Teil 2 über eine der missverstandsten Familien der Welt

– Lambrusco Maestri

Toppt den Grasparossa bezüglich Dunkelheit und Gerbstoff. Maestri findet sich vor allem in der Ebene und den ersten Apenninhügeln zwischen Reggio Emilia und Parma. Reinsortige Lambrusco Maestri gibt es nur wenige, doch werden eine ganze Menge spannender Interpretationen produziert, in denen die Sorte ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Im Verbund mit der Grasparossa beispielsweise gibt sie eine rustikale, pulsierende und aggressive Antwort auf die maßvollen, ausgeglichenen und zurückhaltenden Salamino und Sorbara. Alle vier gehören zur Lambruscofamilie, doch könnten die sensorischen Unterschiede zwischen ihnen kaum größer sein. Exzellente Versionen gibt es, wie bereits erwähnt, gleich mehrere. Allen voran der Neromaestri (70% Maestri und 30% Grasparossa) von Roberto – nomen est omen – Maestri von der Azienda Quarticello, der Pozzoferrato von Storchi oder der Lambrusco Fermente der Agricola La Collina.

 

– Lambrusco Marani

In der Ebene rund um Reggio Emilia zu Hause. Immerhin die drittwichtigste Sorte in Sachen Quantität, wobei mir bislang noch keine wirklich atemberaubende Interpretation davon untergekommen ist.

 

– Lambrusco Fiorano

Fiorano kennt man vor allem als private Teststrecke für Ferrari-Boliden, die kleine Stadt südlich von Modena ist aber auch Namensgeber eines Mitglieds der Lambrusco-Familie. Dank seiner großen Beeren ist Lambrusco Fiorano bisweilen auch unter der Namen Lambruscone (das Suffix -one verweist auf etwas Gewichtiges/Großes) bekannt. Da sie nicht besonders robust ist und folglich anfällig für alle mögliche Krankheiten, hat sie trotz ihrer exzellenten Qualitäten bei den Winzern keinen allzu guten Stand. Claudio Plessi lässt sich davon nicht irritieren und keltert aus ihr den Lambruscaun, einen balsamischen, kirschfruchtigen, würzigen und nur leicht perlenden Wein.

 

– Lambrusco Barghi

Wie schon beim Lambrusco Fiorano gibt es auch vom Lambrusco Barghi kaum reinsortige Versionen, die eine, die ich kenne, hat es allerdings in sich. Der Rio degli Sgoccioli stammt aus den Weingärten von Vanni Nizzoli (Cinque Campi), einem der besten Winzer der Emilia und etwas südlich von Reggio Emilia beheimatet. Zwar wurde die Sorte seit jeher als qualitativ äußerst hochwertig angesehen und auch aufgrund ihrer Resistenz gegen Botrytis und ihres generell hohen Zuckergehalts hochgeschätzt, doch wurden ihr ihre dicke Schale und folglich ihr geringer Saftertrag zum Verhängnis. Heute ist sie fast ausgestorben. Vanni Version riecht nach Unterholz und Kirschen, ist saftig und einladend, hat griffige Tannine und eine lebhafte Perlage und macht Druck am Gaumen und darüber hinaus.

 

– Lambrusco Montericco

Ein Klassiker vergangener Zeiten in der Gegend rund um Albinea. Findet sich heute leider nur noch sporadisch. Schuld daran dürfte die relativ hohe Säure haben. Fließt heute meines Wissens nur noch in Cuvèes ein z.B. in den exzellenten Sottobosco von Ca’de Noci.

 

Weitere Lambruscosorten, über die ich bisher allerdings kaum Bescheid weiß, sind

Lambrusco Viadanese (rund um Mantua)
Lambrusco Oliva
Lambrusco di Corbelli
Lambrusco Benetti

Paulo Ghiddi vereint auf seinem 7 Hektar großen Weingut bei Castelvetro di Modena gleich mehrere Professionen: er praktiziert vorrangig als Winzer, ist aber zudem noch als Hotelier (ein kleiner Agriturismo), Getreide- & Gemüsebauer (Dinkel, Gerste, Artischoken), Essigproduzent (Aceto Balsamico) und Gastwirt tätig. Er arbeitet seit der Steinzeit der offiziellen Zertifizierung biologisch und keltert Weine, die sich zwar vorwiegend lokalen Traditionen gelegentlich aber auch Vorlieben von Paolo verdanken. So hat er neben die in der Zone omnipräsente Lambruscovariante Grasparossa und Trebbiano di Spagna auch ein wenig Cabernet Sauvignon und Chardonnay gepflanzt und dabei den Schmähungen diverser Kollegen widerstanden. Vinifiziert wird allerdings so wie sich das für diesen Teil der Emilia gehört. Einer ersten Gärung in Zement oder Stahl folgt eine Zweitgärung in der Flasche und folglich Weine, die allesamt ordentlich sprudeln und schmecken.

WEINE: Richtig spannend und gut wird es dabei gleich beim ersten Wein, dem Matris Album, einer nach der methode ancestrale vinifizierten Cuvèe aus Trebbiano di Spagna, mit mikroskopischen Anteilen Garganega und Chardonnay. Voluminös, ausladend und üppig kontert sie spät aber dafür nachhaltig mit Säure und punktet am Gaumen wie in der Nase vor allem mit hefigen Noten, Kamille und Minze. Die Nummer zwei der Matris Rubellum, ein ebenfalls flaschenvergorener Rosato, ist straff und zurückhaltend, die ist Textur elegant und kühl, die Hefearomen weichen floralen Noten. Die Nummer drei im Matristrio ist der Matris rubrum, in dem ebenfalls Grasparossa den Ton angibt, allerdings nicht allein – unterstützt wird er von Uva Tosca und dem bereits erwähnten Cabernet Sauvignon – (im einstelligen Prozentbereich). Der hat – zumindest aromatisch – eher wenig zu melden, sorgt allerdings dafür, dass der ohnehin nicht tanninarme Grasparossa nochmals zusätzlich Rückgrat bekommt. Die Aromen sind dunkel und saftig, die Struktur ist, dank einer sehr lebhaften Perlage, animierend und der Körper ist kraftvoll aber elegant.

ps: Paolo Ghiddi hat in Form der Podere Cervarolo quasi einen Untermieter – das kleine, eben erst gegründete Weingut von Andrea della Casa vinifiziert seine Weine im Keller von San Polo. Wer also in die Gegend aufbricht, bekommt am Hof von Paolo die Weine von gleich zwei ausgezeichneten Winzern zu probieren.

Azienda San Polo
Via San Polo 5
Castelvetro di Modena
Tel: +39 348 0738343
info@agrisanpolo.it
www.agrisanpolo.it

WEINE

Matris album
Matris rubellum
Matris rubrum

Die Weine kosten ab Hof um die € 8 (2017).

Jahresproduktion: ca.30000 Flaschen
Rebsorten: Trebbiano di Spagna, Garganega, Lambrusco grasparossa, Uva Tosca, Cabernet sauvignon
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Pünktlich zur Weihnachtszeit eine Familiengeschichte.

Lambrusco ist zwar kein Dauerthema auf vino e terra, allerdings zugegebenermaßen eines, das mehr Aufmerksamkeit bekommt, als andere. Das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen hat vino e terra sein Hauptquartier in Modena, also im Schnittpunkt der drei wichtigsten Lambruscoappellationen, weshalb es quasi tagtäglich die Möglichkeit gibt, sich damit zu beschäftigen. Zum anderen schlägt sich Lambrusco mit einer desaströsen Reputation herum, die zwar durchaus selbstverschuldet sein mag, der jedoch immer mehr handwerklich und biologisch arbeitende Winzer brillante Interpretationen entgegensetzen. Und die gilt es eben immer wieder vorzustellen.

Dem katastrophalen Ruf mag es auch geschuldet sein, dass sich eigentlich niemand außerhalb der Emilia mit Lambrusco auseinandersetzen will. Das führt fast zwangsläufig zu Überraschungen und Missverständnissen. Denn die Welt des Lambrusco ist nicht wirklich einfach zu verstehen. Was sich als banale und süß-klebrige Einheitsplörre im Unterbewusstsein vieler Weintrinker festgesetzt haben dürfte, hat eine lange und durchaus beachtliche Geschichte und ist zudem wesentlich vielschichtiger als gemeinhin angenommen. Auch die gilt es – ein andermal – nachzuerzählen.

Das Lambrusco, also die geographische Zone zwischen Bologna und Parma, hat seinen Namen von einer Rebsortenfamilie, die in sich nicht nur extrem heterogen ist, sondern auch heute noch aus immerhin 15 Mitgliedern besteht – vor 200 Jahren waren es doppelt so viel. Wie viele es vor 2000 Jahren waren, steht in den Sternen – Fakt ist jedoch, dass es die Lambruscofamilie damals bereits gab, was sie zur vermutlich ältesten unter den oft sehr alten Rebsortenfamilie Italiens macht. Es war also Zeit genug vorhanden, um sich – bei allen genetischen Übereinstimmungen, die es gab und gibt – entsprechend auseinander zu entwickeln. Das Lambrusco ist heute ein Sammelsurium an Rebsorten mit eigenen morphologischen, physiologischen aber auch sensorischen Attributen und wer in die Gegend aufbricht oder zu Hause eine Flasche aufmacht, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass zwischen Lambrusco Grasparosso und Lambrusco Sorbara geschmacklich ungefähr so viel Ähnlichkeit besteht wie zwischen Cabernet Sauvignon und Pinot noir. Es lohnt sich folglich die unterschiedlichen Mitglieder der Familie genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die vier Wichtigsten:

Lambrusco di Sorbara

Südlich von Modena beheimatet. Weit und breit keine Erhebung. Dafür flache Sandböden und viel Luftfeuchtigkeit, die ideale Umgebung für Tomaten, Pfirsichbäume und …  Sorbara. Trotz bisweilen tropischer Verhältnisse (es kann im Sommer über Monate hinweg sehr heiß werden) kann man aus Sorbara im Idealfall elegante, zarte, ätherisch-leichte und duftige Weine keltern.

Bergianti produziert einen exzellenten reinsortigen Sorbara, Paltrinieri macht ebenfalls eine gelungene Version.

Lambrusco Salamino: Elegant, cremig, dunkle rote Beeren, Blütennoten, weich, sanft und einnehmend: zumindest würde ich ungefähr so Luciano Saettis Lambrusco Salamino beschreiben: den besten, den ich kenne. Die kurze und zylindrische Form der Traube führte dazu, dass ein paar betrunkene Bauern (oder Ampelographen) darin eine Salami erkannten – womit ihr etymologisches Schicksal besiegelt war.

Salamino findet sich vor allem in der Ebene zwischen Carpi und Modena. Satte 4000 Hektar sind damit bestockt, meist auf Sand, Schlick oder Ton. Es bedarf also viel Feingefühl und Erfahrung auf Seiten der Winzer, um die Finessen der Sorte aufzudecken.

Luciano Saetti produziert neben seinem Lambrusco auch noch einen exzellenten Rosato, den Il Cadetto. Ebenfalls ausgezeichnet ist der Ferrando von Quarticello. Dunkelfruchtigr, kraftvoller aber immerhin gut strukturiert ist der Albone von der Podere Il Saliceto. Bergianti, ein junges Weingut nahe Carpi tendiert mehr in die Richtung Saettis und macht aus Lambrusco Salamino (und 20% Lambrusco di Sorbara) den eleganten, dynamischen und rotbeerigen Bergianti rosso.

Lambrusco Grasparossa: Muskulös, saftig, dunkelfruchtig und kompakt. Grasparossa ist die forderndste und intensivste Lambruscovariante. Sie hat ordentlich Tannin und eine strukturierende Säure und wenn alles richtig gemacht wird (und es gibt eine ganze Menge an Winzern, die mittlerweile genau wissen, was sie tun), bekommt man einen Wein ins Glas, der nicht für ein farbliches Spektakel sorgt (dunkelblau mit violettem Schaum) sondern als Gesamtkunstwerk punktet. Wobei – anders als beim Salamino oder Sorbara – nicht Eleganz sondern Kraft und Konzentration das letzte Wort haben. Ich vermute auch, dass sich Grasparossa über Jahre hinweg sehr positiv entwickelt, weshalb ich erste Flaschen eingemottet habe.  Grasparossa findet man vor allem in den Hügeln südlich von Modena.

Wer Lust hat, sich mit Grasparossa zu beschäftigen, sollte auf jeden Fall Vittorio Grazianos Fonte dei Boschi und Claudio Plessis Tiepido probieren. Ganz fantastisch sind auch der Cenerino von der gerade erst ins Leben gerufenen Podere Cervarolo und der Matris rubrum von San Polo. Alle vier Winzer befinden sich nur ein paar Kilometer von Modena entfernt. Weiter im Westen, in den Hügeln südlich von Reggio Emilia gibt es mit dem Libeccio 225 von Denny Bini ebenfalls eine sehr gelungen reinsortige Versionen. In vielen anderen Lambruschi dient Grasparossa als Cuvèepartner und sorgt darin für Farbe, Gerbstoff und Cremigkeit (Ca‘ de Nocis Sottobosco, Quarticellos Despina, Angol d’Amigs Rosso etc.).

 

Vom Rest der Lambruscofamilie wird dann in den nächsten Tagen erzählt:

Lambrusco Maestri
Lambrusco Marani
Lambrusco Fiorano
Lambrusco Barghi
Lambrusco Montericco
Lambrusco Oliva
Lambrusco di Corbelli
Lambrusco Benetti
Lambrusco Viadanese

Via San Martino, 1 – Località Ponte Ronca – 40069 Zola Predosa (Bologna)
Tel: 051 756763
Email: info@mariabortolotti.it
www.mariabortolotti.it

WEINE

  • Mamolo (Pignoletto: vino bianco)
  • Falestar (Pignoletto: vino bianco frizzante)
  • Dardleina (Barbera: vino rosé frizzante)
  • Bosco (Pignoletto: vino bianco)
  • Matilde (Barbera: vino rosso)
  • Natura ama nascondersi (Barbera: vino rosso)
  • Armando (Barbera, Cabernet S., Colorino: vino rosso)
  • Dolcedò (Pignoletto: vino bianco dolce passito)
  • Bibendum (Barbera vendemmia tardiva:Vino rosso)
  • Eligio (Sauvignon: Vino bianco)

Die Preise der Weine liegen zwischen € 10 und € 20 (2017)

Flavio Canetti ist Mitglied bei den Vignaioli Artigianali Naturali

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Pignoletto, Sauvignon blanc; Barbera, Cabernet sauvignon
Rebfläche: 6 ha
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Flavio Cantellis sechs Hektar großes Weingut liegt kurz hinter der Peripherie Bolognas, genau dort, wo erste Hügel langsam und noch sehr sanft in Richtung Apennin aufsteigen. Ausgesucht hat diesen Platz seine Mutter Maria Bortolotti vor knapp 30 Jahren, als sie nach Jahren des Zauderns beschloss, ihren Beruf als Lehrerin an den Nagel zu hängen, um endlich das zu werden, was sie immer werden wollte: Winzerin. Neben bereits vorhandene Rebstöcke setzte sie noch Barbera, Sauvignon blanc und Pignoletto in die Kalk-Ton-Böden, allesamt Sorten, die – auch wenn man das kaum glauben mag – seit Jahrhunderten in der Gegend heimisch sind (laut Flavio könnte es durchaus sein, dass Barbera nicht vom Piemont in die Colli Bolognesi wanderte, sondern die Migration genau in die entgegengesetzte Richtung stattfand. Dokumente bezeugen die Sorte bereits im 12. Jahrhundert in der Gegend rund um Bologna, zu einem Zeitpunkt, als es dergleichen Aufzeichnungen rund um Asti und Alba noch längst nicht gab.)

Zwei Generationen: Von Anfang an bewirtschaftete Maria ihre Weingärten biologisch, seit 1992 ist sie entsprechend zertifiziert. Flavio hat daran nie etwas geändert. Im Gegenteil. Den kompromisslosen Weg seiner Mutter (die übrigens noch immer am Weingut werkt) ist er noch ein Stück weitergegangen. Er experimentiert mit extremen Stockdichten und Niedrigerziehung und versucht sich zudem an Rebsorten, die selbst die ältesten Winzer der Gegend nur noch vom Hörensagen kennen. Und letztlich hat er auch im Keller Entscheidungen getroffen, die dazu geführt haben,  dass er heute Weine keltert, die weit über dem stehen, was man ansonsten aus dieser Ecke kennt. So schafft er es, dem meist eher durchwachsenen Pignoletto sein ganzes Potenzial (Bosco) zu entlocken und interpretiert ihn zudem gleichermaßen erfolgreich in unterschiedlichsten Stilistiken (Falestar, Mamolo). Fast noch erstaunlicher ist der Eligio, seine Sauvignon blanc Interpretation, die reif gelesen und auf der Maische vergoren, meilenweil von den dünnen, grün-grasigen Allerweltversionen entfernt ist, die uns von einem dumpfen Allerweltjournalismus noch immer als sortentypisch vorgegaukelt wird.  Flavios Sauvignon wirkt warm, gelbfruchtig, herbstlich und generös, die Säure ich weich aber strukturgebend, der Körper muskulös aber entspannt.

ROT: Und auch seine Barbera können sich sehen lassen. Die notorische Säure der Sorte wird in den meisten Jahren von der emilianischen Sonne in ein Gleichgewicht gebracht, von der die meisten Piemonteser Versionen nur träumen können. Insofern haben seine Rotweine ein Gleichgewicht aus Frucht, Erde, Kraft, Tannin und Säure, das man sich viel öfter wünschen würde.

Kooperation: Die Entwicklung ist dabei noch längst nicht abgeschlossen. Jede Neuerung, jeder Schritt, der ihn auf noch unbekanntes Terrain führt, wird genau beobachtet und analysiert. Er probiert neue Gebinde aus, experimentiert mit Maische- & Ausbauzeiten, reduziert die Schwefelmengen und filtert immer seltener. Dabei steht ihm oft Claudio Plessi zur Seite, ein brillanter Winzer aus dem zwanzig Kilometer entfernten Caselnuovo Rangone, mit dem er sich den Weinkeller teilt (bzw. ihn auch Claudio zur Verfügung stellt.) Gemeinsam loten sie aus, was möglich ist und keltern dabei Weine, die sich längst als Messlatte für die anderen Winzer ihrer jeweiligen Regionen erweisen.

…obwohl ich lieber lang und mit all der Begeisterung und dem Respekt, den ich dafür empfinde, darüber schreiben würde. Ein anderes Mal. Also: Wie im übrigen Italien waren auch in der Pianura Padana und im emilianischen Apennin erst Ziegen und Schafe die Tiere zur Milchgewinnung und Käseproduktion. Das sollte sich um die erste Jahrtausendwende ändern, als die Klöster der Umgebung Innovationen in der Landwirtschaft initiierten und sukzessive Kühe das Kommando auf den Weiden übernahmen.

Auch wenn es heute unmöglich scheint einen genauen Zeitpunkt für die Herstellung der ersten Parmesanlaibe auszumachen, dürften die ersten diesbezüglichen Versuche bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. 1348 jedenfalls sprach Boccaccio im Decamerone von einem Parmesanberg („In una contrada, che si chiamava Bengodi… eravi una montagna di formaggio Parmigiano grattugiato, sopra alla quale stava genti che niuna altra cosa facevan, che fare maccheroni, e raviuoli, e cuocergli in brodo di capponi” – in einem Ort namens Bengodi… erhob sich ein Berg aus geriebenem Parmesan, auf dem die Menschen nichts anderes taten, als Maccheroni und Ravioli herzustellen und sie ihn Hühnersuppe zu kochen.) und seit damals bestimmt der Käse die Geschicke der Region.

Die Region: das waren über lange Zeit die Hügel zwischen Parma und Reggio Emilia, wobei sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte zunehmend auch noch die Dörfer rund um Modena und Bologna seiner Herstellung annahmen (und heute das eigentliche Herz der Parmesanproduktion bilden). Die Stadt, die sich bis heute als Geburtsort feiern lässt und auch mit einem nicht unbedeutendem Monument an der Ortseinfahrt auf seinen Status verweist, ist Barco di Bibbiano, doch ziehen sich quer durch das Land sogenannte Caselli, alte hexagonale und meist in hellblau (die Farbe, die einst mit Hirten und Bauern assoziiert wurde) gehaltene Produktionsstätten, deren spezielle Form sich der dadurch ermöglichten Luftzirkulation verdankte.

Die Milch stammt heute vorwiegend von Holstein-Kühen, eine, wie Wikipedia meint, großrahmige Hochleistungskuh mit genetischer Ausrichtung auf Milchproduktion. Das war, wie es der Namen andeutet, nicht immer so. Noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts trieben sich auf den Weiden und in den Ställen 140000 Rinderviecher der Rasse Bianca Modenese herum, die zwar exzellente Milch lieferte, nach dem zweiten Weltkrieg allerdings trotzdem ihr Standing verlor. Und das gleich im doppelten Sinne: zum einen vertrauten die Bauern nur mehr bedingt auf die Muskelkraft der Bianca Modenese und leisteten sich stattdessen verständlicherweise immer öfter Traktoren und zum anderen setzte man auf die schiere Quantität der friesischen Kühe (bis zu 50 Liter pro Tag) statt auf die Qualität der einheimischen Bianca m. (zwischen 18 und 25 Liter/Tag). Das führte in nur wenigen Jahrzehnten dazu, dass sie fast völlig von der Bildfläche verschwand und Anfang 2000 nur noch ein paar hundert Exemplare davon übrig waren. Heute sind es unwesentlich mehr und insgesamt sind mir gerade einmal drei Produzenten bekannt, die aus ihrer Milch noch Parmesan daraus machen (dafür aber auch die mitunter besten – Massimo Bottura, Chef der legendären Osteria Francescana bezieht seinen Parmesan von Rosolà, einer hoch im Apennin gelegenen Käserei eine Stunde südlich von Bologna). Daneben gab und gibt es auch noch die Vacche rosse reggiana, die roten Kühe von Reggio, die zwar unter Liebhabern nicht die gleiche Reputation wie die Bianca modenese genießen, die man heutzutage allerdings wesentlich öfter als die Bianca modenese findet und aus deren Milch man ebenfalls exzellenten Parmesan käst.

Wenn ich mich recht erinnere, habe ich gelesen, dass es heute gut 700 Parmesan-Produzenten und um die 300000 Kühe gibt. Bei all dem Parmesan, der allein in Italien verbraucht wird, scheint mir das auch notwendig.

Produzenten von Parmesan aus der Milch der Bianca modenese

Santa Rita (bio-zertifiziert)
Rosolà
Agriturismo Tizzano

weitere Milch & Fleischproduzenten sowie ein paar Informationen zu der alten Rinderrasse finden sich auf www.consorziobiancamodenese.it/

Die Bianca modenese findet sich unter den Presidi von SLOW FOOD.

Weitere Produzenten (bisweilen hoch oben im Apennin)

Nuova Martignana: (Vacca rossa reggiana)
Reggiani (Bio): Via Francesco Baracca, 6, 41013 Castelfranco Emilia
Hombre (Bio): Am Stadtrand von Modena gelegen – im Eigentum der Panini (Fussballpickerl) Family, die ihr Hauptquartier in Modena hat

Casearia Val del Dolo: 36 Via Chiesa Romanoro, Romanoro
Caseificio Rio San Michele: Via Giardini Sud, 327, 41026 Pavullo Nel Frignano

FalestarPignoletto erinnert in vielerlei Hinsicht an Welschriesling. Multifunktional und anspruchslos keltern 98% der Winzer daraus uninteressante und belanglose Weine, deren einzige Vorteile darin bestehen, dass sie billig sind. Pignoletto wie auch Welschriesling dienen als Basis für simple Stillweine, simple Schaumweine und simple Süßweine. Doch immer dann, wenn man glaubt, mit der Sorte endgültig abgeschlossen zu haben, melden sich die 2% zu Wort. Judith Beck beispielsweise mit ihrem Welschriesling Bambule oder aber Flavio Cantelli und Antonio Ognibene mit gleich mehreren exzellenten Pignolettoversionen.

Pignoletto ist genetisch identisch mit Grecchetto di Todi, einer in Umbrien weitverbreiteten Sorte, hat sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte in den Colli Bolognesi (und in geringerem Ausmaß in den Colli di Rimini) zu einer Varietät mit eigenständigen Attributen entwickelt hat. Im Normalfall (98%) bedeutet das, dass man es mit unkomplizierten und leichten Weinen zu tun hat, die sich dank hoher Säure auch bestens für Schaumweine eignen und für gewöhnlich ein paar Blütennoten mit Zitrusaromen vereinen.

Die Ausnahmen wiederum verdeutlichen, dass man in den richtigen Lagen, mit niedrigen Erträgen und entsprechender Bewirtschaftung und Vinifizierung aus Pignoletto auch Weine keltern, die Substanz mit Struktur und Vielschichtigkeit mit Tiefe verbinden. Der Bosco von Flavio Cantelli von der Azienda Bortolotti beispielsweise hat nicht nur Kraft, Textur und Dynamik sondern auch eine Bandbreite an Aromen, die den bereits erwähnten Noten auch noch reife gelbe Frucht und eine feine Würze hinzufügt. Sein Mamolo ist einen Tick leichter, schlägt allerdings sonst in dieselbe Kerbe.

Antonio Ognibene von Gradizzolo geht noch einen Schritt weiter. Zwei seiner drei Pignoletto werden mit derselben Intention wie diejenigen von Flavio Cantelli vinifiziert, ein dritter landet allerdings in der Amphore, wo die dicken Schalen der Sorte für eine zwar zupackende aber auch einladenden Gerbstoffstruktur sorgen und zunehmend rotbeerige und erdige Noten den Ton angeben. Weitere spannende Beispiele gibt es von Orsi (vor allem der frizzante), Erioli und Gianluca Allegro.

WEINE

Azienda Bortolotti: Bosco
Azienda Bortolotti: Mamolo
Azienda Bortolotti: Falestar (Frizzante)
Orsi: Sui Lieveti (Frizzante)
Erioli: Badianum
Gradizzolo: Bersot 1933
Gradizzolo: Le Anfore

Claudio Plessi ist eine der großen Figuren im biologischen Weinbau der Emilia. Das wissen selbst in der Emilia die wenigsten, was vor allem daran liegt, dass Claudio zwar seit den 70er Jahren immer wieder große Projekte initiiert, sich dabei aber selbst weitgehend zurücknimmt. Folglich sind wir uns erst vor kurzem bei einer dem Lambrusco gewidmeten Verkostung in Vignola erstmals über den Weg gelaufen, wo er eine Handvoll sprudelnder Weine ausschenkte, die sich nicht nur qualitativ von denjenigen der anderen unterschieden. Auch was er einschenkte, sprengte den üblichen Kanon.

Wir starteten mit dem Ruzninteina, einem reinsortigen Ruggine, zu Deutsch „Rost“, einer alten Sorte aus dem Modenese, die ihren Namen ihrer tieforangen Farbe verdankt und nach Trockenfrüchten, Heu und Hefe schmeckt; machten mit dem Sparglàta, einem 100%igen Spergola weiter und krönten die erste Runde mit dem Tarbianein, seinem brillanten, ein wenig barocken, duftigen und mundfüllenden Trebbiano di Spagna.

Zwar pflegt Claudio – wie es sich für die Gegend gehört – die Tradition moussierender Weine, doch belässt er es bei all seinen Weinen bei einem feinen Prickeln, das zwar, ähnlich dezent wie der Winzer, im Hintergrund für Struktur sorgt, anderen Attributen (Aroma, Säure & Textur) allerdings die Bühne überlässt.

Die zweite Runde läutete Claudio mit dem Tàsca Rosato ein. In Rebsorten übersetzt bedeutet das Uva Tosca, in Aromen Kirschen und Unterholz. Uva Tosca ist eine seit ein paar hundert Jahren im emilianischen Apennin beheimatete Sorte, die sich kälte- und frostresistent bis auf 700 Meter hinaufzieht und filigrane, unbeschwerte und aromatisch subtile Weine ergibt, vorausgesetzt man keltert sie so wie Claudio (Vittorio Grazianos exzellenter Smilzo ist ein weiteres Beispiel). Danach wurde es dunkelrot und das heißt in dieser Ecke Italiens Lambrusco grasparossa, die intensivste, kräftigste und forderndste der vielen Lambruscovarianten. Claudios Interpretation macht diesbezüglich keine Ausnahme. Das Tannin ist präsent aber fein, die Aromen sind dunkel (Beeren, Balsam, Erde) und die Struktur ist klar und animierend. Der Wein heißt übrigens Tiepido, eine Referenz an den kleinen Bach, der an seinem Weingarten in Castelnuovo Rangone vorbeifließt und dafür mitverantwortlich ist, dass Claudio auch in den heißesten aller Sommer (2017) nicht bewässert.

Die dritte Runde nahmen wir dann bei Flavio Cantelli in Angriff, dem Eigentümer des Weinguts Maria Bortolotti. Claudio und Flavio bilden eine Art Winzerkollektiv, wobei sie nicht nur die gleichen Ideen vertreten (beide haben die Carta degli intenti dei Vignaioli Arigianali Naturali unterzeichnet), sondern sich auch einen Keller teilen. Was sich allerdings unterscheidet sind die Rebsorten und die Region. Flavios Weingut in Zola Pedrosa befindet sich zwar nur 15 Kilometer von Claudios Weingarten entfernt, doch ist man dort bereits in den Colli Bolognesi und folglich in einer zwar topographisch ähnlichen, ampelographisch allerdings völlig anderen Welt. Flavios wichtigste Sorte ist Pignoletto und statt Lambrusco und Uva Tosca hat er Barbera, der in den bolognesischen Hügeln bereits seit dem 12. Jahrhundert dokumentiert ist und aus dem er einen der besten Rotweine der Emilia keltert – doch davon ein andermal.

Die dritte Runde eröffnete Claudio mit dem Tarbian, seines Zeichens Trebbiano modenese und einer seiner allerbesten und den ausnahmslos sehr guten Weinen. Der Tarbian bleibt als einziger Weißwein für ein paar Tage auf der Maische (Claudio meint, die Sorte verlange danach), was ihm – laut Claudio – zusätzlich Struktur, Substanz und Aromen gibt. Er ist weich und rund, mit einer feinen Perlage und einem Aromaprofil, das Platz für Blüten, Zitrusfrüchte, Salz und Hefe lässt. Unter all den raren Sorten, die wir sukzessive durchprobieren, ist dann auch eine dabei, die noch rarer ist, als alle anderen zuvor und von der Claudio meint, dass er wohl weltweit der Einzige wäre, der sie vinifizieren würde. Der Caveriòl ist zu 100% Festasio, Rot und elegant, mit feinen Tanninen, milder Perlage, reifer roter Frucht und, wie so oft bei ihm, einem erdigen Unterton. Das letzte Wort in der dritten Runde gehört aufs Neue einem Lambrusco: diesmal der Spielart aus Fiorano, dem Ort, wo von Zeit zu Zeit Formel I Boliden die Weingärten beschallen. Der Lambruscaun ist dunkel und fleischig, ein wenig bitter und vielleicht der einzige unter Claudios Weinen, der in einer Cuvèe besser aufgehoben wäre. Doch das widerspräche seiner Idee, die Bandbreite und den Charakter marginalisierter Rebsorten aufzuzeigen – wie eigenwillig sie auch bisweilen sein mögen..

Die vierte Runde trugen wir vor kurzem in Claudios Weingarten aus – zwischen dunklen, reifen Trauben und ganz ohne Wein. Dafür erzählte mir Claudio von seinem Leben als Winzer, dass 1958 als Sechsjähriger begann, als seine Eltern einen ersten Weingarten (Belussi) kauften und er in der Bütte mit den Füßen über die Beeren stampfte. Damals verkaufte man den Großteil der Trauben noch an die Genossenschaft in Settecani und kelterte aus dem Rest Flaschen für den Hausgebrauch.

Mit 18 verabschiedete er sich fürs erste vom tagtäglichen Landleben, studierte in Reggio Emilia Landwirtschaft und forschte danach in Parma und Piacenza weiter. Nicht nur über Wein, sondern auch über alte Olivenarten in der Emilia (die ihn bis heute intensiv beschäftigen), autochthone Kirschensorten und über Hühnerrassen rund um Modena. Daneben blieb noch ausreichend Zeit um sich politisch dort zu positionieren, wo das Herz schlägt, aktiv in der Arbeiteravantgarde mitzuarbeiten und Präsident des Radio Cooperativa Modenese, einem Piratensender zu werden. Bereits als Professor für Landwirtschaft wurde er einer der Vorreiter der biologischen Bewegung der emilia und war 1987 einer der Gründerväter von Il Salto, einem Konsortium biologisch und biodynamisch produzierender Landwirte.

1986 übernahm er den 1958 gepflanzten Hektar, 2004 pflanzte er dann in die Ebene rund um sein Elternhaus 3,5 Hektar mit jenen Reben, die heute das Fundament für seine einmalige Serie an Schaumweinen bilden. Sämtliche Reben stehen in der Ebene, auf einem Gemisch aus Ton und Kalk, über das sich eine feine Sandschicht gelegt hat. Zwischen den Rebzeilen wächst, was wachsen will, gewipfelt wird grundsätzlich nicht, das gelegentliche Zuviel an Blätter entfernt er manuell. Die Lese ist für emilianische Verhältnisse spät, doch weiß er um die Qualität und Resistenz seiner Trauben.

Im Keller läuft alles nach eingespielten Regeln ab. Die Weine werden, je nach Sorte, gar nicht, kurz oder etwas länger mazeriert, spontan vergoren und ohne Temperaturkontrolle in Stahltanks ausgebaut. Gefiltert wird nicht, geschwefelt schon (ca. 30mg/l) Die Zweitgärung findet in der Flasche statt, degorgiert wird nicht.

Claudios Mission ist noch nicht zu Ende. In den letzten Jahren pflanzte er noch eine weitere Sorten aus (Grappello), mit der er demnächst sein ohnehin schon imposantes Sortiment weiter vergrößern wird. Einer fünften Runde steht also nichts im Wege.

Ps: Claudio Plessi tritt seit kurzem auch gelegentlich öffentlich in Erscheinung: beispielsweise schenkt er seine Weine bei der großen Kulturweinverkostung in Fornovo und bei den Zusammenkünften von Emilia sur li aus und wer weiß, vielleicht wird es seine Weine auch irgendwann im deutschsprachigen Raum zu kaufen geben. Lohnen würde es sich allemal.

Claudio Plessi
Stradello Monari 11, Castelnuovo R. (MO)
Telefono: 366.3955807
E-mail: claudioplessi@gmail.com

WEINE

Ruzinteina (Ruggine)
Tarbianein (Trebbiano di Spagna)
Tarbian (Trebbiano modenese)
Sparglata (Spergola)
Tàsca rosato (Uva tosca)
Tiepido (Lambrusco grasparossa)
Caveriòl (Festasio)
Lambruscaun (Lambrusco di Fiorano)
Sgavàta (Sgavetta)

Die Preise der Weine liegen zwischen € 9 und € 16 (2017)

Claudio Plessi ist Unterzeichner der Carta d’intenti dei Vignaioli Artigianali Naturali  und Mitglied bei Emilia sur li.

Jahresproduktion: ca.15000 Flaschen
Rebsorten: Trabbiano di Spagna, Trebbiano modenese, Spergola, Ruggine, Lambrusco grasparossa, Lambrusco di Fiorano, Sgavetta, Festasio, Grappello, Uva Tosca
Rebfläche: 4 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja, alle paar Jahre
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja – am Weingut Bortolotti und nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

Podere Cervarola
Via per Castelvetro/Villabianca

WEINE

Rondinina (rosato frizzante – Lambrusco Grasparossa)
Cenerino (rosso frizzante – Lambrusco Grasparossa)

Jahresproduktion: ca.4000 Flaschen
Rebsorten: Lambrusco Grasparossa, ausgepflanzt wurden zudem Trebbiano modenese, Trebbiano di Spagna und Occhio di gatto
Rebfläche: 1 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: nein
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Andrea della Casa gehört zu jener mutigen Truppe an Winzern, die ihren alten Job an den Nagel gehängt und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Nach Jahren als technischer Zeichner hat sich Andrea nochmals auf die Schulbank gesetzt, Landwirtschaft studiert, um sich danach – gemeinsam mit seiner Partnerin Raffaella Caselli einen Hektar Land an der Peripherie von Castelvetro di Modena zu kaufen.

Idee: Bestockt war der Weingarten bereits mit alten Lambrusco-Grasparossa-Reben, neben die die beiden auch noch Trebbiano modenese, Trebbiano di spagna und Occhio di gatto, autochthone Sorten aus der Region gesetzt haben. Zum einen, weil sie von ihrer Qualität überzeugt sind (und wer je die Trebbianoversionen von Vittorio Graziano und Claudio Plessi probiert hat, weiß, dass sie damit nicht falsch liegen), zum anderen, weil sie zu der wachsenden Anzahl von Weinbauern zählen, die Landwirtschaft (und eben auch Weinbau) und die Konservierung und Diversität lokaler Sorten auch als Kulturauftrag verstehen.

Wer mit einer solcher Haltung Reben pflanzt bzw. rekultiviert, arbeitet für gewöhnlich auch im Weingarten bewusst und sorgfältig und folglich wundert es nicht, dass Andrea und Raffaela von Anfang ihre kleine Rebfläche biologisch bewirtschafteten. Auch beim Ertrag setzen die beiden auf Mengen, die ihnen die Möglichkeit geben, hohe Qualitäten zu produzieren. Statt mit den industrieüblichen 15000 Kilo am Hektar begnügt man sich mit 4000-5000. Und das schmeckt man.

Mit dem Jahrgang  2016 gibt es nun die beiden ersten, mit der gleichen Intention vinifizierten Weine: die erste Gärung fand dabei in Zementzisternen statt, die zweite (mit dem noch vorhandenen Restzucker der Erstgärung) in der Flasche (methode ancestrale) – auf das Degorgieren verzichtete man genauso wie aufs Filtern, 5 mg Sulfit auf die Maische sind die einzige Konzession ans italienische Lagerhaus.

WEINE: Der Rondinina ist ein geradliniger, erdiger Rosato, der allerdings schnell auch noch ein paar Beerennoten in den Talon wirft und die zwei, drei Gramm Restzucker zu viel, mit lebhafter Säure auffängt. Richtig Substanz hat dann der Cenerino, der nach 6 Tagen auf den Schalen ausreichend Tannin hat, um dem Wein Struktur, Charakter und Richtung zu geben und außerdem noch einen fleischigen Unterton, der bestens zur dunklen Frucht passt. Da die beiden naheliegenderweise nicht warten wollten, gibt es den Cenerino schon jetzt, wobei man keinen Fehler macht, wenn man ein paar Flaschen davon im Keller verstaut.

Die Weine gibt es meines Wissens nur ab Hof. Das wird sich mit Sicherheit ändern: wer sich aber zurzeit in der Ecke aufhält, sollte die Gelegenheit nutzen und bei den beiden vorbeischauen.

An Vittorio Graziano sind die 80er Jahre nicht spurlos vorbeigegangen.  Seine Frisur legt davon Zeugnis ab und erst recht seine Hemden. Beide trägt er mit einem Selbstbewusstsein, die auf eine starke Persönlichkeit schließen lassen und unterhält man sich erstmal mit ihm, wird einem schnell klar, dass man es hier mit einem Mann zu tun hat, dessen Lebensgrundsätze in Stein gemeißelt sind. Gelegentlich fällt Vittorios Blick allerdings noch weiter in die Vergangenheit zurück, in eine Zeit als man in der Emilia nicht nur aus ein paar Lambruscosorten Wein fabrizierte, sondern den Bauern (einzig Winzer zu sein, ist ein Privileg der letzten drei Generationen) noch ein Arsenal an anderen Sorten zur Verfügung stand: Uva Tosca beispielsweise.

Uva Tosca: Daraus keltert Vittorio den Smilzo, einen sprudelnden rosato, der uns – gemeinsam mit seinen beiden anderen Frizzante, dem Ripa di Sopravento und dem Fontana dei Boschi – recht regelmäßig durch die letzten Wochen begleitet hat. „Die Uva Tosca verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie in Weingärten auf fast 1000 Meter wuchs, dort wo der emilianische in den toskanischen Apennin übergeht und die Grenzen zwischen den beiden Zonen verschwimmen – es ist ein emiilianisches Tribut an den Nachbarn, an eine Region, die heute in einer Stunde, vor ein paar hundert Jahren, in der Blütezeit der Uva Tosca, allerdings nur in ein paar Tagen erreichbar und folglich eine fast exotische Welt war.“

Die heute quasi inexistente Rebsorte fiel Vittorio bei einem seiner – zumindest unter den Bauern der Emilia – berüchtigten Streifzüge durch alte oft abgelegene Weingärten in die Hände. Er pflanzte sie – neben einer Vielzahl anderer wenig bekannter, bisweilen namenloser Sorten – in die drei Hektar rund um sein Weingut in Castelvetro di Modena und stellte schnell ihre Eigenheiten fest, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen: feine, rotbeerige Aromen, ein filigraner Körper und eine stets helle Farbe (vermutlich mit ein Grund, warum sie der Weinmoderne zum Opfer fiel). Eine Sorte, für all jene, die auch der Leichtigkeit von Rotwein etwas abgewinnen können.

Vittorio überlässt im Smilzo der Uva tosca die Hauptrolle, assistiert von Grasparossa und zwei Sorten, deren Namen er nicht kennt (Universitäten und Ampelographen könnten mit Sicherheit herausfinden, worum es sich dabei dreht. Allerdings hat Vittorio verständlicherweise keine Lust € 600/Rebsorte für eine Leistung zu bezahlen, die das kulturelle Erbe der Emilia betrifft und folglich eigentlich von der Region übernommen werden sollte aber nicht wird.) Der Grundwein wird spontan vergoren, nach ein paar Tagen abgepresst und im Zementbottich ausgebaut, die zweite Gärung erfolgt in der Flasche. Die einzige und zumindest für mich erstaunliche Konzession an seine Konsumenten macht Vittorio, indem er den Wein, entgegen der Tradition degorgiert – das heißt, er entfernt die Hefe aus dem Wein. Dosiert wird danach nicht.

Schmecken tut der Smilzo letztlich brillant (vor allem der 2016er): ein paar rote Beeren, ein bisschen Salz, Zitrus und leicht erdige Noten prägen das Aromaprofil, eine animierende und lebhafte fördert den Trinkfluss und ein schlanker („smilzo“)  aber dynamischer Körper erledigt den Rest.

Der Smilzo ist im österreichischen und deutschen Fachhandel leider nicht erhältlich. Wer etwas davon haben will, kann sich entweder an mich oder direkt an Vittorio Graziano wenden.

Weingut: Alberto Carretti und Claudia Ianelli betreiben im Val Ceno, eine halbe Stunde südlich von Parma eines der spannendsten Projekte im emilianischen Weinbau. Alberto kaufte Pradarolo, eine historische Villa, 1971 und verwandelte sie 1989 in ein Weingut, das sich dem Anbau einheimischer Sorten widmet und dabei auf alte Kulturtechniken setzt (vor allem im Keller). Die sukzessive erschlossenen Weingärten liegen zwischen 250 und 500 Meter in einer Gegend, die zunehmend gebirgig, sowohl geologisch wie auch klimatisch vom Apennin geprägt ist – wobei durch verschiedene Täler und wie durch ein Kanalsystem auch fortwährend Meereswinde in die Weingärten blasen.

Insgesamt umfasst Pradarolo 60 Hektar Land, wobei nur fünf davon dem Weinbau gewidmet sind. Der Rest besteht größtenteils aus Wald, in dem, in den vergangenen Jahrhunderten viel Adel auf der Jagd nach adäquatem Abendessen unterwegs war. Die fünf kultivierten Hektar sind vor allem mit Malvasia di Candia Aromatica bestockt, einer der spannendsten weißen Sorten, wenn es um die Produktion mazerierter Weine geht. Ergänzt wird der Rebsortenspiegel von Barbera und Croatina, Klassikern der Gegend, die ein paar Kilometer weiter im Westen die Basis für den Gutturnio bilden.

Weine: Im Weingarten wird seit jeher biologisch gearbeitet, wobei vor allem versucht wird die Diversität im und über dem Boden so breit und vielfältig wie möglich zu gestalten. Handarbeit und individuelle Rebstockpflege haben oberste Priorität. Das Resultat sind perfekte Trauben für eine Batterie an Weine, die quer durch die Stile die Messlatte hoch legt. Absolut fantastisch ist der Vej Metodo classico, der Schaumwein von Pradarolo, ein Monument an Aromen, Kraft und Intensität. Die Herstellungsart ist dabei so ungewöhnlich wie wegweisend für die generellen Intentionen von Pradarolo: der Grundwein, ein reinsortiger Malvasia di Candia Aromatica wird über 60 Tage mazeriert und nach einer kurzen Reifezeit in Zement und Stahl ohne Filtration und vor allem auch ohne Schwefel in die Flasche gefüllt, wo er über weitere 24 Monate auf der Hefe reift. Danach wird er degorgiert und pas dosé verkorkt. Entkorkt schmeckt und riecht der Vej nach Rosen, Beeren und Zitrusfrüchten, ist unglaublich druckvoll, hat ordentlich Gerbstoff und Säure und ist dabei so ausgewogen wie man sich das nur wünschen kann.

Ähnlich spektakulär ist der stille Vej, der ebenfalls aus Malvasia di Candia aromatica gekeltert wird und je nach Jahrgang, zwischen drei und neun Monaten auf der Maische bleibt (der lange Maischekontakt erklärt sich übrigens daraus, dass Alberto auf die natürlichen Abwehrkräfte der Traube setzt und die Antioxidantien in der Schale entsprechend nutzen will – er verzichtet folglich auf jegliche Additiva). Das mag extrem klingen, ist es bisweilen auch; der ausgedehnten Zeit mit den Schalen folgen 16 Monate im Fass und danach bis zu 7 Jahre in der Flasche – auch das hängt vom Jahrgang ab. Der Wein ist zwar auch danach noch fordernd, doch bieten sich für alle, die sich darauf einlassen, neben den zupackenden Tanninen und der lebhaften Säure, ein Potpourri an Aromen, das an der Oberfläche balsamisch und fruchtig ist, dahinter allerdings noch Platz für zusätzliche Entdeckungen lässt.

Der Velius ist die rote Antwort auf seine orangen Versionen – 90 Tage bleiben Barbera (90, gelegentlich auch 100%) und Croatina (max. 10%) auf der Maische, ehe sie für 15 Monate in große Holzfässer wandern. Danach wird gefüllt, wobei die minimale Reifezeit in der Flasche bei sechs Monaten liegt, die tatsächliche aber eigentlich stets bei ein paar Jahren. Der Alkohol ist quer durch die Jahrgänge erstaunlich unterschiedlich (zwischen 12-14%), die Säure fordernd (weshalb sich der Velius speziell als Essensbegleiter bestens macht), die Aromen weisen in eine dunkle Richtung und werden stets von einer – über die Jahre intensiver werdenden Würze begleitet. Je nach Jahrgang kommen für gewöhnlich noch ein paar Weine dazu, die allesamt den Prinzipien der oben beschriebenen Weine folgen und durch die Bank originell, außergewöhnlich und beeindruckend sind.

In der Villa kann man übrigens wohnen und sollten die Bilder auch nur einigermaßen der Wahrheit entsprechen, sollte das recht kommod sein.

Podere Pradarolo
Via Serravalle 80
43040 VARANO DE’ MELEGARI (PR)
tel: 338 61 32 220
tel:  335 23 18 27
email: info@poderepradarolo.com
www.poderepradarolo.com

WEINE

Vej
Pradarolo Bianco
Vej Metodo Classico
Velius
Pradarolo rosso
Libens
Frinire de Cicale
Il Canto del Ciò

Die Preise der Weine liegen zwischen € 15 und € 25 (2017)

Pradarolo ist Mitglied bei Emilia sur Li und nimmt außerdem alljährlich an der Manifestation in Fornovo (Vini dei Vignaioli) teil

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Malvasia di candia aromatica
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Antonio Ognibene macht seit 1973 Wein. Dieses Jahr steht die vierundvierzigste Lese an, Innovationen und Experimente gibt es trotzdem immer noch in regelmäßigen Abständen. Im Weingarten wie im Keller. Dieses Jahr – 2017 – wird sich Antonio beispielsweise zwei große Holzfässer leisten und zumindest einen Teil seiner Weißweine wieder darin vergären und ausbauen. So wie auch schon 1973. Experimente führen nicht immer ausschließlich in die Zukunft, gelegentlich schließen sie auch Kreise und Biographien und geben einen Eindruck davon, wie es einmal war.

„1973 kam ich frisch aus der Weinbauschule“, erzählt Antonio. „Mit all den Lehrmeinungen im Kopf, die damals vorherrschten. Holzfässer für Weißweine hatten darin genauso wenig Platz, wie eine nachhaltige und ökologische Bewirtschaftung der Weingärten. Wir orderten Säcke voll Kunstdünger, Herbizide und Pestizide, pflanzten Merlot, verheizten die Holzfässer und investierten in temperaturgesteuerte Stahltanks.“ 15 Jahre lang verschrieb er sich dem klassisch konventionellen Weinbau, dann hatte er die Schnauze voll. 1989 stellte er auf biologischen Weinbau um, früher als die meisten aus seiner Gegend.

Die Gegend: Das sind die Hügel von Monteveglio, südwestlich von Bologna gelegen, eine steinalte Weinbauregion, die immer ordentliche, selten außerordentliche Weine hervorgebracht hat. In der landwirtschaftlichen Produktionshierarchie hatte Wein zwar elementare Bedeutung, doch waren die Schweinezucht und vor allem die Käseherstellung über lange Zeit noch wichtiger. Die Gewichtung hat sich kaum verändert und als nachdrücklichen Beweis dafür, wuchtet Antonio eine 5 Kilo schwere Mortadella als Begleitung zum Wein auf den Tisch und erzählt weiter.

„Die Schweine wurden hier immer rund um Weihnachten geschlachtet. Zu diesem Zeitpunkt mussten die Weine bereits gefüllt sein, da man danach keine Zeit mehr für sie hatte. Da es allerdings vor ein paar Jahrzehnten im Winter noch richtig kalt war, stellten die meisten Weine den Gärprozess ein, bevor der Zucken komplett umgewandelt war und führten ihn erst im Frühling, bei wärmeren Temperaturen, und dann bereits in der Flasche fort.“

PIGNOLETTO: Da bei der Gärung nicht nur Alkohol sondern auch Kohlensäure entsteht, entstanden auf natürliche Weise Schaumweine, die bis heute den wichtigsten Part der Weinproduktion in den Colli Bolognesi ausmachen. Allen voran aus Pignoletto, einer weißen Sorte mit hoher Säure, die dem Fett von Mortadella & Co.  mit Frische und Lebendigkeit kontert. Antonio keltert aus Pignoletto gleich vier verschiedene Versionen, wobei nur eine davon sprudelt. Ein paar Tage Maischestandzeit sorgen für Saftigkeit und Struktur, 18 Monate in der Flasche für feine Kräuter- und Zitrusaromen und eine dichte Textur. Kontakt mit ihren Schalen haben auch die anderen Versionen: der Bersot, der als zusätzliche Information das Pflanzdatum 1933 auf dem Etikett trägt und nach sechs Monaten im Stahltank (ab 2017 Holz) gelbe Früchte und Blütenaromen in eine kühle, saftige, substantielle und vitale Textur bettet. Und der „Le Anfore“, bei dem der Pignoletto über ein paar Monate hinweg in toskanischen Terrakottagefäße gärt und reift und zur fordernden Säure auch noch ein wenig Gerbstoff, Orangennoten, Honig und Nüsse dazuaddiert.

Antonio mag Amphoren. Auch davon soll es künftig mehr geben. Geschuldet ist seine Leidenschaft keinem Trend (Antonio ist meilenweit von Moden jedweder Art entfernt) sondern der Tatsache, dass man vor einem guten Jahrzehnt unweit von Monteveglio bei Ausgrabungen auf eine bestens erhaltene römische 1000-Liter Amphore stieß. Tief verwurzelt mit seiner Heimat fuhr Antonio auf die andere Seite des Apennins, in die toskanische Töpferhochburg Impruneta und ließ sich ein paar Amphoren brennen, in denen er seither seinen Pignoletto so römisch wie möglich vinifiziert.

ROTE SORTEN: Im Kalk-Ton-Gemisch seiner sieben Hektar wurzeln allerdings nicht nur weiße Sorten (neben Pignoletto auch Alionza, eine alte autochthone Sorte aus der er einen – leider restsüßen – Frizzante keltert), sondern auch Barbera und Negretto. Letztere war bis ins 18. Jahrhundert die große Sorte der Colli Bolognesi. 14000 der damals 20000 Hektar Rebfläche waren mit ihr bestockt und wenn man den Dokumenten der Zeit  glauben darf, muss die Gegend im Herbst in ein beeindruckendes Farbenspiel aus gelben Blättern und tiefdunklen, fast schwarzen (Negr-etto) Trauben getaucht gewesen sein. Danach ging es steil bergab mit der Sorte und heute gibt es nur noch Handvoll Winzer, die daraus Weine keltern. Antonios Version reift über mindestens 12 Monate in großen Holzfässern und vereint Kräuternoten und rote Früchte, nicht zu knapp Gerbstoff und eine erstaunlich elegante Textur.

LOKALE KÜCHE: Antonios Weine lassen sich am besten direkt bei ihm probieren – und zwar möglich von Freitag bis Sonntag, wenn er den Agriturismo aufsperrt, in dem man zwar nicht wohnen aber dafür umso besser essen kann.

WEINE

Bersot
Bersot 1933
PignOro
Le Anfore
Naigaret (Negretto)
Bricco della Invernata
Calstrino
Garò
Chiné

Die Preise der Weine liegen zwischen € 6 und € 15 (2017)

LINKS

Emilia Romagna
Emilia sur lì

Bei Gradizzolo kann man exzellent essen – lokal & rustikal – Öffnungszeiten siehe Webseite

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Pignoletto, Alionza, Barbera, Negretto
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Antonio Ognibene

Via Invernata n. 2
40050 Monteveglio (BO)
Tel. 051830265
Cell. 3317300553

In der Emilia blubbert es. Laut und vernehmlich steigen die Perlen auf und sorgen für kleine und größere Explosionen. Seit Menschengedenken Hochburg des Sprudels hat man sich in den letzten Jahren mit billigstem Industrielambrusco den Ruf derart versaut, dass selbst in den Köpfen der Fuseltrinker die Alarmglocken läuten. Wie schade das ist, beweisen seit Jahren gut zwei Dutzend Winzer, die bisweilen Schaumweine abfüllen, dass es nur so kracht (methode champenoise). Und zwar nicht nur (aber eben auch) Lambrusco. Im wilden Westen der Emilia, rund um Piacenza, vinifiziert man seit einiger Zeit wieder richtig guten Gutturnio (ebenfalls rot und ebenfalls sprudelig, doch nicht aus einer der Lambruscotrauben, sondern aus Barbera und Bonarda gekeltert). Rund um Parma sprudelt es ebenfalls, und zwar in rot (meistens Lambrusco aber auch Pinot Nero und Barbera), weiß (Malvasia, Trebbiano, Sauvignon) und orange (Alberto Carretti von der Podere Pradarolo keltert mit dem Vej, einen der spannendsten Schaumweine Italiens). Danach beginnt die große Zone des Lambrusco, wobei Lambrusco nicht gleich Lambrusco ist. Im Gegenteil. Lambrusco ist eine achtköpfige Familie, deren Mitglieder so unterschiedlich sind wie Groucho, Harpo und Karl Marx. Ergänzt wird die Region außerdem um Spergola, die still richtig gut, sprudelnd noch besser sein kann. Abgeschlossen wird die Emilia von den Colli Bolognesi und auch dort gluckst, perlt und gurgelt es. Schuld daran hat die Pignoletto, die man ebenfalls seit Urzeiten in der Flasche zu Ende gären lässt und von der es seit kurzem auch wieder ein paar lohnenswerte Versionen gibt (Gradizzolo, Bortolotti, Orsi).

Mit dem Jahr 2016 haben nun 25 Winzer ihre Kräfte gebündelt und EMILIA SUR LÌ ins Leben gerufen. Abseits ihrer Herkunft (Emilia) teilen sie weitere Gemeinsamkeiten: sie werden allesamt biologisch oder biodynamisch bewirtschaftet und im Keller spontan vergoren, ehe eine Zweitgärung (ancestral oder champenoise) in der Flasche stattfindet. Einziges Additiv ist SO₂.

Gelegentlich finden auch Verkostungen der zwei Dutzend Winzer statt und wer wissen will, wo zurzeit die mitunter besten, spannendsten und originellsten Schaumweine Italiens gekeltert werden, sollte unbedingt daran teilnehmen. ENTSPRECHENDE DATEN FINDEN SICH ENTWEDER HIER ODER HIER ODER HIER.

WINZER

Az. Agr. Gaetano Solenghi
Soc. Agr. Casè
Tenuta vitivinicola Croci
Az. Agr. Camillo Donati
Az. Agr. Crocizia
Podere Pradarolo
Az. Agr. I Cinque Campi
Az. Agr. il Farneto
Az. Agr. Podere Cipolla
Az. Agr. Podere Magia
Az. Agr. Quarticello
Az. Agr. Storchi
Az. Vinicola Ca‘ de Noci
Le Barbaterre
Angol d’amig Il vino con Diogene
Az. Agr. Claudio Plessi
Az. Agr. Luciano Saetti
Bergianti vino
Cantina Vittorio Graziano
Az. Agr. Gradizzolo
Az. Vitivinicola Maria Bortolotti

Luciano Saetti lebt in Soliera bei Modena. Jeden zweiten Donnerstag bricht er nach Ferrara – meiner Stadt – auf, parkt seinen Lieferwagen am Rande der Altstadt, holt ein altes Fahrrad daraus hervor und schnürt sich vier Kisten Wein auf einen zusammensgeschweißten Grillrost, eine selbstfabrizierte Spezialkonstruktion, mit der er seinen Lambrusco zu den besten Vinotheken und Trattorien der Stadt bringt.

Luciano liebt Erfindungen. Durch seinen Weingarten, in dem er einzig und allein Salamino, das eleganteste Mitglied der achtköpfigen Lambrusco-Familie hegt und pflegt, fährt er, wenn es denn notwendig ist, mit einem von ihm zusammengebauten Traktor. Salamino, genauer Salamino di Santa Croce, stammt aus der Ebene nördlich von Modena. Hügel, Hänge & Terrassen sucht man dort vergebens. Die Böden bestehen hauptsächlich aus Lehm und Sand, das Klima ist heiß und feucht, kurz: die Bedingungen für gute Weine könnten nicht ungeeigneter sein.

Aber da ist dann auch noch Luciano Saetti und der weiß mit diesen Voraussetzungen seit Jahrzehnten umzugehen. Die alte Tendone-Erziehung, eine Art Pergola hat er in eine bis zu 2,60 Meter hohe Spaliera-Erziehung umgewandelt. Die gibt ihm die Möglichkeit, seine Trauben vor der emilianischen Sonne zu schützen und ihnen doch auch die nötige Luftigkeit zu geben, um nicht permanent mit Peronospora und Botrytis kämpfen zu müssen. Die Böden, in denen jeweils eine Reihe Salamino aus dem Jahr 1964 mit einer Reife aus dem Jahr 1996 abwechselt, werden nicht gedüngt, da der Untergrund ohnehin fruchtbar genug ist. Stark verdünnter Kupfer und Schwefel sind die einzigen Pflanzenschutzmittel, die Luciano verwendet. Und zwar nicht erst seit gestern. Luciano arbeitet seit 1988 so, seit 1998, als er begonnen hat seine eigenen Trauben zu vinifizieren, ist er biologisch zertifiziert.

Der Keller ist ebenfalls ein Meisterwerk der Improvisation. Über einem ausrangierten Tiefkühler hat er ein Holzgitter gelegt, in dem er seine Weine degorgiert. Danach wird die Flasche zugekorkt und drei bis fünf Monate lang weggelegt. Eine Presse sucht man vergebens, Luciano verwendet einzig den frei ablaufenden Most – ein Umstand, der seine Weine zusätzlich feiner und eleganter macht. Außerdem findet man auch keine Säcke voller Bentonit, keine Filteranlage und keinen Schwefel. Lucianos Lambrusco ist so viel Natur, wie das ein Kulturprodukt wie Wein (und Lambrusco im besonderen) eben zulässt.

Rebsorte: Lambrusco Salamino di Santa Croce
Pflanzdatum: 1964 und 1994
Boden: Ebenen nördlich von Modena. Lehm und Sand
Bewirtschaftung: biologisch – mit möglichst wenig Kupfereinsatz
Lesezeitpunkt: Ende September, manuelle Lese
Gärung: spontan, bei etwas über 20°C, dreitägige Mazeration
Ausbau: Edelstahl über ein paar Monate, danach Zweitgärung in der Flasche.
Gefiltert: nein
Geschönt: nein
Schwefel: ungeschwefelt
Alkohol: 11,5%
Preis: ca. €10

LINK: BEST OF LAMBRUSCO

Und das schmeckt man. Sein 2015er Lambrusco Rosso Viola ist filigran, subtil, aromatisch, leicht aber nie banal, im Gegenteil, schwebend aber substantiell. Das trifft sowohl auf das vorwiegend florale, von roten Beerennoten unterstützte Aromaprofil zu wie auf den Körper, der Trinkfluss mit Beharrlichkeit verbindet. Die Textur ist weich und leicht cremig, die Säure ausbalanciert, das Tannin samtig. Wer Lambrusco wieder einmal eine Chance geben will, sollte sich einfach ein paar Flaschen von Lucianos Interpretation besorgen – zu kaufen gibt es seinen Lambrusco(und  auch seinen ähnlich beeindruckenden Rosato Il Cadetto) direkt bei ihm, jeden zweiten Donnerstag in Ferrara und meines Wissens auch bei VINIFERO in Wien.

Ps: Salamino leitet sich wirklich und wahrhaftig von Salame ab. Die hat rund um Modena einige ihrer Hochburgen (wobei es in ganz Italien ca. 250 verschiedene Sorten gibt) und passt auch bestens zu Lambrusco. Den Namen hat die Salamino jedoch nicht aufgrund ihrer kulinarischen Kompatibilität abbekommen, sondern wegen ihrer langgestreckten eher kurzen Form, die frappant an Salamis erinnert.

CASÈ

Die Idee Winzer zu werden, kam Alberto Anguissola im Jahr 1992. Sechs Jahre später setzte er sie in die Tat um, als er hoch oben im Val Trebbia 3200 qm Pinot Nero aussetzte. Ein erstes Experiment, dem im Jahr 2000 weitere 7500 qm folgen sollten. Die Wahl der Rebsorte war dabei genauso ungewöhnlich wie der Ort, den er sich für sein Projekt ausgesucht hatte. Das Val Trebbia liegt im nördlichen Apennin. Es beginnt bei Piacenza und endet ziemlich genau dort, wo sich die Emilia mit Ligurien trifft. Alberto wählte für seine Rebflächen brachliegendes Territorium auf fast 600 Meter Höhe, das zum einen von Ton, viel mehr allerdings von Kalk geprägt ist. Weiter unten im Tal finden sich mit La Stoppa und Denavolo zwei weitere exzellente Winzer, so hoch oben wie er hat allerdings keiner der beiden Weingärten. Neben Pinot Nero, der in der Emilia zwar keine Tradition hat, allerdings bestens in diese Ecke passt, setzte er ein paar Jahre später mit Malvasia di Candia Aromatica und Ortrugo auch noch ein paar weiße Sorten, vor kurzem kamen auch noch Bonarda und Barbera hinzu, die beiden Traditionssorten der Colli Piacentini.

Von der ersten Sekunde weg verfolgte Alberto – der in der Zwischenzeit von Diego Ragazzi unterstützt wird – einen kompromisslos biologische Arbeitsweise. Vorrangiges Ziel war es, seinen jungen Reben ein ökologisches Gleichgewicht zu bieten, in dem sie sukzessive natürliche Resistenzen gegen potenzielle Parasiten ausbilden konnten. Er förderte die Biodiversität, in dem er a.) auf Herbizide und Pestizide verzichtete und b.) das wachsen ließ, was ohnehin gewachsen wäre, hätten sich keine Rebstöcke in den Böden befunden. So hat sich im Laufe der Jahre eine Umgebung geformt, die Kräuter und Gräser, Insekten, Vögel und anderes Kleingetier integriert.

Gelesen wird per Hand und in kleinen Kassetten, um die Trauben nicht zu beschädigen, vinifiziert wird spontan, ergo mittels wilder Hefen. Während der Gärung bleibt der Most/Wein ausnahmslos in ständigem Kontakt mit den Schalen – beim Pinot Nero sind das ca. 40 Tage, bei den weißen Sorten 8-10, wobei es dafür traditionelle und praktische Gründe gibt. Zum einen, meint Alberto, wurden die weißen Trauben der Region früher immer mit den Schalen vergoren, zum anderen bildet Gerbstoff auch einen natürlichen Oxidationsschutz, was angesichts der Tatsache, dass Alberto entweder gar nicht oder nur marginal schwefelt, elementare Bedeutung hat. Zu guter Letzt ist vor allem Malvasia di Candia Aromatica maischevergoren auch qualitativ interessanter als sofort abgepresst.

Die beiden wichtigsten Weine von Alberto sind allerdings seine beiden Pinots, der Riva del Ciliegio und der Casè , die, erst einmal fertigvergoren, für 18 Monate in 500 Liter Tonneaux oder gebrauchte Barriques wandern und sukzessive Aromen und Strukturen entwickeln, die alle Attribute großer Cool Climate Pinots in sich tragen.

In letzter Zeit erweiterte Alberto mit dem Casè harusame, einem Spumante Rosato, dem berbéch, einem Rosso frizzante und dem calcaròt, einem einfachen Rotwein sein Sortiment.

„Lambrusco ist der Treibstoff der Futuristen.“ (Filippo Tommaso Marinetti)

„Lambrusco ist der rote Champagner.“ (Arrigo Levi)

„Lambrusco ist ideal, um den Durst zu löschen.“ (Mario Soldati)

Treibstoff, roter Champagner oder Durstlöscher – hilft alles nichts. Lambrusco hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten einen Ruf erarbeitet gegen den ein Shitstorm ein warmes Lüfterl ist. Dass man für wenig Geld besser kaum trinken kann, ist in mitteleuropäischen Breiten noch immer ein gut gehütetes Geheimnis. 

Nachdem der Decanter, Englands Vorzeigemagazin in Sachen Wein Ende 2016 meinte, dass 2017 das große Jahr roter Schaumweine schlagen wird, hier 10 Beispiele, die nicht nur Tortellini, Culatello und Zampone aufwerten.

  1. Luciano Saetti keltert in der feuchten Hitze des Tieflands nördlich von Modena einen Lambrusco aus der Rebsorte Salamino, der filigran, aromatisch und subtil seine natürlichen Voraussetzungen völlig auf den Kopf stellt. Biologisch & ungeschwefelt.
  2. Dass Vittorio Graziano eine Person aus Fleisch und Blut und keine Kreation von Fellini ist, mag man kaum glauben. Sein fulminanter, tiefdunkler, profunder und doch erfrischender Fontana dei Boschi aus dem Lambruscomitglied Grasparossa ist dafür jedoch ultimativer Beweis. Sowieso bio.
  3. Cà de Noci gehört seit 1993 zur Naturwein-Avantgarde der Emilia. Gegen die Industrie opponiert wird seit 1993, u.a. mit dem Sottobosco, einer Lambruscocuvèe aus Grasparossa, Malbo gentile, Lambrusco di Montericco, & Sgavetta, die unbeschwert und strukturiert mit dunkler Frucht und feiner Würze punktet. Bio & ungeschwefelt
  4. Marco Rizzoli von Crocizia betreibt hoch oben im parmensischen Apennin Weinbau unter Extrembedingungen (und bisweilen unter Wölfen). Neben exzellenten prickelnden Pinot- und Barberaversionen keltert er auf Kalk aus Maestri, dem dunkelsten Mitglied der Lambruscofamiliy einen saftigen, druckvollen, substantiellen und vitalen Frizzante. Bio.
  5. Denny Binis Etiketten gehören zu den scheußlichsten der Emilia, seine Weine ganz sicher zu den besten. Der Rosa dei Venti ist eine rosa Variante des Grasparossa. Zwei Stunden Mazeration reichen, um ihm nicht nur ansprechend Farbe, sondern auch ein wenig Tannin, Blüten- und Erdbeeraromen mit auf den Weg zu geben. Bio
  6. Camillo Donati könnte der Bruder von Vittorio Graziano sein. Südlich von Parma, zwischen roten Kühen und schwarzen Schweinen keltert er eine Batterie an Schaumweinen, darunter auch einen Lambrusco Maestri. Dunkel wie die Nacht, Brombeeren in der Nase, Kirschen am Gaumen, staubtrocken und laut Camillo nach fünf Jahren Lagerung „zum Schreien“. Bio
  7. Sorbara und Oliva sind zwei weitere Lambruscovarianten und Basis des Stiolorosso von Gabriele Ronzoni. Ergänzt werden die zwei von Ancellotta, einer ebenfalls autochthonen Sorte der Emilia, der den beiden blassen Sorten Farbe einhaucht. Saftig, strukturiert, federleicht und erfrischend. Bio
  8. La Collina ist eine biodynamische Kooperative am Stadtrand von Reggio Emilia, ziemlich genau dort, wo die Peripherie in den Apennin übergeht. Der Lambrusco Frizzante Fermente baut auf Kalk und das schmeckt man. Elegant, erfrischend, intensiv und aromatisch.
  9. Vanni Nizzoli von Cinque Campi ist Demokrat. Sein Sortiment ist paritätisch in Rot und Weiß aufgeteilt. Davon ist wiederum eine Hälfte still, während die andere Hälfte sprudelt. Unter seinen 9 Weinen hat auch der Cinquecampi rosso eine gewichtige Stimme. Staubtrocken und in klassischer Champagnertradition vinifiziert, beißt man hier erstmal auf ein paar feine Tannine, ehe dichte rote Frucht, spürbare Mineralität und lebendige Säure übernehmen. Bio und ungeschwefelt
  10. Man könnte das Ranking natürlich auch umdrehen. Roberto Maestri von Quarticello würde sich auch an ersten Stelle bestens machen. Nicht nur weil sein Name Programm ist (Lambrusco maestri macht 50% der Cuvèe aus) und der Schaum über seinem Lambrusco die schönste Farbe hat, sondern auch weil man hinter konzentrierter aber einladender Frucht und nicht zu knapp Pfeffer auch noch auf einen saftigen, harmonischen, kräftigen und lebendigen Körper trifft. Bio

Mir bekannte Bezugsquellen im deutschsprachigen Raum

Den RossoViola von Luciano Saetti, den Cinquecampi rosso und Denny Binis Rosa dei Venti gibt es bei Vinifero in Wien.

Den Sottobosco führt Vinonudo, ebenfalls in Wien zu Hause.

Den Rest gibt es zurzeit unglücklicherweise nur in Italien – nach Voranmeldung für gewöhnlich ab-Hof und in immer mehr italienischen Vinotheken. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

Kleine Anmerkung am Rande. Wenn hier immer wieder von unterschiedlichen Sorten die Rede ist, liegt das daran, dass Lambrusco eine Familie ist, die, wie das bei Familien üblich ist, recht unterschiedliche Charaktere hervorbringt. alle familienmitglieder sind in der Lage, Großes zu leisten.

Die vier wichtigsten sind:

Sorbara (hell, Blütennoten, filigran, rote Beeren)
Salamino (passt perfekt zwischen Sorbara und Grasparossa)
Grasparossa (dunkel, Tannin, gehaltvoll, intensiv)
Maestri (stockdunkel, würzig, konzentriert, dunkle Beeren)

Manche Rebsorten schaffen den Sprung über die lokalen Grenzen hinaus, anderen gelingt das nicht, wobei nicht immer klar ist, woran das liegen mag. Spergola hat eine feine Aromatik, die klassisch vergoren an weiße Blüten erinnert. Vinifiziert man auf der Maische kommen oft noch Orangenschalen und Gewürznelkenaromen dazu. Dazu hat sie eine animierende und lebendige Säure, die sie vor allem für Schaum- und Süßweine prädestiniert. Die Grenze der Emilia hat die Sorte trotzdem nie èberschritten – und eigentlich gibt es sie nur rund um Scandiano. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass – laut Ian d’Agata – Bianca Capello, einst Großfürstin der Toskana ein bekennender Fan war und auch nicht, dass Matilde von Canossa einst Papst Gregor VII eine Flasche vermachte. All das ist ein wenig schade und macht doch nicht allzu viel aus, denn immerhin gibt es mit Ca’de Noci (die Riserva dei Fratelli gehört definitiv zu den ganz großen Schaumweinen Italiens) und Cinque Campi ein Gespann an Winzern, die seit Jahren das ganze Potenzial der Rebsorte offenlegen – und so viel man hört, auch dafür gesorgt haben, dass die Rebsorte von einer neuen Generation an Winzern wieder zunehmend ausgepflanzt wird (u.a. Denny Bini von La Cipolla)

Best of Spergola

Ca’de Noci: Querciole (frizzante)
Ca’de Noci: Riserva dei Fratelli (spumante)
Ca’de Noci: Notte di Luna (still – Cuvèe aus Moscato, Malvasia & Spergola)
Cinque Campi: Bora Lunga
Cinque Campi: L’Artiglio (spumante)

Ca‘ de Noci: Gheppio 2011

Ca de Noci WeineDie Winter werden wärmer, auch im Apennin. Was für die meisten von uns letztlich Statistik und abstrakter Gesprächsstoff bleibt, hat für Alberto Masini von Ca‘ de Noci eminente Bedeutung und direkte Konsequenzen. Beredtes Beispiel dafür sind ein paar Cabernet-Reben, die statt in der Erde zu wurzeln auf der Terrasse liegen und künftig als Brennholz dienen werden. Der ganze Cabernet Weingarten wurde im letzten Winter Opfer der Scaphoideus titanus, der amerikanischen Rebzikade, die seit neuestem ihr Unwesen auch in Regionen treibt, in der es ihr früher zu kalt gewesen wäre. Warum sich das Insekt ausgerechnet Cabernet Sauvigon für seine Attacken ausgesucht hat und Malbo Gentile, Spergola und Lambrusco in Frieden lässt, steht in den Sternen, Fakt ist jedoch, dass Ca‘ de Nocis exzellenter Gheppio in Zukunft ohne Cabernet auskommen wird.

Der Jahrgang 2011 ist also einer der letzten Möglichkeiten, einen der besten Rotweine der Emilia noch in seiner Ursprungsversion zu trinken. Drei Jahre in alten Holzfässern und ein weiteres Jahr in der Flasche haben langsam aber sicher die Ecken und Kanten, die Cabernet im Verbund mit Malbo Gentile liefert, abgeschliffen, ohne dass dabei jedoch Struktur und Tannin verloren gegangen wären. Farblich ist er dunkel wie die Seele des Scaphoideus titanus, sensorisch kombinieren sich dunkle Beeren mit Unterholz und Erde. Der Körper ist dicht und konzentriert, die Textur saftig. Der Gheppio wirkt trotz zweier grundsätzlich sperriger Rebsorten, offen und lebendig, was u.a. mit der Tatsache zusammenhängt, dass Ca‘ de Noci generell nicht schwefelt, dafür aber auf kerngesundes Traubenmaterial zurückgreift. Potenzial für ein gutes Jahrzehnt ist trotzdem (oder gerade deswegen) vorhanden.

Gheppio

REBSORTEN: Cabernet sauvignon, Malbo gentile und ein paar autochthone Sorten
WEINGÄRTEN:  15 Jahre alte Reben auf Kalk-Ton Böden – Ertrag ca. 3000 kg/ha
VINIFIKATION: wilde Hefen, 12 Tage Mazeration
AUSBAU: 36 Monate in alten Holzfässern (auf der Feinhefe)
Alkohol: 14,5%
ungeschwefelt

solfiti naturali attesi inferiori a 30 mg/l

Befinden sich Malvasia di Candia Aromatica und Ortrugo am richtigen Ort (im Val di Trebbia) und in den richtigen Händen (möglichst denen von Giulio Armani), geben sie die Basis für die radikalsten maischevergorenen Weine Italiens aus weißen Trauben. Das bedeutet etwas unkomplizierter ausgedrückt, dass sie ein Fundament für orange Weine bilden, dass man jenseits des Collio und des Karsts lange suchen kann.

Fündig wird man im Val di Trebbia, einem von Gott verlassenen, dafür von Hühnern, Schafen und Ziegen bewohnten Tal südlich von Piacenza. Die das Tal flankierenden  Hügeln ziehen sich sukzessive den Apennin hinauf und zwischen 400 und 700 Metern beginnt es mit den beiden Rebsorten richtig spannend zu werden.

Dort befinden sich dann auch die Weingärten von La Stoppa, einem Vorreiter nachhaltiger Bewirtschaftung, experimenteller und vor allem exzellenter Weine. Der AGENO war die erste orange Interpretation aus den beiden Rebsorten, verantwortet von der legendären Elena Pantaleoni und vinifiziert vom nicht minder legendären Giulio Armani.

Giulio hat sich mit dem Projekt Denavolo 2005 auch noch ein eigenes 4 ha großes Weingut aufgehalst, in dem er seine eigene orangen Versionen keltert, allen voran den DINAVOLO. Der stammt von einem, alten und verlassenen 700 Meter hoch gelegenen Weingarten und das es da oben karg, kühl und kalkig ist, schmeckt man dem Wein bei jedem Schluck an. Der zieht eine Gerade von der Zungenspitze bis weit hinter das Gaumensegel und weicht dabei keinen Millimeter von der Ideallinie ab. Einzig die Aromen und straffende Gerbstoffe machen sich im Mund breit und beide erledigen ihre Aufgabe blendend. Die Aromen sind präzis, klar und rot, Beeren geben den Ton an, mediterrane Kräuter ergänzen und wer an Tee denkt, macht auch keinen Fehler. Der eigentlich Kracher sind aber die zupackenden Gerbstoffe, die auf einer schnell eingerichteten Skala von 1-10 bei 9 liegen und dem Wein seine Richtung geben und ihn bündeln und ihm gleichzeitig eine immense Lebendigkeit, Energie und Saftigkeit verleihen.

Der DINAVOLO wird spontan vergoren, 30 Tage mazeriert und im Stahltank auf der Hefe über 12-14 Monate ausgebaut. Zugesetzt wird nichts, auch kein Schwefel, weggenommen auch nichts (kein Filtern oder Schönen).

Wer orangen Weinen beizeiten eine Chance gibt, sollte sich, so schwer das auch sein mag (es gibt ihn zurzeit weder in Österreich noch in Deutschland), ein paar Flaschen zulegen.

Hard Core. Malbo Gentile gehört zu der illustren Runde an Rebsorte, die eine Schale haben, die auch als Baumrinde durchgehen könnten (Malvasia di Candia Aromatica, Aglianico und natürlich auch Nebbiolo sind ein paar mehr). Woher das gentile (freundlich, nett) im Namen stammt, steht in den Sternen, aber es gab ja auch Claudio Gentile (der Eisenfuß von Juventus) und der strafte seinen Namen auch Lügen.

Malbo Gentile ist eine alte Sorte, die doch erst in jüngster Zeit langsam wieder Fuß fasst. Zwar gibt es Aufzeichnungen über ihren Anbau aus dem 18. Jahrhundert, doch verschwand sie danach völlig von der Bildfläche, ehe sie 1960 im Istituto di Stato per l’agricoltora e l’Ambiente – Persolino wiederentdeckt wurde.

Hinter einem verdreckten alten Schild mit dem Namen „Amabile di Genova“ (ein weiterer Euphemismus) fand sich eine Sorte, die sich nach genauerer Überprüfung als Malbo Gentile herausstellen sollte. Es vergingen weitere 30 Jahre, ehe man eine erste Vinifikationen mit getrockneten Trauben durchführte und feststellte, dass sich hinter der Sorte immenses Potenzial befand. Danach ging es zwar nicht Schlag auf Schlag, doch fanden sich immerhin eine Handvoll Winzer, die sich an der Rebe probieren wollten und zwar sowohl in der Emilia wie in der Romagna (insgesamt gibt es heute 10 ha), wobei sich schnell herausstellte, dass sich die Rebsorte in den beiden Regionen am Stock völlig unterschiedlich entwickelte. Üppig und dicht in der Emilia, rachitisch und lose in der Romagna. Ian d’Agata, Verfasser der italienischen Rebsortenbibel Native Grapes of Italy (die wirklich jeder, der sich nur irgendwie für Wein, Italien oder beides interessiert, besitzen sollte) führt das auf die unterschiedlichen Böden zurück, die in der Emilia üppig und fruchtbar und in der Romagna karg und kalkig sind. Resistent und robust ist sie da wie dort. Als es 2002 vom Sommer bis in den Herbst hinein in Strömen regnete, faulten sämtliche Weingärten weg, einzig die mit Malbo bestockten, fühlten sich selbst im Regen wohl.

Neben immensem Tannin hat die Rebsorte auch ordentliche Säure und definiert sich vor allem über dunkle Aromen. Die Voraussetzungen für eine große Sorte sind folglich vorhanden, wobei es in letzter Instanz dann vor allem um die Handschrift des Winzers geht. Vergärt man temperaturunkontrolliert und lässt somit eine volle Extraktion der Gerbstoffe zu oder greift man vorsichtshalber ein. Wie lange lässt man den Wein in Kontakt mit den Schalen und welche Gebinde wählt man? Fragen, die glücklicherweise völlig unterschiedlich beantwortet werden und folglich eine erstaunliche Bandbreite an Stilen offerieren. Jenseits reinsortiger Vinifikationen gibt es gerade in der Emilia auch einige exzellente Lambruschi, die durch ein paar Prozent Malbo immens an Struktur, Saftigkeit und Gerbstoff gewinnen.

Die besten:

Vittorio Graziano: Sassocuro (ein Monument, dunkel, dicht & steinig und doch mit einem immensen Trinkfluss versehen. Kostet ab Hof um die € 15 – rar; wo es ihn sonst noch gibt, weiß ich nicht)

Cinque Campi: Le Marcone (dunkel, pfeffrig, offen und unheimlich vital – der zugänglichste Malbo, den ich kenne – in Wien, in der Casa Caria erhältlich)

Denny Bini La Cipolla: Grecale 45 (ordentlich Gerbstoff aber auch viel Frucht, intensiv und kraftvoll – Ausbau im Stahl)

Vigne dei Boschi: Settepievi (eine Herausforderung. Hier wird der Sorte ihr ganzes Potenzial entlockt. Schwierig, da der Gerbstoff ordentlich Dampf macht. Warten wird wohl das Beste sein.)

 

Daneben lohnen sich die Lambruschi (mit ein wenig Malbo) von La Collina (Fermente – super), Denny Bini, Cinque Campi & Vittorio Graziano.

Vittorios Grazianos Lambrusco Fontana dei Boschi ist reinsortig Grasparossa, die am spätesten reifende Lambruscosorte, dunkel wie die Nacht, mit lebendigem Tannin, kräftiger schwarzer Frucht, erdigen Noten, Eisen und Blut. Dabei bleibt er doch leichtfüßig, belebend, und erfüllt vollends die Idee eines frischen Speisenbegleiters zur emilianischen Herzinfarktküche (Cotecchino, gefüllte Schweinsfüße & Co. – toll aber tödlich). Ein weiteres Meisterwerk Vittorios ist der Sassoscuro, der zu 80% aus Malbo Gentile und zu 20% aus sechs weiteren (teils unbekannten) Rebsorten besteht. Schwarz wie Kohle, mit Aromen, die sich von Kaffee bis Oliven und Lakritze ziehen, zählt er definitiv zu den großen Rotweinen der Region und eigentlich auch Italiens.

Die beiden roten Meisterwerken werden weiß und sprudelnd vom Ripa di Sopravento (Trebbiano und drei unbekannte weiße Sorten) ergänzt, leichtgewichtig und schlank und doch mit profunden Aromen. Die Säure dominiert die Struktur und vermittelt Lebendigkeit. Die stille Variante heißt Tarbianaaz, ist ein Trebbiano modenese und verbringt volle drei Wochen auf den Schalen, was ihm ordentlich Farbe und Gerbstoff, eine strenge Textur und eine primäre Schicht an Kräutern einbringt. Abgerundet wird das Sortiment durch den Smilzo, einen sprudelnden Rosè aus Grasparossa, den Vittorio selbst als simplen Nachmittagswein abtut (was prinzipiell auch kein Nachteil ist), der aber so belebend, bekömmlich, animierend und vital schmeckt, dass man ihn auch problemlos zum Frühstück und eventuell auch am Abend trinken kann.

Denny Binis Weine

Denny Binis Weine

Die Weine von Denny Bini stammen aus biologisch bewirtschafteten Weingärten. Die Erstgärung bei seinen vier Schaumweinen setzt spontan ein und da die Zweitgärung nicht degorgiert wird, finden sich naturgemäß ein paar Trubstoffe. Der totale Sulfitgehalt liegt generell bei ca. 30mg/l, der Alkoholgehalt der Schaumweine liegt selten über 12%.

Der Levante 90 (Malvasia) ist knackig, lebendig, aromatisch und so frisch und druckvoll, dass man endlich glaubt die Alternative zum Nachmittagsbierchen gefunden zu haben. Der Rosato (Rosa dei Venti – Malbo Gentile/ Grasparossa) – wie schon der von Luciano Saetti – ist geschmeidig und saftig und die Alternative zum zweiten Krügel. Danach wird es profunder: der Grasparossa (Ponente 270) kombiniert sich bestens mit einer Zigarre und selbst wenn die fehlt, hat man ein wenig Tabak in Nase und Mund, der Fuso 21 (die Lambruscosorten) ist weich, dicht und rund, der stille Malbo (Maestrale 315) dagegen erdig, ledrig, substantiell, würzig und dicht. Alles total beeindruckend.

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Maestrale 315: Malbo Gentile ist eine der großen Unbekannten in der roten Ampelographie Italiens. Sie wächst einzig zwischen Modena und Reggio Emilia und ergibt Weine, die besser in den Winter als in den Sommer passen.

Dennys Version stammt von kalkdurchsetzten Tonböden, die nach 40 Zentimeter von einer steinigen Schicht abgelöst werden. Die Rebstöcke wurden 2003 gepflanzt und tragen knapp 7000 Kilo am Hektar – das mag viel erscheinen, ist jedoch für die fruchtbaren Verhältnisse der Lambuscoregion am untersten Ende. Vergoren wird spontan, die Mazeration beträgt ca. 3 Wochen, wobei diesbezüglich der Jahrgang sein Wort mitzureden hat. Ausgebaut wird in gebrauchten Barriques, es wird weder gefiltert noch geschönt, geschwefelt wird vor der Füllung (Gesamt ca. 30mg/l). All das ergibt einen Wein, der dunkel wie Teer, Lakritze und Zwetschken ist und auch ein wenig so schmeckt. Da die Malbo Schale dick wie Baumrinde hat, legt sich ganz ordentlich Gerbstoff auf den Gaumen, zu dem sich aber auch noch kräftige Würze, saftige Frucht und ledrige Noten gesellen. In guten Jahren entwickelt er sich locker über 8-10 Jahre.

Ich besuche fast alle Winzer mit dem Fahrrad und bin es gewohnt mich über Anstiege raufzuschinden, mit die Peitsche vor dem Zuckerbrot abzuholen und das völlig ohne religiöse Motive. Zu Emilio Placci allerdings werde ich nie mit dem Fahrrad aufbrechen, es gibt Grenzen und der Weg hinauf nach Il Pratello stellt eine solche dar. Als Emilio 1991, nach dem Tod seines Vaters, der Il Pratello eigentlich als Rückzugsort für Ferien und Wochenende gekauft hatte, auf über 600 Metern Höhe Sangiovesestöcke zwischen Kastanienbäumen und Weidewiesen auspflanzte, möchte ich nicht wissen, was die Nachbarn dachten. Er selbst war sich auch nicht so sicher, was er über sich denken sollte.

il pratello jpgDoch Emilio war eben gelernter Önologe und wenn man einem Önologen ein Stück Land zur Verfügung stellt, dann pflanzt er keine Apfelbäume. Also wurde 1991 das Projekt Bergweinbau in den romagnolischen Hügeln gestartet und wenn man heute seine Sangiovese oder seinen Pinot probiert, dann weiß man, dass das Projekt von Erfolg gekrönt war und zwar von großem. Man mag vom Gambero Rosso, Italiens berühmtestem Weinführer, halten, was man will, drei rote Gläser muss man sich erst verdienen. Emilio Placci verdiente sie sich mehrmals.

Emilios großer Vorteil von der ersten Sekunde weg war, dass es auf seinen Wiesen und Hainen jahrzehntelang keinen Ackerbau gegeben hatte, also auch keine Kunstdünger oder Pestizide ausgebracht worden waren, biologischer Weinbau also in völlig unkontaminierter Umgebung stattfinden konnte; zudem waren seine Flächen gegenüber denen anderer Winzer durch weite Wiesen und Wälder voll Kastanien geschützt.

Sangiovese war Emilios erste Wahl. Zum einen ist die Sorte ohnehin in den Hügeln heimisch, zum anderen zieht sich durch die Gärten von Il Pratello Galestro, also der gleiche kalkige Untergrund wie er auch in den klassischen Sangiovese-Regionen der Toskana zu finden ist. Und für Sangiovese scheinen Emilios Hügel wie gemacht zu sein. Die Höhe betont nochmals zusätzlich Gerbstoff und Säure, die Frucht ist glasklar und nie welk, die Weine bersten vor steinigen Noten, kurz das Aromaprofil und die Struktur seiner drei Sangiovese könnte perfekter nicht sein. Il pratelloDass Pinot Noir ebenfalls ins Spiel kommt, wäre vermutlich auch dann passiert, wenn Emilio kein Önologe gewesen wäre (ich kenne keinen Weinbauern, der die Rebsorte nicht gerne anpflanzen würde), die Kühle und der Kalk machten seine Pflanzung fast zur Verpflichtung. Malbo Gentile, dunkel und würzig, wächst ebenfalls blendend, ob Cabernet so eine gute Idee war, wage ich zu bezweifeln.

Die Weine landen nach spontaner Vergärung in kleinen und großen gebrauchten Holzfässern und bleiben dort auch für nicht zu kurze Zeit. Eingriffe physikalischer (abgesehen vom Umpumpen des Weins) oder chemischer Natur finden in dieser Zeit nicht statt, gefiltert, geklärt und geschönt wird nicht, geschwefelt schon aber nicht viel.

Über Emilios Philosophie sollte man auch noch ein paar Worte verlieren: in aller Kürze ist sie geprägt von einem Vertrauen in kleine Strukturen, in Traditionen und dem Bewusstsein, dass eine zunehmende Globalisierung der Diversität und Vielfalt der Weinwelt nicht allzu gut tut. Dass er allerdings keineswegs ein eigenbrötlerischer Passatist ist, beweisen seine stets willkommenen newsletter, die bisweilen eintreffen und dazu einladen, sich vielleicht doch mal in Auto zu setzen, um sich auf Il Pratello Steinpilze, Gnocchi, Würste, Wildschweine, Kastanien und vor allem Sangiovese vorsetzen zu lassen.

Zu Il Pratello gehört ein kleiner Agriturismo. Zudem ist Il Pratello eines der sechs Mitglieder der Bioviticultori.


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