Fabio Ferracane

Marsala befindet sich im Aufwind. Weniger aufgrund des legendären aufgespriteten Weins als vielmehr wegen einer Handvoll Winzer, die seit einigen Jahren spektakuläre Weine aus Grillo, Catarratto, Zibibbo und Nero d’Avola in die Flasche bringen: unter ihnen Nino Baracco, Pierpaolo Badalucco, Vincenzo Argilieri und – last but not least – Fabio Ferracane.

Fabio ist zwischen Reben aufgewachsen. Schon sein Großvater kultivierte ein paar Weingärten. Sein Vater verkaufte seine Trauben an die Winzer der Umgebung und produzierte ein wenig für den Hausgebrauch. Simple Weine, die Fabio aber mochte und bei deren Produktion er mithalf. Ihm gefiel die Arbeit im Keller, weshalb er beschloss Önologie zu studieren.

Dort lernte er viel, unter anderem auch wie er Wein nicht machen wollte. Er hatte wenig Lust darauf, im Weingarten begangene Fehler mit allen möglichen technischen und chemischen Hilfsmitteln zu kaschieren. Weshalb er den Fokus von Anfang an auf die Gesundheit seiner Böden, Reben und Trauben lenkte. In den raren Jahren zu großer Feuchtigkeit selektiert er akribisch, um ausnahmslos gesundes Rebmaterial in den Keller zu bekommen.

Grundsätzlich sind seine Weingärten von viel Sonne, sandigen Böden und salzigem Wind geprägt, der vom nahen Meer in die Weingärten dringt – genau diese Attribute möchte er – seinem Terroir zutiefst verpflichtet – auch in seinen Weinen wiedergeben. Dafür übt er im Keller Verzicht. Wenn es allerdings an den ersten Lesetagen Ende August 35°C und mehr hat, kühlt er den Most ein wenig. Als einziges chemisches Hilfsmittel fügt er ein wenig Schwefel vor der Füllung hinzu. So entsteht ein recht breites Spektrum an Weinen, denen man anmerkt, dass sie auf dem quasi gleichen Breitengrad wie Tunis entstanden sind, die aber dank bester Weingartenarbeit, dem richtigen Lesezeitpunkt und kurzen Mazerationszeiten auch über ausreichend Struktur verfügen.

Weine – eine Auswahl

Guanciabianca Catarratto: Catarratto ist Fabios Leitsorte und der Guanciabianca ein brillanter Einstieg. Zweitägige Mazeration. Sieben Monate im Stahltank. Vereint Fülle und Frische. Riecht und schmeckt nach reifen Früchten, Mandeln, Hefe und Blüten. Hat Zug und Vitalität. Tolle Basis. (ca. € 14)

Guancianera: Nero d’Avola. Die Basis in Rot. Wird normalerweise Mitte September gelesen und reift danach für ein knappes im Stahltank. Ist weich, einladend, warm und ausgewogen. Riecht nach süßen Gewürzen und reifer roter Frucht. Fließt ruhig und sanft über den Gaumen. (ca. € 14)

Magico Ariddu: Grillo, die große weiße Rebsorte für den Marsala. Fabio vinifiziert ihn trocken wie den Guanciabianca. Riecht nach reifen gelben Früchten und Orangenblüten. Hat Körper, Energie und Vitalität. Endet lang und harmonisch. (ca. € 15)

Aggiara: Catarratto der Extraklasse. Die Trauben gären mitsamt ihrer Schalen über gut drei Wochen in der Amphore. Danach werden sie abgepresst und der Wein reift für weitere acht Monate in die Amphore. Straff, strukturiert und doch nie aggressiv. Entwickelt mit etwas Luft Mandel-, Bergamotten- und Briochearomen. Ist elegant, tiefgründig und lang und reift mit Sicherheit blendend. Einer der besten Weißweine Siziliens. (ca. € 25)

Kontakt

Fabio Ferracane
Adresse: Contrada Bosco, 744/C1, Marsala
Telefon: +39 3402437177
E-mail: info@fabioferracane.it
Webseite: fabioferracane.it


Rebsorten: Catarratto, Grillo, Nero d’avola, Merlot
Rebfläche: 5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto.it; vinisudshop.com

AT/DE/CH: –

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DAS WEINGUT

Elios ist ein junges Projekt und geht auf das Konto von Nicola Adamo und Guido Grillo. Ihr Hauptquartier steht in Alcamo, dem Ort, in dem auch Aldo Viola, einer der besten Winzer Siziliens sein Weingut hat. Die Weingärten sind – wie auch bei Aldo – in unterschiedlichsten Zonen rund um den Ort verstreut, was insofern wichtig ist, da sie je nach Lage entweder vom Meer oder vom Hinterland geprägt sind. 

Die beiden starteten ihre ersten Vinifikationen 2015, nachdem sie sich zuvor als Informatiker (Nicola) und Önologe bei größeren Weingütern (Guido) unglücklich gearbeitet hatten. Das Konzept war dabei so simpel wie einleuchtend. Sie wollten die Weingärten ihrer Familien revitalisieren und daraus Wein keltern, der die Traditionen ihrer Gegend einfangen sollten. Die Rebsorten sind folglich solche, die schon seit Jahrhunderten bei ihnen beheimatet sind, in die Region passen und mit den recht trockenen und heißen Verhältnissen gut zurechtkommen: also Grillo, Catarratto, Zibibbo, Nero d’Avola und Nerello Mascalese, der nicht viel mit den Versionen vom Ätna zu tun hat, aber dennoch einen Versuch wert ist.

Die beiden sind im Weingarten wie im Keller der Natural Wine Bewegung verpflichtet, was in wenigen Worten bedeutet, dass sie draußen biologisch arbeiten und drinnen eine Hands-Off-Philosophie verfolgen. Was nicht heißt, dass hinter ihren Weinen nicht auch ausgeklügelte Ideen stecken würden. Entscheidend für die beiden ist eine nachvollziehbare Eleganz und Strenge, die einen Gegenpol zu den eher warmen Aromen darstellen – weshalb, laut Guido, auch der Lesezeitpunkt von entscheidender Bedeutung ist. Insgesamt umfasst ihr gegenwärtiges Sortiment vier Weine.

Exzellent ist der Bianco Macerato Modus Bibendi, eine Cuvée aus Catarratto, Zibibbo und Grillo, wobei ersterer für Frische und Lebendigkeit sorgt, der Zibibbo alias Muscat d’Alessandria für die Aromen hauptverantwortlich ist und letzterer für Volumen, Power und Kraft sorgt. Mazeriert wird über 20 Tage, weitere 7 Monate verbringt der Wein daraufhin im Stahltank. Das Resultat ist druckvoll und strukturiert, floral, fruchtig, mit einer feinen aber tragenden Tanninstruktur und einem nachhaltigen Finish. 

Der reinsortige Grillo Modus Bibendi kommt ohne längeren Schalenkontakt aus und stammt aus Weingärten auf ca. 300 Metern Höhe. Die Textur ist geradlinig und frisch, die Aromen sind es gleichfalls, wobei vor allem Kräuter und Zitrusnoten dominieren. Einfach aber recht dynamisch, mit mehr Trinkfluss als man es sich in der Gegend erwarten würde. 

Ähnliches lässt sich über den aus Nerello Mascalese gekelterten GlouGlou sagen, wobei hier naheliegenderweise rote Aromen vorherrschen, die allerdings gleichfalls von Kräuternoten unterlegt sind. Erfrischend, leicht, zum schnellen Wegtrinken.

Anders, weil wesentlich profunder und dichter gestrickt, ist der Nero d’Avolo Modus Bibendi. Der ist zwar gleichfalls vital, hat aber doch um Einiges mehr Power und Rückgrat als der GlouGlou. Die dunkleren Noten des Nero d’Avola werden diesmal von Pfeffer und Lakritze ergänzt. Der Ausbau erfolgt anders als bei den anderen drei Weinen im Tonneaux.

ELIOS

DITTA ADAMO SAVERIO,
Viale Europa, 91011 Alcamo(TP)
Telefon: +39 333 4095994 (Nicola)
Fax: +39 333 4853322 (Guido)
Email: info@eliosfood.it
www.eliosfood.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca. 25000 Flaschen
Rebsorten: Nero d’Avola, Nerello Mascalese, Catarratto, Grillo, Zibibbo
Rebfläche:  –
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Elios gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavignadibacco.com

 

DAS WEINGUT

Pierpaolo Badalucco ist ein entspannter, freundlicher Mann mit einer großen Leidenschaft für den Westen Siziliens und den Süden Spaniens. Bestens ablesbar ist das an der Tatsache, dass in seinem Weingut in der Nähe von Marsala neben den Klassikern der Gegend, also Grillo, Catarratto, Inzolia, Grecanico auch noch Tempranillo und Verdejo, zwei der wichtigsten Rebsorten Spaniens eine tragende Rolle spielen. Und an dem Namen Dos Tierras, unter dem sein Weingut ebenfalls bekannt ist. Und, zu guter Letzt, natürlich an Beatriz de las Iglesias Garcia, seiner andalusischen Frau und kongenialen Partnerin im Weingarten und Keller.

Pierpaolo ist nicht der erste Badalucco, der in der historischen Weinregion Reben kultiviert. Vor ihm werkten schon vier Generationen in der leicht hügeligen und eigentlich vor allem für weiße Sorten bekannten Topographie der Gegend. Weshalb Pierpaolo auch meint, dass Grillo & Co. repräsentative Interpretationen seines Territoriums wären, während Tempranillo vor allem den Grillen von Beatriz geschuldet wären und ein neues, nicht ganz einfach zu erklärendes Kapitel der Region aufschlagen würden.

Dennoch hat sich gerade letzterer zu einer tragenden Säule des Weinguts entwickelt; und zwar nicht nur aufgrund seines eher außergewöhnlichen Vorhandenseins, sondern vielmehr wegen der erstaunlichen Qualität, die Tempranillo auch in den heißen, von Sand durchsetzten Böden Siziliens ergibt. Wobei das mit der Hitze rund um Marsala so eine Sache ist – zwar scheint hier öfter die Sonne als im Chianti oder im Friaul, doch sorgt kontinuierlich blasender Meerwind für eine stete Abkühlung. Der spanischen Komponente verdankt sich auch die Idee Pierpaolos, dass sein Weingut eigentlich eine doppelte Ausrichtung habe: eine traditionell-westsizilianische, die unter dem Namen Badalucco fungiert und eine sizilianisch-spanische, weshalb er dem Weingut auch noch den klingenden Namen de las Iglesias Garcia hinzugefügt hat.

Die Weingärten werden nach den bereits von seinem Urgroßvater praktizierten Prinzipien bewirtschaftet (hohe Erziehungssysteme, Handarbeit, keine Chemikalien, was sich angesichts der günstigen klimatischen Bedingungen etwas einfacher darstellt als in anderen Gegenden) und Ähnliches lässt sich auch über die Arbeit im Keller sagen.

Wie auch einige seiner Kollegen (Nino Barraco, Vite ad Ovest) in der Ecke verzichtet er auf den Ausbau seiner Weine zu Marsala. Er orientiert sich vielmehr an einer präbritischen Tradition, die sich vor allem durch einen gekonnten oxidativen Ausbau zu trockenen Weinen definiert. Davor werden die Trauben mit den Füßen sanft angepresst, spontan vergoren und in kleinen, gebrauchten Holzfässern ausgebaut.

Temprano: von Nord-Ostlagen in den Hügeln hinter Marsala. Nero d’Avola gibt den sizilianischen Part, Tempranillo den spanischen, ausgebaut wird über ein gutes halbes Jahr in gebrauchten Barriques und über ein paar weitere Jahre in der Flasche. Das Resultat riecht nach roten Früchten, mediterranen Kräutern und schwarzem Pfeffer, ist saftig, würzig und erstaunlich frisch.

Dos Tierras: der große Bruder des Temprano. Basiert gleichfalls paritätisch auf Nero d’Avola und Tempranillo. Über 18 Monate in gebrauchten Barriques. Tiefgründiger, gewichtiger und vielschichtiger als der Temprano. Zu den vorher erwähnten Aromen gesellen sich noch Tabak und Lakritznoten hinzu. Warm, samtig und kraftvoll.

Grillo Verde: Hat neben Grillo auch noch einen beträchtlichen Verdejoanteil, der relativ früh gelesen für ein stabiles Säurerückgrat sorgt. Die Trauben werden mit den Füßen angepresst und bleiben danach ca. 5 Tage in Kontakt mit den Schalen. Die Gärung ist wie immer spontan, der Ausbau erfolgt über ein knappes Jahr in Tonneux. Warm, einnehmend, salzig, mediterran. Zitrusaromen. Orangen. Kräuteraromen. Fließt weich, samtig aber kompromisslos trocken über den Gaumen.

Il Litro: eine nette Ergänzung des bisherigen Programms. Ein vino da tavola, allerdings mit ordentlich Tiefgang und in einem etwas größeren Format. Basiert ausschließlich auf Grillo, wobei  in Holz vinifizierte Chargen aus unterschiedlichen Jahren miteinander cuvetiert werden. Mediterran, salzig, warm, mit einem lenkenden Tanningerüst und viel Trinkfluss.

BADALUCCO - DOS TIERRAS

Pierpaolo Badalucco und Beatriz de las Iglesias
Contrada Badalucco, Via Chiano – Petrosino
Tel: 0039 3473695615
commerciale@vinibadalucco.it
www.vinibadalucco.it

Cold Facts

Rebsorten: Nero d’Avola, Tempranillo, Grillo, Verdejo, Catarratto
Rebfläche: 20 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Badalucco fehlen unglücklicherweise noch am deutschsprachigen Markt. Aus Italien kann man sie über lavignadibacco.com, callmewine oder decanto bestellen.

 

 

DAS WEINGUT

Biscaris gehört zu den vielen kleinen Familienbetrieben im äußersten Südosten Siziliens, die sich – auch dank eines extrem günstigen weil trockenen und windigen Klimas – einer konsequent biologischen Herangehensweise im Weingarten verschrieben haben. Das fünf Hektar große Weingut in Acate (westlich von Ragusa und einen Katzensprung von COS entfernt) geht noch einen Schritt weiter und pflegt seine Weingärten nach biodynamischen Prinzipien. Sie selbst definieren ihre Arbeit ganz simpel als traditionell und handwerklich – wobei handwerklich hier tatsächlich wortwörtlich verstanden werden kann. Vom Rebschnitt bis zur Füllung geschieht quasi alles manuell.

Im Mittelpunkt stehen zwei Rebsorten. Die in der Region omnipräsente Nero d’Avola, die bei Biscaris reinsortig interpretiert wird, aber auch anteilig in den Cerasuolo di Vittoria* einfließt. Und die meist vernachlässigte Frappato, die gleichfalls Anteile am Cerasuolo hat, zudem aber glücklicherweise auch reinsortig ausgebaut wird und einen für den Breitengrad unglaublich feinen und zarten Wein ergibt. Frappato gehört zu den Perlen der italienischen Ampelographie und verschafft sich langsam auch den ihr gebührenden Platz. Da sie arm an Anthocyanen, Zucker und Poliphenolen und folglich an Farbe, Alkohol und Gerbstoff ist, war sie in den dunklen Zeiten aufgeblasener Weine zu einem Schattendasein in lokalen Trattorien verdammt (wo man sie unter anderem auch aufgrund ihrer Kompatibilität zu Fisch sehr schätzte).

*Der Cerasulo di Vittoria ist Siziliens einzige DOCG und hat nichts mit dem Cerasuolo d’Abruzzo zu tun. Während Letzterer ausnahmslos ein rosato ist, wird der Cerasuolo di Vittoria stets zu Rotwein verarbeitet. Pflicht sind mindestens 60% Nero d’Avola Anteil, der Rest ist Frappato. 

Die Weine 

Frappato: Frappato mag es heiß und trocken und folglich ist die Gegend rund um Ragusa optimales Territorium für ihn. Die Reben bei Biscaris wurzeln in kalkdurchsetzter Erde, die dem Wein Richtung und Struktur mit auf den Weg gibt. Die rotbeerigen und floralen Aromen sind delikat und einladend. Der Körper ist subtil, die Textur weich aber nie lasch. Die sizilianische Antwort auf St. Laurent.

Cerasuolo di Vittoria: Spontan vergoren und danach zwei Jahre im Stahltank ausgebaut. Dichter und kräftiger als der Frappato aber doch auch lebendig und mit tiefer und dunkler Frucht. In der Nase hat hier der Nero d’Avola das Kommando über, am Gaumen teilt er sich die Verantwortung mit dem Frappato. Endet saftig und druckvoll.

Den Nero d’Avola von Biscaris habe ich noch nie probiert.

 

BISCARIS

Via Maresciallo Giudice, 52
97011 Acate (RG)
Telefon: +39 0932 990762
Fax: +39 0932 990762
Email: info@biscaris.it
www.biscaris.it

Cold Facts

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Nero d’Avola, Frappato
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung.
Wohnmöglichkeit: nein

Die Weine von Biscaris gibt es vermutlich nirgendwo im deutschsprachigen Raum. Online erhält man sie lavaligiadibacco.com

 

Il Mortellito

Dario Serrentino bin ich das erste Mal vor ein paar Jahren bei einer Verkostung von vinnatur in Rom über den Weg gelaufen. Er war mit zwei Weinen dort vertreten, die beide richtig gut schmeckten. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass er einige Jahre davor ins Valle di Noto, in den äußersten Süden Siziliens zurückgekehrt war. Dort hatten schon Jahrzehnte davor seine Urgroßeltern Trauben, Oliven und Mandeln geerntet. Er selbst hatte gerade sein Universitätsstudium abgeschlossen, danach allerdings den Wunsch verspürt, den Spuren seiner Vorfahren zu folgen und Bauer zu werden.
Im Kopf hatte er dabei einen traditionellen Ansatz, der sich, weit von irgendwelchen önologischen Moden entfernt, vor allem in eine intensiven Beziehung mit seinem Land manifestieren sollte.
Er nannte sein kleines Projekt „Il Mortellito“, eine Referenz an die Myrtensträucher, die früher in der Region wuchsen. Ohne selbst viel von der Landwirtschaft zu verstehen, doch von dem hartnäckigen Wunsch getrieben, so schnell wie möglich alles darüber zu lernen, hörte er sich vor allem bei ortsansässigen Leuten um, die mehr davon verstanden als er. Er pflanzte neben die bereits vorhandenen Frappato und Nero d’Avola-Reben den für die Region typische Moscato di Noto und ergänzte sie mit Grillo und Catarratto, den weißen Klassikern Sizilien. Die Reben wurzeln in kalkdurchsetzten Böden und werden in Alberello, der in den Mittelmeerländern traditionellen Kopferziehung, erzogen.
Ob er biologisch zertifiziert ist, weiß ich nicht, was ich allerdings weiß, ist, dass er seine Weingärten handwerklich und möglichst schonend bewirtschaftet und im Keller seit jeher den Prinzipien der Naturweinbewegung folgt. Das Sortiment hat er mittlerweile um einen weiteren Wein zu einem Trio erweitert, die nicht nur seinen Enthusiasmus wiedergeben, sondern elegant, geradlinig und profund überhaupt zu den besten der Gegend gehören.

Weine

Calaiancu: Grillo mit einem kleinen Anteil Catarratto. Spontan vergoren und im Stahltank auf der Hefe ausgebaut. Saftig und druckvoll. Vital und geradlinig. Die Wärme des sizilianischen Südens spürst du mehr in den Aromen, den Zitrus- und Kräuternoten als im Körper, der zwar profund und nachhaltig ist aber nie ausladend. Viel Wein für wenig Geld.

Viario: 100% Moscato di Noto. Ein Tribut an seine Heimat. Über 48 Stunden auf den Schalen mazeriert. Zeit genug, um dem Wein ein bisschen Grip mit auf den Weg zu geben. Spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Aromatisch, strukturiert und einladend. Erstaunlich leicht im Alkohol. Hat dabei dennoch Tiefe und Substanz. Stringent und kühl (dem Kalk sei Dank, vermute ich mal). Macht nachhaltig Eindruck. Zeigt, dass schon ein kurzer Maischekontakt Aromasorten in eine komplexere und trinkanimierende Richtung lenken kann.

Calaniuru Rosso: mehr Frappato als Nero d’Avola und folglich wesentlich eleganter als die meisten Weine, die man sonst aus dieser Ecke Siziliens bekommt. Dichte Bestockung. Relativ kurze Mazerationszeit. Spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Floral, feinfruchtig, subtil. Eleganter Körper. Ausgewogene Textur. Rotbeerig und vital am Gaumen.

Adresse

Dario Serrentino
Contrada Maccari,
96017 Noto (SR)
info@ilmortellito.it
www.ilmortellito.it
Tel: 346 4770455

Datenblatt

Rebsorten: Nero d’Avola, Frappato, Moscato Bianco, Grillo, Catarratto
Rebfläche: 3 ha Weingärten
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: 
Direktverkauf: ja, nach Voranmeldung
Wohnmöglichkeit: nein

 

Die Weine von Il Mortellito gibt es bei https://www.lavaligiadibacco.com/

Tenuta Armosa

Michele Mölgg macht fantastische lang gereifte Nero d’Avola, mit die besten, die ich kenne. Nicht in Südtirol, wo man ihn den Namen nach hinverorten würde, sondern schon dort, wo Nero d’Avola normalerweise wächst: in Sizilien, genauer in Scicli, einer kleinen im äußersten Südosten der Insel gelegenen Stadt, die von der UNESCO wegen ihrer Barockarchitektur zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Wein gab es hier schon vor dem Barock, vermutlich war das auch damals schon Nero d’Avola und Moscato Bianco, aber so ganz sicher weiß das niemand. Michele hat jedenfalls 2002 die beiden Sorten in den Sand von Scicli gesetzt und sich dabei an der Tradition der Region orientiert.

Die Weingärten sind im wahrsten nur einen Steinwurf vom Meer entfernt, die letzten Reben gehen quasi in den Strand über. Dank des ohnehin trockenen Klimas und den vom Meer durch die Reben zirkulierende Winde liegt es nahe, dass Michele ohne den Einsatz von Chemie arbeitet.

Ob das der Grund ist, warum seine Nero d’Avola um Lichtjahre spannender sind als fast alle anderen, die ich in bisher getrunken habe, ist eine naheliegende Vermutung. Es mag aber auch am kalkdurchsetzten Tuff liegen, der sich unter dem Sand breit macht und daran, dass er nicht auf Teufel komm raus zigtausende Kilo am Hektar zu lesen versucht. Oder an allem zusammen.

Im Keller behandelt er seine Trauben so als würden wir uns irgendwo zwischen Barolo und Barbaresco befinden. Die Maischestandzeiten sind lang, die Ausbauzeiten noch um einiges länger. Die beiden gegenwärtigen Jahrgänge des Siclys und des Curma, seinen beiden Nero d’Avola, sind 2010 und 2011, haben also schon ein knappes Jahrzehnt am Buckel.

Die Weine

Siclys 2010: Ein Nero d’Avola, wie ich ihn noch nie getrunken habe. Druckvoll, strukturiert, elegant – drei Adjektiva, die man Nero d’Avola normalerweise nicht zuordnen will. In der Nase keine zusammengekochte Marmelade sondern frische und lebendige Aromen. Top. 

Ab Hof: €12; bei italvinus €14

Curma 2011: Der Curma ist die Reserve der Tenuta Armosa. Er ist einen Tick kräftiger als der Siclys, schert jetzt allerdings nicht in eine üppig, plumpe Richtung aus. Der Kalk strafft auch hier, gibt Richtung und Struktur. Die Aromen sind ähnlich saftig wie beim Siclys, wirken aber etwas dunkler. Vergoren wird spontan, ausgebaut in gebrauchten Barriques. Gefiltert und geschönt wird nicht.

Ab Hof: €15; bei italvinus €19

Salipetrj 2018: Aus in aller Herrgottsfrühe gelesenen Moscato Bianco-Trauben gekeltert. Bleibt während der Gärung für einige Tage in Kontakt mit seinen Schalen. Ausgebaut wird der Salipetrj für ein halbes Jahr im Stahltank. Gefiltert wird nicht, was zur Folge hat, dass den Wein ein feiner Schleier durchzieht. Ist dank der Mazeration und dem kalkigen Untergrund, in dem die Reben wurzeln, geradlinig und griffig. Florale Aromen prägen, ein paar Fruchtnoten ergänzen. Gleichfalls exzellent.

Ab Hof: €12; bei italvinus €12

Adresse

C.da Pezza Fillippa, 97018 Scicli (Rg)
Telefon: ++39 392 9136858
www.armosa.it

Datenblatt

Rebsorten: Nero d’Avola, Moscato Bianco
Rebfläche: 5 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: 
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

 

Hintergrund

Hoch oben, auf gut 500 Metern, wurzeln in kreideweißen Böden die Reben für den Calcareus. Entfernt am Horizont tut sich das Meer auf, Lampedusa ist nicht weit, Tunis näher als Neapel. Es sind alte Kulturlandschaften, die sich hier über die Hügel und Bergrücken spannen. Griechische Siedler hinterließen keine 10 Kilometer entfernt das Valle dei Templi, das Tal der Tempel, die größte archäologische Ausgrabungsstätte Europas. Mit der Errichtung griechischer Kolonien ging auch stets Weinbau einher und fand folglich auch rund um Agrigento schon vor mehr als 2000 Jahren statt. Ob dabei bereits etwas derart Spektakuläres wie der Calcareus der Brüder Gueli dabei herauskam, wagen wir zu bezweifeln. Schon deswegen, weil wir glauben, dass der Wein auch für heutige Maßstäbe die Latte extrem hoch legt und definitiv zu den aufregendsten Rotweinen der Insel zählt.

Grund dafür ist neben der behutsamen und meist manuellen Weingartenarbeit der drei Brüder ein Klima, das Wärme mit Wind kombiniert und den Reben ein balanciertes und langsames Wachstum ermöglicht. Der an manchen Stellen schneeweiße Boden, dem der Wein seinen Namen verdankt und ein ausgeklügeltes Erziehungssystem (Tendone) tun ein übriges.

Der Calcareus wird wie auch der Erbatino über 6-8 Tage spontan in Zementzisternen vergoren und danach noch für weitere 40-50 Tage auf den Schalen belassen. Der Ausbau erfolgt in gebrauchten 220-Liter Fässern über 24-30 Monate.  Der Wein wird vor der Füllung weder gefiltert noch geschwefelt, bewahrt sich aber dennoch eine bestechende Klarheit und Präzision.

Stil

Elegant, kühl, präzis: Wer auf die Hitze des sizilianischen Südens hofft, sollte zu einer anderen Flasche greifen. Der Calcareus ist ein Kind seines Terroirs und das vereint Kalk und der Höhe geschuldete Tag-Nacht-Unterschiede, die dazu führen, dass der Wein nicht nur profund und dicht ist, sondern auch noch stringent und kompakt. Die Säure ist wie stets bei gut gemachtem und authentischem Nero d’Avola lebendig, das Finale trotz der straffen und engmaschigen Textur unbeschwert und animierend.

Rebsorte: 100% Nero d’Avola
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Hanglage auf 450-550 Meter Seehöhe in Scintilìa. Kühle Winde und Tendone, ein Pergola-ähnliches Erziehungssystem relativieren die intensive Sommerhitze. Kalk- Gipsböden.
Pflanzdatum der Reben: 2000
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten, Ende September
Vergärung: spontan     | wilde Hefen in Zementzisternen, 40 tägige Mazeration
Ausbau: 24-30 Monate in zweit- oder drittbefüllten 220-Liter Fässern, 6 Monate Flaschenreife
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt, unter 20 mg/l Gesamtschwefel
Alkoholgehalt: 13,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

U’ Russu 2015

Hintergrund: In den 1990er Jahren hatte Nero d’Avola seinen Popularitätshöhepunkt, der paradoxerweise Hand in Hand mit seinem qualitativen Tiefpunkt einherging. Zu unfassbar niedrigen Preisen überschwemmten Nero d’Avola-Versionen, die sich nicht einmal zum Strecken von Saucen eigneten, die Supermärkte der Welt. Irgendwann hatten das auch die leidenschaftlichsten Billigtrinker verstanden und Nero d’Avola wanderte aus den Aktionsregalen palettenweise zurück nach Sizilien. Und dort blieben sie auch. Damit war es fürs erste vorbei mit dem Boom der Sorte und die Reputation war dermaßen im Eimer, dass man wiederum zwei Jahrzehnte brauchte, um sie wieder einigermaßen geradezubiegen. Mitverantwortlich für die Wiederauferstehung des Nero d’Avola waren unter anderem die Brüder Gueli, die bislang ungekannte Seiten der Rebsorte aufdeckten und zeigten, dass man aus Nero d’Avola auch Weine keltern kann, die elegant, profund und dynamisch erstaunlich präzis von ihrer Herkunft erzählen können.

Der U Russu stammt von diversen Weingärten rund um das Weingut in Grotte, wird per Hand gelesen und über 6-8 Tage spontan in 2000 Liter großen Zementzisternen vergoren. Danach wird er in kleinere Zementbehältnissen umgezogen, wo er bis zum darauffolgenden Mai lagert, ehe er ungefiltert und ungeschwefelt gefüllt wird und für ein halbes Jahr weiterreift.

Stil

Dunkel, lebhaft und intensiv. Mediterran, erdig und dunkelfruchtig. Der U Russu mag zwar der Einstiegswein von Gueli sein, doch lässt er sich das nicht wirklich anmerken. Die Textur ist dicht und stoffig, das Tannin ist samtig, die Säure animierend aber bestens eingebunden.

Datenblatt

Rebsorte: 80% Nero d’Avola + 20% alte autochthone Sorten
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Diverse leicht abfallende Lagen auf 450-550 Meter Seehöhe rund um Grotte (Provinz Agrigento/Sizilien) Kühle Winde und Tendone, ein Pergola-ähnliches Erziehungssystem relativieren die intensive Sommerhitze. Kalk- und Tonböden.
Lese: Per Hand in 25 Kilo fassende Kisten
Vergärung: spontan     | wilde Hefen, in 2000 Liter großen Zementzisternen
Ausbau: 7 Monate in vetrifiziertem Zement
Filtration: nein
SO: ungeschwefelt
Alkoholgehalt: 13,50 % vol
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2026

Schonmal vorab. Calogero, Giuseppe und Davide Gueli keltern fantastische Weine. Mit die besten Rotweine Siziliens. Nicht aus Nerello mascalese und folglich nicht vom Ätna, sondern – man mag es kaum glauben – aus Nero d’Avola, einer Sorte, die einen im Normalfall eher zu Wasser als zum Wein greifen lässt. Gründe dafür gibt es gleich einige: drei talentierte Winzer – die Söhne von Vincenzo Gueli, der 1986 das Weingut in Grotte, in der Nähe von Agrigento gründete – die im Weingarten wie im Keller eine Menge richtiger Entscheidungen getroffen haben und treffen. Und ein Terrain, das offensichtlich wie gemacht für Nero d’Avola zu sein scheint. Zwischen 450 und 550 Meter gelegen – angesichts dessen, dass man nicht allzu weit vom Meer entfernt ist, also mitten in den Bergen – baut man auf ein kühles Klima und zwei unterschiedliche Bodenstrukturen, Kalk (Calcareaus) und Gips (Erbatino), die zwei sich deutlich voneinander unterscheidende Weine hervorbringen.

In den Weingärten, die sich in Hängen über das Weingut hochziehen, wird biologisch gearbeitet. Die Reben – eine jener durchdachten Entscheidungen, für die schon Vincenzo verantwortlich war – werden in Tendone, einer Pergolavariante erzogen, was angesichts der Sonneneinstrahlung und Sommertemperaturen im Süden Siziliens definitiv Sinn macht (die Leute, die einem in den diversen Wein-Fortbildungskursen immer wieder eintrichtern wollen, dass man in Pergolen keine ordentlichen Weine machen kann, sollten sich mal mit dem Calcareaus von Gueli auseinandersetzen – oder aber, nur um die Ausnahme der Regel zu bestätigen, mit dem Amarone von Ca‘ la Bionda). Die Pflanzdichte liegt bei 1000 Stöcke am Hektar, der Ertrag – jetzt wird es richtig wild – bei 10 Kilo/Stock. Eine weitere, ganz wesentliche Entscheidung, war und ist die Wahl diverser Nero d’Avola Biotypen im Weingarten, die keine einheitlichen sondern höchst unterschiedliche Rebstöcke und Beeren hervorbringen und folglich für eine entsprechende Diversität innerhalb des Rebmaterials sorgen – das bringt natürlich nur dann was, wenn man seine Rebstöcke bestens kennt.

Im Keller setzt man anfangs auf Zement und wilde Hefen. Nach der Gärung bleiben die Schalen weitere 2-3 Wochen mit dem Wein in Kontakt, ehe bei einem ersten Umzug in kleine Holzfässer das erste und einzige Mal geschwefelt wird. Zwei bis drei Jahre bleiben die Weine im Holz, danach wird ungefiltert und ohne weitere Schwefelzugabe gefüllt.

Der Calcareaus (den ich besser kenne als den Erbatino) öffnet sich für gewöhnlich nur langsam, doch wirft er dann sukzessive würzige, fein fruchtige, rotbeerige und steinige Noten in den Talon, wobei es – und das ist ungewöhnlich für die Sorte – nie aufdringlich wird. Im Gegenteil. Hat man den Wein erstmal im Mund wird es immer geradliniger und präziser. Zwar hat man es mit einem durchaus samtigen Körper zu tun, doch zum einen verleihen ihm ordentlich zupackende Tannine einen guten Gripp, zum anderen ist es die Kombination aus Klima und Kalk, die ihn in ein strukturierendes Korsett schnürt und ihn druckvoll,  kompromisslos und ohne Schwenker in Richtung Gaumen befördern. Dort setzen sich dann für die nächste halbe Stunde Aromen fest, die warm, salzig und mediterran ein schlüssiges und saftiges Finale bilden. Viel besser geht es nicht – zumindest für mich. Den Erbatino habe ich zwar ebenfalls in bester Erinnerung, doch trinke ich ihn lieber nochmals bevor ich irgendeinen Unsinn schreibe.

Azienda Agricola Gueli
Via G. Di Vittorio 22, 92020 Grotte (AG) – Italia
Davide Gueli +39 320 2633268
Giuseppe Gueli +39 328 3420183
www.gueli.it

WEINE

Calcareus

Erbatino

Die Preise der Weine liegen bei ca. € 18 (2017)

Im deutschsprachigen Raum hat die Weine meines Wissens niemand, man kann sie aber in Italien via Meteri oder Vini Sud bestellen.

LINKS

Sizilien

Jahresproduktion:
Rebsorten: Nero d’Avola
Rebfläche: 10 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein


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