen macht. Der kleine Ort liegt ziemlich genau auf halbem Weg zwischen dem Meer und dem schwer beeindruckenden Massiv des Gran Sasso. Er besitzt mit der Chiesa Santa Maria in Piano eine der schönsten romanischen Kirchen der Gegend (und in den Abruzzen gibt es eine ganze Menge davon), einen hübschen Ortskern, das beste Olivenöl der ganzen Region und die fantastischen Weine von Stefano Papetti und Eloisa de Fermo.

Stefano wuchs in Bologna auf. Obwohl seine Familie keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft hatte, begeisterte er sich bereits in seiner Gymnasialzeit für Wein. Mit 18 belegte er einen Sommelierkurs und machte erste Reisen ins Piemont, die Toskana und ins Friaul. Als Berufsziel kam Wein jedoch nicht in Frage. Stattdessen studierte er Jura in Bologna. Dabei lernte er seine spätere Frau Eloisa kennen, deren Familie aus den Abruzzen stammte und dort ein Gut besaß, das allerdings niemanden wirklich interessierte und verpachtet war. 

Für Stefano, der das Anwesen erst nach einigen Jahren zum ersten Mal zu Gesicht bekam, war es Liebe auf den ersten Blick – was wiederum nicht bedeutete, dass die beiden in Bologna alles an den Nagel hingen und in Richtung Abruzzen aufbrachen. Doch machte speziell er sich immer öfter in den Süden auf und eines Tages begann er einen ersten Hektar Reben selbst zu bewirtschaften. 

Im Gut selbst befand sich bereits damals ein (zwar renovierungsbedürftiger) Keller, sodass Stefano 2010 damit beginnen konnte, einen ersten Montepulciano zu vinifizieren. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Nach positiven Reaktionen von befreundeten Winzern kamen 2012 ein Weißwein und ein Cerasuolo (der berühmte Rosato der Gegend) hinzu. 2013 bewirtschaftete er bereits die kompletten 16 Hektar des Weinguts  – damals noch biologisch, mittlerweile biodynamisch.

So entstehen gegenwärtig sechs Weine – allesamt spontan vergoren, ungeschönt und ungefiltert und jeder auf seine ganz eigene Art und Weise spannend und eindrücklich. Absolut beeindruckend sind dabei vor allem die Weißweinen, allen voran der Chardonnay Launegild, ganz sicher einer der besten Weißweine Zentralitaliens. 

Weine – eine Auswahl

Concrete bianco: Pecorino, Chardonnay und Trebbiano. Relativ früh gelesen. Wird teils ganztraubengepresst, um die Struktur zu forcieren. Über 6-7 Monate in Zement ausgebaut. Frisch, saftig, einladend. Kräuter und Blütennoten. Animierend und früh antrinkbar.

Pecorino Colline Pescaresi Don Carlino: Stammt von 25 Jahre alten Pecorino-Trauben. Wird ohne Temperaturkontrolle in Zement und Holz vergoren. Floral, Ingwer, Gestein. Kräftiger und ausladender als der Concrete. Dicht und energetisch. Profitiert mit Sicherheit von etwas Flaschenreife. Sehr gut.

Chardonnay Launegild: Stammt von 1926 gepflanzten Chardonnay-Reben. Findet im Tonneaux über zwölf Monate sein Gleichgewicht. Salzig, steinig, dicht und druckvoll. Mineralisch. Blüten & gelbe Frucht. Konzentriert, stoffig und dabei immer elegant. Fließt ruhig aber direkt über den Gaumen. Öffnet sich zunehmend mit Luft. Exzellent.

Montepulciano Prologo: De Fermos erster, 2010 vinifizierter Wein. 2-3 wöchige Mazeration. In großen Holzfässern über 18 Monate ausgebaut. Dunkel, erdig, fleischig. Kirsche. Blüten und Kräuter. Intensiv und nachhaltig. Ein exemplarischer Repräsentant des etwas kräftigeren Montepulciano-Stils.


Kontakt

Stefano Papetti
Adresse: Contrada Cordano
Telefon: +39 085 8289136
E-mail: info@defermo.it
Webseite: www.defermo.it


Rebsorten: Montepulciano; Pecorino, Chardonnay, Trebbiano
Rebfläche: 16 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: callmewine

AT/DE/CH: freiheit-vinothek; Rohstoff Wein

 

Weingut

Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt

In Italien gibt es eine Handvoll exzellenter Winzer, die ihr Weingut nicht am Land, sondern in der Stadt haben. Heinrich Mayr (Nusserhof), Martin Gojer (Pranzegg) und Christoph Unterhofer (Reyter) keltern ihre Weine am Stadtrand von Bozen, Marco Lanzotti (Angol d’Amig) an der Peripherie von Modena und Marco Merli an der von Perugia. Giuliano Micheletti wiederum zeigt, dass man auch in Trento ein ideales Umfeld für Reben vorfindet; wobei sich zugegebenermaßen nur ein Teil davon innerhalb der Stadtgrenzen von Trento befindet, den Rest – die Basis für seinen fantastischen Riesling Spumante und den (mir bisher leider unbekannten) Riesling Limen – befindet sich auf 500 Meter 20 Kilometer entfernt im Valle dei Laghi in Drena. 

Am San Rocco in Trento pflegt er dagegen seit mittlerweile über 20 Jahren Merlot und Chardonnay. Anfangs produziert er für die omnipräsenten Genossenschaften der Gegend, doch erkennt er schon früh, dass dieser Weg keinen Platz für eigene Ziele und Ideen lässt. Er stellt bereits 1998 auf biologische Bewirtschaftung um, 2006 geht er noch einen Schritt weiter und lässt sich biodynamisch zertifizieren – ein Schritt, der seiner Meinung nach unumgänglich ist, um das Jahr, das Terrain aber auch seine eigenen Vorstellungen und Empfindsamkeiten im Wein auszudrücken. 

Auf etwas mehr als drei Hektar produziert Giuliano insgesamt vier Weine. Den Limen bianco und den Limen rosso (zwei Stillweine, die ich beide leider noch nicht kenne) und zwei Schaumweine, die er nach der metodo classico, dem klassischen Champagnerverfahren vinifiziert und die mit zum besten gehören, was ich in Sachen italienischer Sprudel jemals im Glas hatte.

Weine

Fuori Schema dossaggio zero: Ein Riesling Spumante, der Maßstäbe setzt. Vor zwanzig Jahren auf 500 Metern in einem steinigen, bestens ventilierten Terrain im Valle dei Laghi (nördlich des Gardasees) ausgesetzt. Spontan vergoren und über ein Jahr im Stahltank ausgebaut. Minimal geschwefelt. Zweitgärung über ein paar Jahr in der Flasche. Danach degorgiert und ohne Dosage verkorkt. Das Resultat ist knochentrocken, kompromisslos zuckerfrei, herb, eigenständig, steinig und fordernd. Kühl, geradlinig und total fokussiert. Feine Perlage. Ordentliches Säurerückgrat.  Delikate Aromen. Fantastisch.

MAN 273 dossaggio zero: Keine Ahnung, was MAN bedeutet, 273 sind jedoch die Meter über den Meeresspiegel, auf denen sich Giulianos Chardonnay-Weingarten befindet. Die hat er ganz bewusst auf das Etikett gesetzt, um der Mär entgegenzutreten, die besagt, dass die Trauben für guten trientinischen Spumante auf mindestens 300 Meter wachsen müssen. Nach einer klassischen Zweitgärung in der Flasche, Null-Dosage und einem weiteren Jahr in der Flasche, kann man diesen Mythos in Ruhe ad acta legen. Der MAN 273 ist wie schon der Riesling steinig und staubtrocken, doch etwas ausladender und fülliger. Auch er zieht bestens strukturiert seine Bahn in Richtung Gaumen, wo er fein perlend, fruchtig-floral ausklingt. 

Giuliano Micheletti

Via Enrico Conci 78, Trento
Tel: +39 0461912995
email:gm.limina@gmail.com

Datenblatt

Rebsorten: Chardonnay, Riesling, Merlot
Rebfläche: 3,3 ha
Reberziehung: Guyot
Rebstockalter: zwischen 50 (Chardonnay) und 20 Jahren (Riesling)
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer & Schwefel
Biodynamisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

 

Italienische Schaumweine boomen, wobei man dieses Statement auch deutlich präziser formulieren kann. Das Prosecco und seine Frizzante boomen – und zwar so sehr, dass auch die frechen Gebietsvergrößerungsdiskussionen und Pestizidskandale sanft wie ein frischer Frühlingswind an ihnen vorbeistreifen und so schnell in Vergessenheit geraten wie die meisten Prosecchi, die man je im Glas hatte. Obwohl sich die meisten Händler, Supermarktketten, Wirtsleute und Tankstellenbetreiber vor allem am potenziellen Profit orientieren und bezüglich italienischer Frizzante folglich meist exklusiv auf Prosecco setzen, ist es erfreulich, dass sich viele gebietsfremde Winzer davon nicht irritieren lassen und dem süßlichen Kommerzsprudel für das gleiche Geld oft wesentlich hochklassigere Beispiele entgegensetzen.

10 Beispiele exzellenter Proseccoalternativen

Claudio Plessi, Tarbianein (Emilia-Romagna): Ein fantastischer, barocker, mundfüllender nur sanft sprudelnder Frizzante aus Trebbiano di Spagna, der Rebsorte, die ansonsten fast ausschließlich für Aceto Balsamico verwendet wird.  (Leider nur vor Ort erhältlich)

Cirelli, Wines Of Anarchy (Abruzzen): Francesco Cirelli ist ein exzellenter Winzer, der normalerweise mit Stillweinen aus Montepulciano und Trebbiano punktet. Aus letzterer Rebsorte keltert er seit kurzem auch einen rifermentato, der rustikal und frisch nach Salz, weißen Blüten und gelben Früchten schmeckt. (wineyou.it – verschickt nach AT und DE)

Nevio Scala, Gargante (Veneto): extrem vitaler, feingliedriger und klarer Garganega-Sprudel aus den Colli Euganei vom ehemaligen italienischen Fußballnationalspielers und Trainer des BVB und AC Parma. www.vinonudo.at

Bera, Moscato d’Asti (Piemont): Der beste Moscato d’Asti, den ich kenne. So filigran, fein, und zurückhaltend, dass man die begleitende Süße nur als dezentes Detail wahrnimmt. Gianluigis Moscato ist, so unwahrscheinlich das klingen mag, ein leiser Wein, dessen florale und fruchtige Aromen sich hinter kühler Mineralität verstecken. Toll.  (Leider habe ich keine Ahnung, wo man den Wein im deutschsprachigen Raum bekommen kann)

Ca’ de Noci, Querciole (Emilia-Romagna): Animierend, geradliniger und profunder Frizzante der Brüder Masini aus den Hügeln südlich von Reggio Emilia. Aus der wenig bekannten aber für Schaumwein prädestinierten Sorte Spergola gekeltert. Elegant und pulsierend, von Grapefruit und Tonic geprägt. Ungeschwefelt. www.vinonudo.at

Camillo Donati, La mia Malvasia (Emilia Romagna): Einer der Großmeister in Sachen natürlicher Schaumweinvinifizierung. Aromatisch, intensiv duftig, filigran und persistent. Macht Spaß und hat doch genug Charakter, um sich ein paar Gedanken darüber zu machen. (Findet sich bei einigen italienischen Händlern, die für gewöhnlich auch nach AT und DE verschicken.)

Castello di Stefanago, Blanc de Blancs ancestrale (Lombardei): Eigenwillige aber exzellente Cuvée aus Chardonnay, Müller-Thurgau und Riesling. Ein rifermentato mit einer Reifezeit in der Flasche wie ein Champagner. Ungefähr wie ein solcher – lebhaft, strukturiert, mit weißen Blüten und Hefearomen – schmeckt er dann auch. www.vinonudo.at

La Marca di San Michele, Numero Zero: Exzellentes Weingut aus Cupramontana, dem Epizentrum des Verdicchio. Daraus entsteht auch der Numero Zero, ein vitaler, mineralischer und von Blüten unterlegter Extra-Brut. Top. (aus Italien verschickt die Enoteca Galli)

Cascina Boccaccio Infernot (Piemont): 100% Cortese. Rifermentato. Ohne irgendwelche Zusätze in der Flasche vinifiziert. Ungeschwefelt und ungefiltert. Ein großer Trinkspaß. Fruchtig, dynamisch und für gewöhnlich knochentrocken. 

Davide Spillare L1 (Veneto): Davides L1 riecht nach Holunderblüten und Zitrusfrüchten, ist dank eines fünfprozentigen Anteils der stark säurehaltigen Durella spritzig und lebendig und ansonsten doch von der weichen Textur der Garganega geprägt. www.vinonudo.at

Hintergrund

Der Launegild ist einer der ungewöhnlichsten Weißweine Italiens. Gleichzeitig ist er auch einer der besten, aber dazu später. 

Das ungewöhnlichste am Launegild ist die Tatsache, dass die Rebsorte Chardonnay ist. Daraus werden in Italien zwar mehr Weine gekeltert als man glaubt, das meiste davon ist aber entweder eine anscheinend unumgängliche Begleiterscheinung zu einigen roten Supertuscans oder lieblos fabrizierte Supermarktware, bei der man auf die Zugkraft der Sorte und die Gleichgültigkeit der Konsumenten setzt. Die einzigen Chardonnays, die sich wirklich lohnen, stammen aus dem Aostatal, vor allem seid man dort zunehmend auf biologische Bewirtschaftung setzt. 

Der Launegild kommt dagegen aus den Abruzzen, eine – wie mir immer klarer wird – völlig unterschätzte Weinbauregion (wer sich diesbezüglich ein bisschen Eintrinken will, sollte die Weine von Cirelli, Praesidium, Emidio Pepe, Rabasco, Valentini und natürlich De Fermo probieren). 

De Fermos Chardonnay-Weingarten befindet sich in Loreto Aprutino auf halbem Weg zwischen der Adria und dem 2912 Meter hohen Gran Sasso, dem höchsten Berg zwischen den Alpen und dem Ätna. Gepflanzt wurde er erstaunlicherweise bereits 1926, also gut 50 Jahre bevor der Chardonnay-Boom die Sorte auch noch in die verstecktesten Winkel der Welt trug und zwar von einem Winzer, der ziemlich genau wusste, was er tat. Er setzte die Reben in einen von Kalk durchsetzten Hang – gut durchlüftet und beeinflusst von kühlen Fallwinden aus dem Gran Sasso Massiv finden sie dort einwandfreie Bedingungen vor.    

Der Umstand, dass man bei De Fermo seit nunmehr zehn Jahren biodynamisch arbeitet, ist mit Sicherheit ebenfalls kein Nachteil und folglich kommen Jahr für Jahr Trauben in den Keller, mit denen es Spaß macht Wein zu keltern. 

Stefano Papetti vergärt seinen Chardonnay spontan und füllt ihn danach in Tonneaux, wo er über die nächsten zwölf Monate in aller Ruhe sein Gleichgewicht findet. 

Stil

Salzig, steinig, dicht und druckvoll. Mineralisch. Blüten & gelbe Frucht. Konzentriert, stoffig und dabei immer elegant. Fließt ruhig aber direkt über den Gaumen. Öffnet sich zunehmend mit Luft. Wer einen Vorrat davon in den Keller legt, macht mit Sicherheit keinen Fehler.


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