Cantina Giardino – kampanische Vorreiter

Cantina Giardino

Die Cantina Giardino ist eines der legendären Projekte der italienischen Naturweinwelt. Offiziell ins Leben gerufen wurde sie 2003, doch startete Antonio di Gruttola, der einzige Önologe im 10-köpfigen Team bereits fünf Jahre früher mit ersten experimentellen Vinifizierungen, bei denen er auf jede Art von Zusatzstoffen verzichtete. Er folgte 1998 naturgemäß keiner Mode, sondern wies damals selbst den Weg.

Die Ausgangsidee für die Gründung der Cantina Giardino war allerdings nicht die, die ersten Naturweine Kampaniens in die Flasche zu bringen, sondern die ampelographische Vielfalt und Biodiversität in den Weingärten der Irpinia (der berühmtesten Weinbauregion Kampaniens) zu bewahren. Mitte der 1990er Jahre war das leichter gesagt als getan. Man befand sich damals in den Boomjahren internationaler Rebsorten. Allerorten wurden Cabernet & Co. ausgepflanzt. Die Arbeit an austauschbaren Klonselektionen wurde vorangetrieben. Selbst in den hintersten Winkeln Italiens predigten Vertreter der „schönen neuen Weinwelt“ deren Vorzüge und prophezeiten denjenigen den Untergang, die dieses Spiel nicht mitmachen wollten.

Antonio und seine Freunde spielten nicht mit. Im Gegenteil. Sie starteten mit ihrem Projekt, alte Weingärten vornehmlich alter Winzer ausfindig zu machen und ihnen ihre Trauben abzukaufen. Dafür reisten sie quer durch die Gegend und wurden immer wieder fündig. Sie stießen auf Weingärten mit alten Fiano- oder Coda di Volpe-Reben, auf Parzellen mit Piedirosso, Greco und vor allem Aglianico, der Königin unter den süditalienischen Rebsorten.

Diesem sozial-kulturellen Ansatz ließen sie einen ökologischen folgen. Sie bewirtschafteten ihre eigenen Rebflächen biologisch und überzeugten die Weinbauern, von denen sie Trauben bezogen, es ihnen gleichzutun. So entstand sukzessive eine immer intensivere und gleichzeitig sensiblere Beziehung zu ihrem Territorium, ihren Winzern und ihren Reben. Anfangs extrem kritisch beäugt, kapierten über die Jahre immer mehr Menschen die damit verbundenen positiven Konsequenzen: die Aufwertung autochthoner Rebsorten und Kulturtechniken und die Bewahrung ökologischer Inseln dank einer durchdachten und nachhaltigen Landwirtschaft.

Das Rebmaterial vinifizierten sie in der Folge wie bereits oben kurz erwähnt und bauten es in Hölzern der Umgebung aus. In den letzten Jahren kamen auch mehrere Amphoren hinzu, die aus eigenem Ton von einem befreundeten Töpfer hergestellt werden. Das Resultat sind heterogene und oft brillante Weine, die viel von ihrer Region aber auch von ihren Schöpfern erzählen.


Antonio/Daniela di Gruttola
Adresse: Via Petrara 21b, Ariano Irpinia
Telefon: +39 0825 873084
E-mail: info@cantinagiardino.com
Webseite: www.cantinagiardino.com

 

Weine – eine Auswahl

Coda di Volpe rosa: Ein ganz großer Rosato aus Coda di Volpo rosso, einer raren Rebsorte mit dicker Schale und ausgeprägter Aromatik. Wird über zwei Tage mazeriert und danach für ein Jahr im Kastanienholz ausgebaut. Dichter, stoffiger und aromatischer als nahezu alle anderen Rosati, die ich kenne. Hat Zug und Druck, Körper und Vitalität, Energie und Trinkfluss. Exzellent. (€ 23)

Paski: Coda di Volpe gibt es auch in weiß, tatsächlich ist er in weiß wesentlich bekannter. Wächst auf 450 Metern Höhe in Kalk, die Reben sind 60 Jahre alt. 30% der Charge werden kurz im Kastanienfass ausgebaut und danach mit den restlichen Trauben für ein weiteres im Stahltank vereint. Spielerisch, unbeschwert, feingliedrig, dank einer kurzen Mazeration auch griffig, und strukturiert, mit Blüten- und Steinobstnoten. (€ 22)

Le Fole: Aglianico aus Montemarano, auch Heimat der Cantina di Enza. Wird über in gut 40 Tage mazeriert und in Holz und Stahl ausgebaut. Dunkel. Frisch, saftig, strukturiert. Hat Kraft und energie. Bleibt auch am Gaumen dunkel und intensiv. (€ 18)

Drogone: Abermals Aglianico, allerdings von älteren Reben und einem sich über drei Jahre hinziehenden Ausbau. Riecht nach mediterranen Kräutern und reifen Beeren. Macht Druck. Hat Substanz, spürbar präsente Tannine und einen nachhaltigen Abgang.   

Nude: Aglianico zum Dritten. Das rote Opus Magnum der Cantina Giardino. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der wein noch produziert wird. Das Sortiment fluktuiert fortwährend. Jedenfalls gibt es noch diverse ältere Jahrgänge auf dem Markt. Der jüngste scheint 2011 zu sein. Im Nude wird Aglianico komplett ausgereizt. Die Lese ist spät, der Kontakt mit den Schalen lang, der Ausbau zieht sich über Jahre, der Alkohol ist hoch und die Aromen intensiv und eindrücklich. In der Mitte des Gaumens befindet sich ein profunder Säurekern, der dem Wein Struktur gibt. Alles hier ist kraftvoll und mächtig und doch dynamisch und voller Spannung. Kein Wein für alle Tage. Gelegentlich macht sowas aber schon Spaß.


Rebsorten: Coda di Volpe bianco und rosso, Fiano, Greco, Aglianico, Piedirosso
Rebfläche: 7 Hektar
Manuelle Lese: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Wohnmöglichkeit: nein


Bezugsquellen:

Ab Hof: ja, nach Voranmeldung

Aus Italien online: decanto, callmewine, wineyou

AT/DE/CH: –

 

Bio- und Naturweinwinzer in Italien
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