Weine erzählen: Martin Gojers C——-L 2015

C——–L: Der Strich zwischen C und L am Etikett des Weines ist kein sinnfreier Kunstgriff eines gelangweilten Winzers. Er dient vielmehr dazu den Namen der Riede CAMPILL zu verbergen, der Hauslage des Weinguts Pranzegg, die sich seit Generationen im Besitz der Familie von Martin Gojer befindet – und deren Namen er seit einiger Zeit nicht mehr auf sein Etikett drucken darf.

Anlässlich der Neubewertung der Südtiroler Lagen vor einigen Jahren ist das erstaunlicherweise nur mehr dann erlaubt, wenn sich in einem Wein der Lage Campill (oder Kampill – je nach Schreibart) auch Cabernet Sauvignon (!) befindet. Ein Platzhirsch in der Südtiroler Weinwelt hat die Lage für ein paar Auspflanzungen der alten Bordelaiser Sorte auserkoren und die Spezialisten der Regulierungsbehörde anscheinend auch noch davon überzeugt, dass die Riede ohne sie ihren Charakter und ihre Identität verlieren würde.

Martin Gojer dagegen hat dort 50 Jahre alte Rebstöcke der klassischen Südtiroler Sorte Vernatsch (ital. Schiava) stehen – und keltert daraus, nicht nur unserer Meinung nach, einen der besten Rotweine des ganzen Landes.

Der Strich ist also auch ein Kommentar.

Die Campill ist eine Steillage, die vor allem auf Porphyr und darüberliegenden sandigen Verwitterungsböden basiert. Sie ist nach Norden exponiert, ein Umstand, der sich in einer leicht verzögerten Reife der Trauben positiv bemerkbar macht. Der darin wurzelnde Vernatsch ist mittlerweile 50 Jahre alt, wobei man eigentlich im Plural von der Sorte sprechen müsste, da sie eigentlich eine Rebsortenfamilie mit mehreren, teils recht unterschiedlichen Mitgliedern repräsentiert: Martin Goyers C——–L beispielsweise besteht aus Rotvernatsch (Schiava Gentile) und Grauvernatsch (Schiava Grigia), zwei Rebsorten, die nicht nur unterschiedlich ausschauen, sondern auch unterschiedlich schmecken.

Er liest und vergärt sie allerdings gemeinsam. Nach sechswöchiger Mazeration wird der C——–L in gebrauchte ovale und konische Holzfässer umgezogen und dort für 10 Monate gereift, ehe er im darauffolgenden Jahr in Zementbottichen und Holzfässern sein finales Gleichgewicht findet.

Stil

Vernatsch ist eine tolle Sorte und der C——–L seine vermutlich beste Interpretation. Leicht, agil und subtil ist er doch gleichzeitig tief, dicht und vielschichtig. Rote Beeren und Blütennoten bestimmen das Aromaprofil. Eine feine Säure bündelt eine weiche und warme Struktur und führt den Wein ohne Umwege zum Gaumen. Wer Parallelen mit Pinot Noir feststellt, liegt nicht falsch.

Datenblatt

Rebsorte: Rotvernatsch (Schiava Gentile) und Schiava Grigio (Grauvernatsch)
Bewirtschaftungsart: biologisch
Weingarten: Campill, eine sich nach Nordwesten exponierende Lage auf ca. 400 Metern,
Vergärung: spontan | wilde Hefen, 6-wöchige Mazeration
Ausbau: 10 Monate in ovalen und konischen Holzfässern, danach für weitere 12 Monate in Eiche oder Zement
Filtration: nein
SO:< 50 mg/l
Verschluss: Naturkorken
Trinktemperatur: 16-18 °C
Perfekte Trinkreife: ab sofort – 2030

Vino e terra
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