Podere Alberese: exzellenter Chianti jenseits der Classico Zone

Lucia Bozzano steht paradigmatisch für eine junge Winzergeneration, die der gerne ignorierten Zone zwischen Chianti Classico und Montalcino mit immer besseren Weinen neues Leben einhaucht. Lucia studierte erst Weinbau und Önologie in Mailand und vertiefte danach ihre Kenntnisse in Montalcino, wo sie für einige Jahre arbeitete. Nebenbei begann sie, gemeinsam mit ihrem Partner Fabio Romegialli (ebenfalls ein Önologe, der in seinem mikroskopischen Weingut Monte Isi, einen exzellenten Sangiovese-Schaumwein produziert) die drei Hektar Weingärten zu bewirtschaften, die sich auf gut 500 Metern rund um den Agriturismo ihrer Eltern befinden.

MARIENKÄFER vs. BLATTLÄUSE

Vor wenigen Jahren entschied sie sich, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich ausschließlich um ihre eigenen Reben zu kümmern, ein Schritt, der gleichsam auch einen qualitativen Sprung bedeutete. Von Anfang an konsequent biologisch arbeitend, konnte sie sich nun auch auf die Details und die individuelle Pflege der einzelnen Reben fokussieren. Sie veränderte den Rebschnitt, belebte die Böden mit unterschiedlichsten Einsaaten und ließ in kürzester Zeit neue Lebenswelten für die darin lebenden Insekten und andere Kleinsttiere entstehen (mit der erfreulichen Konsequenz, dass seit einiger Zeit Marienkäfer marodierenden Blattläusen den Garaus machen).

Gleichzeitig hielt sie Ausschau nach alten Weingärten, die sie pachten oder kaufen konnte und stockte in den Folgejahren ihre Rebfläche sukzessive auf 8,5 Hektar auf. Darin wurzeln größtenteils Sangiovesereben, die fast allesamt in den 1970er Jahren gepflanzt wurden, flankiert von Canaiolo und Trebbiano. Einen Weingarten pflanzte sie neu aus, wobei sie neben etwas mehr Sangiovese, die alte aber extrem spannende Sorte Fogliatonda setzte, die nun ihren Basischianti (einen der besten, den ich kenne) aufpeppt.

DER WEG IST DAS ZIEL

Lucia und Fabio wissen zwar ganz genau, wohin der Weg führen soll, sie gehen ihn allerdings langsam. Deutlich wird das vor allem in ihrer Kellerarbeit. Sie üben Jahr für Jahr etwas mehr Verzicht und beobachten wie sich die Weine ohne Eingriffe und Zugaben entwickeln. Seit einigen Jahren vertrauen sie ausschließlich auf die wilden Hefen ihrer Umgebung, schwefeln ihren Most nicht mehr, schönen nicht und filtern nur noch ihren Weißwein. Das Resultat sind Weine, die vital und dynamisch, gehaltvoll und doch geradlinig immer mehr den Ideen der beiden entsprechen und neben ihrer persönlichen Handschrift auch die Essenz ihrer Umgebung immer deutlicher wiedergeben.

Zur Zeit keltert man in der Podere Alberese vier Weine: mit dem Jahrgang 2017 gab es erstmals einen nach der metodo ancestrale gekelterten Frizzante aus Trebbiano und Malvasia. Quicklebendig, straff und aromatisch erstaunlich vielschicht verdeutlicht er, dass man viel öfter zu Schaumweinen greifen sollte, auf denen nicht Prosecco draufsteht. Der Aprilante ist ein klassischer Weißwein aus Trebbiano, der dank einer sehr sanften und langsamen Pressung auch ein paar strukturierende Tannine in seine saftige und sehr direkte Textur integriert. Kräuter, Salz und Tonic (dem Kalk geschuldet?) prägen das Aromaprofil. Der beste Wein der Podere Alberese ist derzeit ihr Chianti A Vento il Sole (2015), der ausgeglichen und unbeschwert feine rote Frucht in einen ätherischen aber doch profunden Körper bettet (und für € 10 ab Hof viel zu billig ist). Etwas müde wirkt dagegen die Chianti Riserva 2012 – wobei ich felsenfest davon überzeugt bin, dass die, sich noch im Fass oder in der Flaschenreifephase befindlichen Interpretationen zunehmend von der immer persönlicheren Herangehensweise der beiden profitieren werden.

Podere Alberese di Bozzano Lucia
Loc. Casabianca – 53041 Asciano (SI)
Tel. +39 0577 705089 oder 0577 704572
info@poderealberese.it
www.poderealberese.it

WEINE

Aprilante
Chianti A Vento e Sole
Chianti Podere Alberese Riserva

Die Weine kosten zwischen € 10 und € 17 (Stand 2018). Leider sind sie, meines Wissens, derzeit nur in Italien erhältlich.

Jahresproduktion: ca.20000 Flaschen
Rebsorten: Sangiovese, Fogliatonda, Canaiolo, Malvasia, Trebbiano
Rebfläche: 7 ha
Manuelle Lese: ja
Dünger: nein
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch zertifiziert: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Vino e terra
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